Donnerstag, 26. Juni 2014

Tag 42 - 44: Pause in Taizé

Eingecheckt haben wir in Taizé erst einmal bis Freitag, da wir bei unserer Ankunft direkt bezahlen mussten.  Der Teilnehmerbeitrag errechnet sich aus der Herkunft. Die deutschen zahlen also mehr als die Teilnehmer aus ärmeren Ländern.  Uns wurde für die Zeit von Dienstag Abend bis Freitag morgen ein Rahmen zwischen 56 und 75€ vorgegeben,  aus dem wir uns den für uns möglichen oft passenden Beitrag wählen konnten.
Am Mittwoch trennten Johannes und ich uns nach dem Morgengebet, da er ja bei den Erwachsenen essen und thematisch arbeiten sollte. Das Morgengebet fand vor dem Frühstück statt und verlief ähnlich wie gestern,  nur dass morgens zusätzlich Abendmahl gefeiert wird.
Das Frühstück bestand aus einem Brötchen, einem Päckchen Butter und zwei Stücken Schokolade, die man sich ins Brötchen schieben konnte (das machen wir auf der Reise auch manchmal). Dazu gab es wahlweise Tee oder Kakao. Besteck gab es keines und so biss ich eben vom Butterstück ab. Etwas gewöhnungsbedürftig,  aber es spart Abwasch. Leider produziert diese Methode aber auch sehr viel Müll.  Butter, Kekse und so weiter werden in kleinen Päckchen ausgegeben und bei der Menschenmenge hat man nachher sehr viele Tüten voll Müll. Butter vom Block ausgeben und Messer abwaschen wäre für die Umwelt die bessere Alternative.
Meine Einführung in das Tagesthema fand in einem Raum statt, in dem etwa 50-60 Teilnehmer in meinem Alter saßen. Hinterher wurde in Kleingruppen weitergearbeitet. Da gestern noch ein paar Neue angekommen waren, bildeten wir eine neue Kleingruppe. So saß ich mit jungen Menschen aus Schweden, den Niederlanden, China und Korea zusammen und es ist so gut, dass wir alle englisch sprechen. 
Während ich mit meiner Kleingruppe zusammensaß entdeckte ich Frank,  der über den Platz zur Kirche lief. Ich dachte, er sei schon viel weiter und war froh, ihn noch einmal zu sehen.  Später entdeckte ich auch die beiden deutschen Pilger, die sich in Taizé einen Stempel holten. Im Haus standen mehrere Menschen und ich war verwirrt, als mich eine Frau ansprach, ob ich Birte wäre. Es war Britta aus unserem Pilgerforum, mit der ich mich seit einiger Zeit über das Forum austausche, weil sie wenige Tage hinter uns lief.  Durch ihr flottes Tempo und unsere Nacht in Taizé hatte sie uns tatsächlich eingeholt und ich bin mit Johannes im richtigen Moment am Empfang vorbeigelaufen. Was für eine schöne Begegnung! Wir unterhielten uns und besuchten gemeinsam das Mittagsgebet. Hinterher hätten wir wohl noch Stunden weiterreden können,  aber ich musste zusehen, noch etwas vom Mittagessen abzubekommen und kam in letzter Minute an. 3 Minuten später wurde abgeräumt. 
Den Tag verbrachte ich damit, mich umzusehen, den Ort zu besuchen, eine Vogelmutter bei der Fütterung ihrer Jungen zu beobachten (und zu filmen), mich mit der Schwedin zu unterhalten, im Taizéladen zu stöbern, Postkarten und eine Kette zu kaufen und Leute aus aller Welt kennenzulernen. Unser Kleingruppentreffen am Nachmittag war richtig schön, wir unterhielten uns mehr über unsere Länder und Jobs als über das vorgegebene Thema, aber das war okay für uns alle und ist ja auch so spannend. 
Am Donnerstag stand ich bereits um 6.30 Uhr auf, weil mein Knie mich nicht mehr schlafen ließ. Ich nutzte die Gelegenheit,  eine freie Steckdose zu nutzen und etwas Tagebuch zu schreiben. Nach dem Morgengebet gab es das gleiche Frühstück wie gestern und ich beobachtete,  dass einige Jugendliche so klug waren, einen Schokoladenriegel zum verstreichen der Butter zu nutzen. Ich machte es mit dem Rest meiner angebissenen Butter ebenso und legte die Schokolade auf das Brötchen.
Da aus meiner Kleingruppe nur der Niederländer da war, suchten wir uns eine neue und sind jetzt zusammen mit zwei Deutschen, zwei Französinnen,  einem weiteren Niederländer und zwei Mädels aus den USA in einer Gruppe. Wir verabredeten uns für den Nachmittag und nutzten den Vormittag für uns. Ich legte mich auf die Wiese und entspannte.
Zum Mittagessen traf ich einen der Koreaner (dessen Namen ich mir nie werde merken können) aus meiner Kleingruppe und wir aßen zusammen ein etwas seltsames Couscousgericht mit Kichererbsen und allerhand Gemüse. Dazu gab es natürlich Baguette. Die Franzosen essen ja zu allem Baguette. Vermutlich gibt es hier im Land sogar zum Baguette noch Baguette.
Wir unterhielten uns über die WM, denn viele der deutschen Jugendlichen hatten sich dem bevorstehenden Spiel entsprechend gekleidet und geschminkt. 
Später verlängerten wir unseren Aufenthalt um einen weiteren Tag.  An sich würden wir morgen weiterlaufen (wollen), aber mit meinem Knie wird es nach zwei Pausentagen nicht besser sein. Drei werden es zwar sicher auch nicht viel besser machen, aber wir bleiben lieber hier als bald auf einem Campingplatz zu hängen, weil ich nicht weiterkomme. Wir sind kurz vor dem Zentralmassiv und jede Schonung tut dem Knie gut. Laut Schrittzähler laufe ich hier zwar auch 10 km pro Tag, aber ohne Gepäck und natürlich nicht am Stück.
Das WM-Spiel wurde leider nirgendwo übertragen und es lief auch über die Zeit des Abendessens. Aber man hörte hier und da immer wieder Zwischenstände und der Sieg für Deutschland blieb natürlich nicht ungefeiert.
Am Nachmittag lernten wir einen weiteren Pilger kennen, der in Niedersachsen gestartet ist und eher durch Zufall auf dem Jakobsweg gelandet und hängen geblieben ist. Wir unterhielten uns lange und tauschten unsere Erfahrungen mit den Menschen auf dem Weg aus.  Keiner von uns hat bisher irgendeine negative Erfahrung gemacht. Die Franzosen sind bisher durchweg freundlich, gastfreundlich und hilfsbereit.
Am Abend trafen wir uns noch einmal wieder und nachdem die Männer ins Bett gegangen sind,  habe ich von einer Gruppe Jugendlicher ein Gruppenklatschspiel gelernt. Einer der aktuellen Taizéklassiker. Egal wo man hinkommt,  irgendwo spielt eine Gruppe gerade ein Spiel.  
Den Jugendlichen zuzuhören,  wenn man im Zelt liegt oder sich in ihrer Nähe aufhält,  ist immer ein großer Spaß.  So viele Beziehungsdramen, Zickereien und wermachtwasmitwemundohnewen. Auf dem Weg zum Zelt kam ich noch mit einem Kölner ins Gespräch und so war ich dann doch viel später als geplant im Bett. 
Am Freitag haben wir verschlafen und wachten 5 Minuten vor Beginn des Morgengebets auf.  Ich nutzte die Zeit um zu duschen,  denn zu den Gebeten scheinen doch die meisten zu gehen.  Ich traf mich wieder mit meiner Kleingruppe, ging zum Chor, um Taizégesänge zu lernen und lernte hier und da Leute kennen.  Zum Mittagessen gab es heute einen mäßig leckeren Linseneintopf, von dem wieder sehr viel in den Müll wanderte.
Da gibt es extra Schilder,  dass kein Essen weggeworfen werden soll und dann servieren die einigen hundert Jugendlichen Speisen, von denen man wissen kann,  dass sie nicht gut ankommen. Na ja. Dazu gab es ein bisschen Käse (natürlich auch separat verpackt), Baguette und zwei verpackte Kekse zum Nachtisch. 
Abends bekam jeder einen Klecks Kartoffelbrei und ein Fischstäbchen. Dazu wieder Baguette und einen Keks.  
Das Abendgebet war heute Abend etwas anders als gewöhnlich,  aber sehr schön. Den eigentlichen Höhepunkt der Woche verpassen wir morgen. Da halten alle eine Kerze in der Hand. Auf einer Postkarte habe ich das schon gesehen und jetzt weiß ich auch, warum in den Liederbüchern dauernd Wachsflecken zu finden sind.
Nachmittags war ich unten an der Quelle St.Etienne, wo Stille herrschen soll und es einen See und viele Wiesen gibt. Ein sehr hübscher Park.
Wir haben natürlich noch viel mehr in Taizé erlebt und gemacht und auch der letzte Abend war schön. Wer hier vorbeikommt und etwas Zeit hat, der sollte hier einchecken. Ich finde es lohnt sich. Offiziell wird man wohl erst ab 3 Nächten aufgenommen, aber bei Pilgern sind sie glaube ich gnädiger. Morgrn geht es dann nach dem Frühstück weiter auf dem Jakobsweg, denn wir wollen ja auch irgendwann ankommen.

Kommentare:

  1. Hallo. Wir(ich und meine Frau) waren 2005 als wir auf dem Weg nach Santiago mit dem Rad waren auch in Taize und haben in unserem Zelt geschlafen. Wir waren 3 Tage dort und es war sehr beeindruckend. Zum Essen gab es bei uns immer einen Löffel mit einem breiten Griff mit dem man auch Brot schmieren konnte. Dann waren wir in Cluny was auch sehr schön war. Ich wünsche dass dein Knie noch recht lange mitgeht und Ihr gut in Santiago ankommt. Lese ständig deinen Blog und war ganz verduzt weil lange keine Beiträge kammen. Weiterhin guten Weg und Buen Camino
    von altbrummi

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  2. Huhu,
    wir haben nicht immer Internet und deswegen dauert es manchmal, bis ein neuer Schwung Beiträge kommt.

    Ich vermute, ihr seid über 30, in der Abteilung gibt es morgens Löffel, das junge Volk muss ohne auskommen.
    Ich hätte auch mein Taschenmesser mitnehmen können, hab aber nie daran gedacht ;)

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