Sonntag, 15. Juni 2014

Tag 32: Langres - Perrogney-les-Fontaines

Heute morgen haben wir alles etwas langsamer angehen lassen, denn wir mussten ja ohnehin warten, bis die Touristeninformation um 10 Uhr öffnete. Also steckten wir unsere Technik noch einmal an die Steckdosen in der Nähe des Zeltes und schauten noch mal ins Internet.
Dann zogen wir los und erkundeten den Ort innerhalb der Mauern oben auf dem Berg. Wir liefen ein gutes Stück am der Stadtmauer entlang, genossen weite Aussichten und den sonnigen, wenn auch ziemlich frischen Morgen. Gestern Abend war es schon so kalt, dass ich all meine langen Klamotten anzog. Die größte Hitze ist wohl erst einmal überstanden.
Nachdem wir uns auch den Dom noch etwas genauer angeschaut hatten aus gestern, kauften wir uns ein leckeres Frühstück in der Boulangerie und setzten uns auf die Wiese vor der Touristeninformation.
Als diese öffnete mussten wir feststellen, dass Langres damals vielleicht eine bedeutende Pilgerstadt gewesen sein mag (das zumindest sagt unser Führer), sich heute jedoch nichts mehr daraus zu machen scheint. Einen Stempel hatten sie zwar für unseren Pilgerausweis, aber keinerlei Informationen, auch keine Karte, nichts.
Unsere Wanderkarte endet aber in Langres und wir hatten gehofft, dass es wenigstens französische Literatur geben würde.
Nun gut, dann werden wir unser Glück mit unserem Uraltbuch versuchen.
Als wir Langres verließen, war es schon recht spät und wir wollten noch 30 km bis nach Auberive laufen.
So schnell wie geplant kamen wir dann aber nicht voran.
Das lag zum Einen daran, dass wir viele viele Erdbeeren gefunden und gegessen haben, sowie unsere Füße im einladenden Becken eines Örtchens badeten und zum Anderen daran, dass wir heute ein paar Kirchen betreten konnten.
Wir wissen nicht, woran es liegt, aber fast alle Dorfkirchen, die wir betreten können, sind in einem erbärmlichen Zustand, weil sie offenbar einen großen Wasserschaden hinter sich haben. Grüne Böden und muffiger Geruch, so sieht es vielerorts aus.
Diese Kirchen sind nur deshalb offen, weil viel gelüftet werden muss. Es sind allerdings auch die Kirchen, in die wir reingehen können, also ist das für unser Bild von französischen Kirchen nicht gerade gut.
Die Kirche in Vieux Moulins ist allerdings in einem katastrophalem Zustand. Die Feuchtigkeit und ihre Folgen stehen bis zu einem Meter hoch, Bänke sind kaputt, ein Bild hängt zerfetzt im Rahmen. Der Beichtstuhl ist nur noch ein Haufen Sperrholz und die Kanzel ist eine Müllecke. Ironischerweise hängt hier noch ein Schild, das die Preise für die Kirchennutzung angekündigt. Für 150-300€ kann man hier zum Beispiel heiraten.
Wir liefen über die Landstraße in den nächsten Ort und spielten dabei etwas Mundharmonika. Wir können das beide nicht, aber irgendetwas wohlklingendes kommt meistens heraus.
Die Gegend, durch die wir laufen, wird immer hübscher. Hügeliges Weideland, Wälder und hohe Ebenen, von denen man gute Aussichten hat. Leider ist hier kein Jakobsweg ausgeschildert. Es geht also wie in den letzten Tagen ohne Wegweiser weiter, bzw. am Fernwanderweg GR7 entlang. Ich vermisse die Muscheln und gelben Pfeile.
Die Wegführung des GR7 muss sich in den Jahren zwischen 2009 und heute jedoch geändert haben und wir verliefen uns, nachdem wir weder Wegweiser fanden noch der Beschreibung im Buch folgen konnten, weil es die angekündigten Wege nicht mehr gab. Wir irrten hin und her, weil wir in der Nähe der Autobahn waren und diese unterqueren sollten. Da kann man dann nicht einfach querfeldein marschieren. Wir schafften es mit Hilfe der Openstreetmap auf dem Handy, einen Rastplatz zu erreichen, hinter dem es eine Brücke gab. Dies war zwar ein Umweg und dazu kein besonders schöner, aber immerhin ein sicherer als weiter im Wald herumzuirren.
Wir erreichten unseren Zielort Perrogney-les-Fontaines (wir hatten entschieden, die Etappen zu ändern und dann morgen weiter zu laufen als geplant) und machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Garten. Da wir an zwei Häusern niemanden antrafen, sprachen wir einen Monsieur an, der sich mit seinem Freund durch dessen Autofenster unterhielt.
Und wir hatten Glück: Der Mann im Wagen hat ein Grundstück wenige Meter entfernt, an dem das alte Haus renoviert wird. Er wohnt hier nicht, aber wir konnten uns ein Plätzchen im großen Garten suchen und bekamen sogar einen Wasseranschluss.
Wir verbrachten einen ruhigen Abend und bemerkten irgendwann, dass wie Kühe als Nachbarn hatten. Zwischen ihnen entdeckten wir später sogar noch einen Fuchs.
Wir genossen unseren Abend als Grundstücksbesitzer und waren froh, dass es heute Abend mild war.

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