Samstag, 12. Juli 2014

Tag60: Saugues - St. Alban sur Limagnole

Als wir heute morgen den Ort verließen,  sahen wir (wie bereits gestern) einige Holzskulpturen. Hübsche und kunstvolle Arbeiten. Hier lebt vermutlich jemand,  der seinen Ort verschönern wollte und das hat er auch geschafft.
Wir liefen wieder in die Natur,  auf einen Hügel,  von dem wir eine gute Aussicht hatten. Der Himmel sah heute wieder freundlicher aus,  aber es sollte noch nicht ganz überstanden sein mit dem Regen.
Heute liefen wir 35 Km und der Grund dafür war, dass wir das WM- Finale sehen wollten. Es kann ja schließlich sein, dass Deutschland gewinnt und ob wir das noch mal erleben werden, ist ja unklar. 
Die Herbergen haben keine Fernseher (das ist natürlich auch gut so) und wir kamen nur durch kleine Dörfer vorher. Ein Anruf beim Campingplatz ergab, dass sie das Spiel zeigen werden, also liefen wir heute eine ziemlich lange Etappe.
Natürlich können wir inzwischen gut über 30 km laufen, aber weniger ist uns trotzdem lieber und ich denke auch immer an mein Knie. Außerdem fühlen wir uns dann nicht so entspannt.
Heute ging es lange Zeit durch Wälder auf den Bergen,  in denen Pferde in Freiheit leben sollen. Ob sie hier einfach riesige Gehege haben oder Wildpferde sind, wissen wir nicht, denn die Gebiete sind stets umzäunt, es ist also ohnehin nur die halbe Freiheit. 
Irgendwann entdeckte ich sogar eine kleine Herde auf einem offenen Feld am Waldrand und später standen welche direkt am Zaun vor uns,  wobei wir bei denen nicht sicher waren, ob die noch zu den freien Pferden zählten, weil sogar die Fohlen zutraulich waren.
Johannes hat sich heute einen Stock gesucht,  er möchte das jetzt auch einmal probieren.
Leider fing es am frühen Nachmittag wieder zu regnen an und wir mussten uns unter unsere Ponchos verziehen.
Wir liefen an einer Quelle vorbei zu einer kleinen Kapelle mit einem Refuge und es ist schade,  dass nicht alle Schutzhütten  in unserem Buch aufgeführt sind,  wir würden gern noch einmal in einem übernachten. Dieses Refuge stand zwar drin, aber heute brauchen wir ja einen Fernseher und können deswegen nicht hierbleiben.
Wir warteten in dieser Hütte, bis der Regen aufhörte und setzten unseren Weg dann bergab fort. 
Es ging wieder recht steil den Berg herunter und wir mussten über einige Felsen klettern. Aber die Aussicht, die dabei hatten, war herrlich.
Die Gegend,  durch die wir wanderten ist wirklich hübsch und ich kann schon jetzt verstehen, dass uns jeder erzählt, der Abschnitt zwischen Le Puy und St.Jean-Pied-de-Port sei die schönste auf der gesamten Strecke.
Wir laufen so viel bergauf und bergab, dass wir natürlich auch viel mehr Aussichten haben als vorher.
Die letzten Kilometer liefen wir mit einem Franzosen, der überraschend gut englisch spricht für einen Franzosen.  Es ist nicht nur ein Vorurteil, die Franzosen sagen selbst von sich, schlecht englisch zu sprechen. Aber viele versuchen es dennoch und weigern sich nicht, wie man immer wieder hört.
In St.Alban fanden wir nichts zu essen, heute ist ja Sonntag und es gab nur ein offenes Restaurant, was man an den Preisen sicher gemerkt hätte. Wir hofften, dass es auf dem Campingplatz etwas zu essen gäbe und liefen die 2 Km zum Platz. 
Der Campingplatz liegt hübsch gelegen an einem Fluss und es gab sogar zwei Schwimmbecken, die wir aber nicht nutzen konnten, weil bei dem Wetter niemand ins Wasser will. Deswegen war er abgesperrt und bedeckt. 
Wir schafften es gerade noch, unser Zelt aufzustellen,  bevor es für einige Stunden zu regnen begann.
Glücklicherweise hat der Platz einen Imbiss und ein großes Zelt,  in dem der Fernseher stand. 
In unserem Zelt entdeckten wir, dass die Fliege, die seit vorgestern bei uns wohnt und die jetzt zweimal mit eingerollt und eingepackt wurde,  immer noch lebt. Ich setzte Charly (so heißt die Fliege) aus, er putzte seine krummen Flügel, konnte aber nicht wegfliegen, also ließ ich ihn wieder in unser Zelt. Hier kann er sich erholen und danach die neue Umgebung erkunden.
Wir bestellten  am Imbiss etwas zu essen und warteten im großen Zelt auf den Beginn des Fußballspieles. Leider nutzten die Franzosen die Zeit vor den Nationalhymnen für Werbung und wir sahen nichts vorher.
Im Laufe des Abends wurde es richtig kalt und ich fror, obwohl ich alle Klamotten übereinander trug.
Aber der Sieg der deutschen Mannschaft war es allemal wert.  Johannes hätte das Endspiel nicht verpassen wollen-Pilgerreise hin oder her. Für mich war es zwar nicht ganz so wichtig,  ich war aber auch froh, es gucken zu können. Wer weiß,  ob und wann ich wieder ein Finale sehe,  in dem Deutschland Weltmeister wird?!
Dennoch sind wir froh, unsere Etappen nicht mehr an den Spielplan anpassen zu müssen.

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