Mittwoch, 2. Juli 2014

Tag 50: Noailly - St.Jean-St.Maurice-sur-Loire

Heute morgen standen wir etwas später auf als geplant. Betten genießen wir einfach,  denn wir wissen ja nie,  wann das nächste kommt. Eine Bettdecke hatte ich zudem wirklich schon lange nicht mehr und die Beinfreiheit haben mein Knie und ich sehr genossen.  
Das Wetter sah heute früh noch recht freundlich aus.  Wir kauften uns im Dorfladen ein Frühstück und verputzten es 2km weiter auf der Landstraße,  da einfach kein Platz zum hinsetzen kam. Aber das sitzen auf der Straße kennen wir ja und irgendwie hat das auch etwas.
Im Laufe des Vormittags kamen wir an einem Gehege mit Puten vorbei und es hilft ja nix, diese Tiere sind einfach hässlich. Das habe ich den ihnen auch gesagt und auf jedes "hässlich" haben sie mit Protestschreien reagiert. 
Kurz darauf erreichten wir einen Weg, der "chemin des pèlerins" heißt und hier haben wir in etwa die ersten 1000 km voll.
1000 km.
Das klingt ganz schön weit und inzwischen sieht man ja auch auf der Landkarte eine deutliche Entfernung zu Siegen. 
Wir sahen heute eine ganz frisch renovierte Kirche und inzwischen sind wirklich viele Kirchen geöffnet und in deutlich besserem Zustand als in der Lorraine.
Wir legten vor der Tür eine Pause ein und liefen dann weiter zum  Supermarkt des nächsten Ortes. Dort kauften wir uns eine Packung Snickerseis und Johannes legte noch eine Packung Marseis nach (3 Eis waren ihm nicht genug). Es ist echt unfair,  dass er dabei noch fast untergewichtig ist. 
Die letzten Kilometer bis zum angepeilten Etappenziel zogen sich wieder einmal in die Länge. Aber irgendwann sahen wir das Ortsschild und liefen auf die Kirche zu. In unserem Buch steht, dass es hier eine alte Freske geben soll, die Jakobus zeigt.
Die haben wir eine ganze Weile gesucht (weil wir auch nicht ganz sicher waren,  das richtige zu suchen), bis ein Mann hereinkam und uns verriet,  dass wir in der falschen Kirche waren. Saint-Jean-Saint-Maurice-sur-Loire ist ein Doppelort und hat dementsprechend auch zwei Kirchen.
Da wir vorher gesehen hatten, dass um die Kirche herum eine schöne Rasenfläche war, fragten wir den Herrn bei der Gelegenheit,  wer uns wohl erlauben könnte, hinter der Kirche zu zelten. Er tat es direkt und gab uns gleich noch seine Telefonnummer und schloss zusätzlich einen Abstellraum auf, der eine Tür zur Wiese heraus hatte. Hier konnten wir unsere Sachen lagern und im Falle eines Gewitters (es war mal wieder eines angekündigt) Unterschlupf finden.
Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten, kam die Frau des Mannes mit ihrem Enkel und lud uns ein, bei ihnen zu duschen.  Sie ist selbst Pilgerin und weiß,  wie gut das nach einem Wandertag tut. Hinterher saßen wir noch bei Getränken und Keksen im Garten und hätten wir unser Zelt nicht schon aufgebaut und uns eingerichtet,  hätten wir auch dort schlafen können. Aber wir freuten uns auch auf unser Zelt, es ist ja unser zu Hause. Und hinter einer Kirche zu zelten ist auch schön.

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