Montag, 21. Juli 2014

Tag 68: Livinhac le haut - Figeac

Heute morgen bekamen wir ein leckeres Frühstück und da es regnete, hielten wir uns noch einige Zeit in der Herberge auf und unterhielten uns mit dem Leiter. Er erzählte, dass es Pilger gibt, die hier essen und schlafen und nichts weiter als ein "Danke und Tschüss" da lassen und dass aus diesem Grunde viele Spendenherbergen nach dem zweiten Jahr schließen oder feste Preise einführen.

Als der Regen nachließ, aber nicht aufzuhören schien, machten wir uns unter unseren Ponchos versteckt auf den Weg. Als Lydia und Johannes gerade etwas Proviant im Laden besorgten, kam der Herbergsvater auf seinem Fahrrad hinter uns hergefahren und drückte mir zwei Tafeln Zartbitterschokolade in die Hand. Augenzwinkernd sagte er, die hätten wir vergessen.

Wir liefen heute wieder durch hübsche Natur und freuten uns über jede Regenpause. In einer Kirche trafen wir Thomas und Pierre und teilten die Schokolade aus der Herberge. Thomas stimmte "Ubi caritas" an und seine Stimme erfüllte die ganze Kirche.

Der Weg führte uns heute über einen Privatweg, an dem durch ein Schild verboten wurde, sein großes Geschäft hier zu verrichten. Der Weg würde sonst gesperrt. Das Wetter wurde deutlich besser und wir erreichten zwei nebeneinanderliegende Seen, an denen eine Reihe Baumstämme aufgestapelt lagen. Ein guter Ort für eine Pause und so ließen wir uns nieder und packten unsere Lebensmittel aus.

Als wir wieder ein paar hübsche Kilometer hinter uns gebracht hatten, erreichten wir einen besonderen Pilgerpausenplatz an einer kleinen Kirche. Eine halb verfallene Hütte mit vielen Sofas, einigen Tischen, Stühlen, vielen alten Möbeln und allerlei herumstehendem Zeug. Auf einem Tisch standen Getränke und eine Spendendose und in der Hütte auf einem Schränkchen hatte jemand eine Dose Pepsi ausgesetzt (ich habe sie natürlich gerettet). Dieser Ort hat einen gewissen Charme, ist aber auch ziemlich überfüllt, weil so viel Zeug herumsteht.

Wir machten uns an den Endspurt ins Tal, der für Johannes und mich fast 2 km kürzer ausfiel, weil der Campingplatz vor dem Ort liegt und wir heute hier schlafen werden. Wir checkten ein und mussten danach fast 5 Minuten laufen, um unseren Platz zu finden, so groß ist es hier. Wir liefen am örtlichen Freibad vorbei, in das wir als Campingplatzbesucher wieder freien Eintritt haben und bauten unser Zelt auf. Dann gingen wir rüber ins Schwimmbad, denn heute sind wir wieder gut ins Schwitzen gekommen und es wurde zum Nachmittag wieder richtig warm.
Das Freibad hat sogar ein Wellenbad und eine Rutsche. Ein herrlicher Feierabend. 
Johannes ging irgendwann raus und in den Ort (er hat nicht so viel Freude am Wasser wie ich) und wir trafen uns auf der Wiese beim Empfang, wo es Internet gibt. 
Wir aßen zu Abend und hielten uns noch lange an diesem Platz auf und beobachteten Jugendliche, die auf der Slackline balancierten.

Als wir im Zelt waren, war es schon spät und kurz vor dem einschlafen merkte ich, dass mein Schrittzähler nicht mehr da war. Ich hatte ihn in der Umkleide vom Schwimmbad in den Schrank gelegt, aber erinnerte mich nicht daran, ihn hinterher wieder angesteckt zu haben.
Ich durchsuchte die einzige Tasche, die ich seit dem Schwimmbad genutzt hatte und suchte das ganze Zelt ab und dann begab ich mich auf eine 40- minütige Suche und lief alle Wege ab, auf denen ich seit dem Schwimmbad gewesen war. Und ich schrieb ja bereits, dass wir ziemlich weit laufen mussten, um zu unserem Zelt zu kommen... Wenn der Schrittzähler irgendwo im Gras liegt, kann er morgen früh nass und kaputt sein.

Da ich per Bluetooth und Internet (leider nur in Kombination miteinander) eine Verbindung herstellen kann, um die Ergebnisse des Tages zu synchronisieren wusste ich schnell, dass er nicht im Gras lag, wo wir gegessen hatten. Ich stellte das teure mobile Internet an und versuchte an der Schwimmbadtür und im Zelt eine Verbindung zu bekommen, aber es klappte nicht. 
Ich ärgerte mich und wollte nicht aufgeben, aber da ich nicht wusste, wo ich noch suchen soll, muss ich im Schwimmbad nachfragen. Wenn ich ihn nicht wiederfinde, habe ich mein Geburtstagsgeschenk verloren.

(Wer wissen will, wie es ausgegangen ist:

Heute morgen bin ich früh aufwacht, weil ich unterbewusst so viel an den verlorenen Schrittzähler denken musste. Ich hatte zwischendurch geträumt, dass ich ihn gefunden habe und wertete das als gutes Zeichen. Ärgerlicherweise öffnet das Schwimmbad erst um 11.30 Uhr und ich hoffte, dass wir nicht so lang warten müssen, da wir uns ja auch noch um die kaputte Kamera kümmern müssen. 

Ich lief noch einmal erfolglos alle Wege ab und fragte an der Rezeption des Platzes, ob er abgegeben wurde. Die Dame dachte, ich spreche von einem USB-Stick und da mein Französisch nicht für das Wort Schrittzähler reicht, musste ich pantomimisch darstellen, was ich verloren habe. Amüsiert korrigierte die Dame das Wort auf ihrem Notizzettel und ich suchte weiter.
Irgendwann nach 8 Uhr tauchten Mitarbeiter im Schwimmbad auf und ich brauchte fast 15 Minuten, um die Aufmerksamkeit eines Angestellten zu bekommen, denn das Freibad war groß und der Zaun recht hoch und verdeckt.

Ich erwischte einen freundlichen Mitarbeiter, der mich sofort hineinließ und wie suchten in der Umkleidekabine, aber da lag er natürlich nicht offen herum. Ich leuchtete auch unter den Schrank, sah aber nichts. Da Technikgegenstände woanders gelagert werden als Kleidung, sollte ich um 10 Uhr wiederkommen. Damit ich das nicht umsonst tu, wollte ich versuchen, eine Verbindung über Bluetooth aufzunehmen und wir gingen wieder in die Umkleidekabine, um dort anzufangen. 
Als ich gerade am Handy alles vorbereitete, entdeckte der Mann, der in einem anderen Winkel zum Schrank stand als ich, den Schrittzähler unter dem Schrank, direkt am Schrankfuß. So ein Glück!
Ich war so erleichtert, dass ihn niemand entdeckt und mitgenommen hat und freute mich riesig, ihn zurückzuhaben).

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