Donnerstag, 10. Juli 2014

Tag 58: Le Puy en Velay - St.Privat d'Allier

Heute früh mussten wir um halb 6 aufstehen,  um pünktlich um 7 zur Pilgermesse in der Kirche zu sein. Es war noch dunkel und wir mussten mit Taschenlampen unsere Sachen einpacken.  Das war nichts für uns und wir werden in Zukunft wohl wieder auf den Tag warten, ehe wir aufstehen.
Wir haben aber auch nicht viel geschlafen,  weil wir gestern noch eine Wanderung durch die Altstadt im dunklen gemacht haben.  Wir haben auf dem Campingplatz einen Flyer mit der Route bekommen und abends sind die Sehenswürdigkeiten so hübsch beleuchtet. Die Wanderung hat sich auch wirklich gelohnt,  auch wenn der eigentliche Grund das Internet an der Touristeninformation war. Wir mussten noch ein paar Sachen klären,  aber das Internet ist über Nacht ausgeschaltet.
In der Kirche war noch kaum jemand als wir um 6.50 Uhr ankamen. Wir setzten uns in die zweite Reihe hinter eine Nonne,  weil wir bei denen immer so gut abgucken können,  wann wir aufstehen und uns setzen müssen.
Zu Beginn der Messe war dann eine Handvoll Gäste da. Erst im Laufe der ersten 10 Minuten kamen noch viele Pilger dazu.
Nach der Messe wurden alle Pilger nach vorn zum Pilgersegen gebeten und erst jetzt begriffen wir,  wie viele Menschen hier starten. Wir standen mit fast 40 Pilgern da!
Jeder nannte seinen Namen und sein Land und dann verlas der Pfarrer zwei Gebete auf Französisch,  Englisch und Deutsch.
Da es einen Chinesen unter den Pilgern gab und der heutige Messdiener zufällig auch aus China kommt, ließ der Pfarrer ihn die Segensgebete extra in seiner Sprache vorlesen.
Wir bekamen einen der Segen auf einem Kärtchen mit, dazu einen Anhänger mit Muschel und Maria drauf und jeder konnte sich ein Gebet mitnehmen, welche die Gäste der Kirche vorher aufgeschrieben hatten, damit ein Pilger auf seinem Weg dafür betet.
Dann verlor sich die Gruppe und die ersten brachen auf. Johannes und ich blieben noch mit Jean-Pierre stehen und lernten eine deutsche Pilgerin kennen,  die heute ihre zweite Etappe hier beginnt. Wir beschlossen,  zusammen zu starten und gingen die Treppe herunter und zur Touristeninformation.  Wir klären die letzten Details für unser Rendezvous heute Abend. Eine befreundete Familie aus Siegen ist mit dem Wohnwagen auf dem Weg in den Spanienurlaub und wir schaffen es tatsächlich,  uns auf einem Campingplatz zu treffen!
Nachdem die Anderen alle Hefte aus der Touristeninformation bekommen hatten, die sie wollten, Jean-Pierre das Pilgerlied für uns kopieren ließ und wir einkaufen waren, versuchten wir Le Puy zu verlassen.Das war aber gar nicht so einfach,  weil uns eine Frau vehement in die falsche Richtung schickte, obwohl wir die Stadt ja verlassen wollten.  Wir fanden aber mit Hilfe einer freundlichen Madame den Weg zum Jakobsweg zurück und kletterten den ersten Berg des Tages herauf. 
Im Rückblick konnte man le Puy gut sehen und es ist zu schade,  dass das Wetter immer noch so mies ist. Wir hätten sonst den ganzen Tag schöne Aussichten gehabt.  Nach wenigen Kilometern kamen wir durch ein kleines Dörfchen,  an dessen Ausgang ein Teenie saß und kostenlose Getränke ausgab. Die Jugendlichen des Ortes bieten diesen Service täglich für 3 Stunden an.
Wir liefen in der 4er-Gruppe bis zu einem Rastplatz,  wo uns (neben einem Haufen anderer Pilger) Josefin aus Belgien einholte, die wir heute morgen an der Touristeninformation kennengelernt hatten.  Sie wusste da aber noch nicht,  ob sie einen Tag in der Stadt verbringen sollte oder nicht.  Nach unserer Einschätzung hatte sie sich offenbar dagegen entschieden und so liefen wir zu fünft weiter.
Der Weg verlief heute viel bergauf und bergab, über schöne Berge und durch Schluchten. Bei gutem Wetter hätten wir prächtige Aussichten genießen können,  so mussten wir uns vieles vorstellen. Es regnete zu allem Überfluss auch immer wieder etwas und die Wege waren schlammig und rutschig.
Ich fand heute am Weg ein vierblättriges Kleeblatt und bin sicher, dass das Glück mir weiterhin hold ist, vielleicht ja auch bald beim Wetter. Wir übten unterwegs immer wieder das Pilgerlied, das ich extra mit dem Handy aufgenommen habe,  damit wir die Melodie nicht vergessen. So konnte uns auch der Regen die Stimmung nicht verderben.
Lydia kehrte einige Kilometer vor unserem Tagesziel in eine Herberge ein, weil heute ihr erster Tag ist und sie sich nicht überanstrengen will. Eine gute Entscheidung, vor allem weil es heute viel bergauf und bergab ging.  Man lässt sich ja leicht von neuen Freunden mitziehen und achtet dabei zu wenig auf den eigenen Körper. Wir werden sie aber hoffentlich noch mal wiedersehen.
Die letzten Kilometer ging es nochmal stramm bergauf und bergab.  Wir sangen immer wieder das Pilgerlied, schmetterten das "ultreeeiiiaaa" und nachdem wir einen steilen Abstieg bewältigt hatten, ging es bergauf zu unserem Ziel. 
Unsere Freunde war schon angekommen und bereiteten gerade den Wohnwagen vor. Wir freuten uns sehr, sie wiederzusehen und wir wurden heute reich beschenkt.
Wir bekamen unter anderem gutes deutsches Brot und eine Gewürzbox mit verschiedenen Gewürzen.
Wir verbrachten einen wunderschönen Abend. Wir tranken einen warmen Tee und  wurden zum Essen eingeladen. Hinterher spielten wir noch Karten im Wohnwagen und unterhielten uns,  aber leider war der Abend viel zu schnell herum und wir mussten alle ins Bett. 

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