Samstag, 5. Juli 2014

Tag 53: Montbrison - La chapelle en Lafay

Heute liefen wir wieder mal im Regen los. Es ging über einige Feldwege hinauf in den Ort St.Georges (de Dings), wo wir vor der leider verschlossenen Kirche Pause machten. Während wir unsere Füße lüfteten und uns entspannten kam der Hüter der Schlüssel und schloss uns die Kirche auf.
Im Laufe des Tages kamen wir an einem einzelnen kleinen Weinberg vorbei, bevor wir auf einen Berg stiegen,  den wir nur deshalb erklimmen sollten,  um an einer kleinen Kapelle vorbeizukommen, die dauerhaft geschlossen ist.
Es gibt ein Sichtfenster und einen Lichtschalter,  mit dem man die Freske in der Kirche beleuchten kann.  Nur war dieses Sichtfenster komplett zugeklebt und wir konnten nur einen kleinen Teil der Freske durch eine sehr dünne Lücke sehen.
Wir ärgerten uns darüber etwas ind fragten uns,  warum man das Fenster wohl verklebt hat und wo der Sinn sein soll.
10 Minuten später bekamen wir die Antwort,  als zwei Leute zur Kirche kamen,  die offenbar großen Hunger hatten: der Mann trug zwei Familienpizzakartons.
Sie setzten sich aber nicht an den Tisch mit Talblick, um die Pizzen zu essen,  sondern kamen zur Kirche und schlossen sie auf.
Wir erfuhren, dass in der Kirche heute eine Kunstausstellung beginnt und das Sichtfenster deshalb verklebt ist. Wir durften rein und Kirche und Ausstellung besichtigen und bekamen sogar kaltes Wasser.
Das war gut, denn es war gerade recht warm draußen.
Nachdem wir die Kirche also doch noch angucken konnten und viel mehr sahen als durch das Fenster möglich gewesen wäre, stiegen wir den Berg versöhnt wieder herab, um uns auf den Weg zum nächsten und großen Anstieg zu zu machen.
Der begann mit einer ordentlichen Steigung vor einem Ort,  den Johannes wenige Minuten vor mir beendete. Während ich auf dem Weg nach oben war, ließ er sich versehentlich von einem Franzosen einladen, zu ihm nach Hause zu fahren, wo er für uns kochen wollte.
Als wir im Auto saßen fiel mir nach wenigen Augenblicken die Alkoholfahne des Mannes auf- Johannes bemerkte nichts. 
Der Mann fuhr mit uns über das Land und irgendwie weiter weg als mir lieb war. Während der Fahrt redete der Mann schon etwas seltsam: man kann es schwer beschreiben, er war einfach ziemlich seltsam. 
Als wir sein Haus erreichten waren wir beide überrascht,  wie luxuriös es war.  Ein großes Grundstück mit Poolzimmer und teuer wirkender Einrichtung. Er goss uns (und leider auch sich) Rotwein ein und dann standen wir irgendwie etwas dumm herum,  während irgendein Essen auf dem Herd erhitzt wurde. 
Da wir nicht rauchen wollten, hörte der Herr glücklicherweise gleich wieder auf,  am Joint zu basteln und wir gingen auf die Terrasse, wo er uns viele Sachen erzählte über den Garten,  das Wasser und seinen Fischteich.
Bald setzten wir uns in die Küche an den Tisch und da setzte sich der Mann dauernd auf den falschen Platz.  Er hatte noch einen 15-jährigen Sohn im Haus,  dem ich ea nicht verüble, dass er das Mittagessen geschwänzt hat.  Es gab nämlich lauwarme ungesalzene Nudeln und ungewürzte Hühnchenschenkel. Das war (angesehen von Baguette) alles.  Keine Sauce oder so.
Der Mann redete von Spiritualität und davon,  dass wir so eine gute Reise hätten und er das auch mal machen will. Er meinte alles bestimmt ganz lieb,  aber er war einfach unheimlich seltsam!
Dann kamen noch zwei Freunde von dem Herrn und wir waren froh, als wir uns nach insgesamt einer knappen Stunde endlich loseisen konnten und zurück zur Kirche gefahren wurden. Denn die Freunde waren nicht viel weniger seltsam.  Der Gastgeber murmelte ihnen immer wieder irgendetwas hinter vorgehaltener Hand zu, aber ich verstand leider nur, dass er von uns Deutschen sprach, aber keine Inhalte.  Als wir dort ankamen, atmeten wir beide auf.  Allein schon aus dem Grunde, dass während der Fahrt alles gut ging.
Wir machten uns also nach Besichtigung der kleinen Kirche und der Krypta auf den Weg zum Gipfel.
Wir stiegen stetig bergauf und sahen hinter einer Bergwand schnell dunkle Wolken aufziehen. Es sah stark nach Regen aus und wir hofften, dass es vorbeiziehen würde.  Die Wolken dachten aber nicht daran,  sondern zogen genau in Richtung unserer Route und wir schafften es noch in den Ort Mansals, bevor der Regen richtig stark wurde. 
Wir erreichten einen überdachten Platz mit Picknicktisch für Pilger und dann begann ein starkes Gewitter. 
Über eine Stunde harrten wir frierend unter dem Dach aus, bevor wir beschlossen,  dass es nichts bringt und wir raus in den Regen müssen. 
Wir liefen los und waren bald durchnässt,  weil es stark regnete und Gewitter.  Außerdem waren die Waldwege bereits völlig nass und das Wasser lief uns in Bächen entgegen.
Der Weg war fürchterlich zu laufen und so entschieden wir in einem Monidorf oder Gehöft,  hier ein Dach zu suchen und hier zu bleiben.  Wir waren so nass, meine Füße platschten richtig in den Schuhen. Doch wir hatten Pech,  wir wurden zweimal abgewiesen und am dritten Haus fragte ich gar nicht erst,  weil der Mann im Windfang stand, den Regen beobachtete und mich nicht sehr einladend ansah. 
Frustriert mussten wir also weiter und entschieden,  auf die Landstraße auszuweichen,  um nicht auszurutschen und damit wir schneller ins hoffentlich trockene kamen.
Von der sicherlich hübschen Aussicht auf der Bergspitze haben wir bei dem Wetter leider gar nichts.  Die Landstraße verlief allerdings auch nicht viel tiefer, wir liefen endlos lange durch den Regen.
Als wir endlich (nach Ewigkeiten!) hoch nach Montarchet gelaufen waren,  wurden wir im Chambre d'Hotes abgewiesen.  Wir sollten nach la Chapelle laufen, da wäre etwas für Pilger, "gleich da unten".   Haha. Es ging etwa einen Kilometer (in weiterhin starkem Regen) bergab in den Ort,  den wir gleich ansteuerten, weil wir keine Lust darauf hatten, noch woanders weitergeschickt zu werden.  Die Füße schwammen und der Poncho hält auch nur das meiste,  aber nicht alles ab. Mein Pullover war schon lange nass und wir froren. 
Endlich in la Chapelle eingetroffen lief Johannes in die erstbeste Einrichtung, eine Auberge. Und wr wurden weggeschickt. Allerdings wohl nur aus dem Grunde, dass der Empfang für Pilger gegenüber war.
Wir liefen zum richtigen Haus und hofften,  dass wir ohne Anmeldung hier überhaupt jemanden antreffen würden. Endlich hatten wir Glück: Der Empfang ist an einem Privathaus und der Monsieur,  der die Tür öffnete,  empfing uns sehr freundlich.  Natürlich können wir in die Herberge und ein anderer Pilger sei auch da.
Wir gingen zur Kirche,  wo im alten Pfarrhaus die Herberge eingerichtet ist.  Der andere Pilger war gerade auswärts essen und so machten wir uns erst mal frisch, richteten uns ein und aßen. Und wir verteilten unsere nassen Sachen.
Der andere Pilger ist ein Franzose und heißt Paul.  Er läuft von Lyon nach Le Puy und hatte das Glück,  vor dem Gewitter hier angekommen zu sein. 
Wir unterhielten uns lange und als wir irgendwann alle im Bett lagen,  dachten wir,  dass wir ja ganz schön lange schlafen könnten. Aber wir redeten dann so lange,  dass es  schon nach halb 12 war,  als wir uns eine gute Nacht wünschten.

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