Freitag, 18. Juli 2014

Tag 65: Espalion - Golinhac

Der Morgen begann mit dem Krach des Hochdruckreinigers aus dem benachbarten Klohäuschen. Die Mitarbeiter hier glauben wohl, dass die Besucher nicht viel schlafen. In unserem Fall stimmte dies zum Glück und so klingelte unser Wecker kurz vor dem Krach.
Da uns die teuren Dorfläden nerven, beschlossen wir, heute zu einem großen Supermarkt zu laufen und mal wieder richtig ausgiebig einzukaufen. In Frankreich ist ohnehin fast alles teurer als in Deutschland und im Dorfladen kommt dann immer noch ein hoher Aufschlag dazu.
Damit aus der Shoppingtour kein großer Umweg wird, beschlossen wir, danach an der Landstraße nach Estaing zu laufen. Das ist zwar weniger schön, aber sonst hätten wir etwa 4-5Km mehr laufen müssen. Durch das Tal sparen wir uns zudem zwei Berge.
Da wir vor der Öffnung am Laden ankamen, konnten wir beobachten, wie ein Haufen Rentner vor der Tür Stellung bezog, um pünktlich in den Laden zu flitzen. Wenn man am Nachmittag einen Rentner im Hypermarkt entdeckt ist es vermutlich einer, der seit der Öffnung am Morgen herumläuft und noch die letzten Artikel sucht, denn so ein Hypermarché ist riesig.
Die 8 km auf der Landstraße nach Estaing waren nicht die hübschesten unserer Reise, aber auch nicht die Schlimmsten. Die Hitze war das Störende, denn Schatten gab es hier nicht.
Als wir in Estaing einliefen, kam Jean-Pierre auch gerade an und hatte ein Mädchen aus seiner letzten Herberge dabei. Clemence wird aber hier übernachten, sie läuft nur kurze Etappen.
Wir begleiteten sie zu ihrer Herberge und machten uns nach einer knappen Besichtigung (dies ist mal wieder einer der schönsten Orte in Frankreich) auf den weiteren Weg.
Heute hatten wir wieder mal einen ordentlichen Berg zu besteigen und wir mussten dafür viel über Asphalt laufen.
Wir trafen nach einer kleinen Pause auf ein Paar, das auch von Deutschland aus läuft. Für ein paar Kilometer bildeten wir eine Langstreckenpilgergruppe. Jean-Pierre setzte sich bald ab, da er die Berge regelrecht hoch(und runter)rennt und uns stets abhängt.
Immer wieder führte uns der Weg von der kleinen Straße weg, um uns steiler, steiniger und kürzer den Berg heraufzujagen. Als wir nach so einem Abschnitt wieder auf die Straße kamen, zogen gerade ein Mann, drei Kinder, eine Kutsche und zwei Esel vorbei. Ein interessantes Gespann und wir sollten noch mehr staunen, als wir wenige hundert Meter weiter oben die dazugehörige Frau mit drei weiteren Kindern entdeckten. Mit sechs Kindern pilgern sie von Le Puy nach Lourdes, aber es ist nur die Hälfte- die sechs älteren Kinder sind nicht mit!
Die drei Kinder auf dem Berg waren jung (zwischen 3 und 7 denke ich) und hungrig. Jean-Pierre teilte großzügig sein Brot, seine Salami und das Wasser und die jüngste Tochter der Familie schenkte ihm das glücklichste Lächeln der Welt (vermutlich ist er jetzt ihre erste große Liebe).
Der Weg führte weiter bergauf und das nicht zu knapp. Oben gab es glücklicherweise einen Brunnen, denn mir war heiß und ich wollte meinen Kopf unter den Hahn halten und endlich wieder kaltes Wasser.
Während wir pausierten und im Schatten unsere Füße lüfteten, kam die Familie mit der Kutsche nach oben.
Sie wurden wieder fleißig fotografiert und viele tun das sicher auch, ohne vorher Hallo zu sagen. In so einem Gespann ist das natürlich abzusehen und man muss damit rechnen, dass es dauernd passiert, aber es ist sicher auch oft nervig.
Wir unterhielten uns wieder ein bisschen mit der Mutter und bekamen frische Pilze geschenkt, die sie im Wald gesammelt hatte. Sie zerschnitt extra noch einen großen Futterpappsack, damit wir sie transportieren können.
Leider schafft die Familie am Tag nicht mehr als 15-20km, da der Esel die Kutsche ja nicht ewig ziehen kann. Aber die kleine, die höchstens 4 Jahre alt ist, ist gestern 17km gelaufen. In der Kutsche fährt sie nur ganz selten mit. Wir hätten sie gern noch mal wiedergetroffen.
Wir machten uns auf zum Endspurt nach Golinhac. Immerhin wartete hier laut Miam Miam Dodo (unserem Reiseführer) ein Pool auf uns. Der Weg zog sich noch etwas bergauf und begab durch Wald und über Wege mit Weitblicken, aber als wir endlich angekommen waren, war ich mit allem versöhnt, denn eine niedliche Katze erwartete mich am Empfang und den Pool hatte ich auch schon entdeckt.
Der Platz sieht freundlich und gepflegt aus und die Madame, die uns empfing war sehr freundlich. Wir bekamen einen schönen Platz zugewiesen und gingen gleich duschen und baden.
Das Becken war nicht besonders tief und Johannes schlug beim Tauchen mit der Nase auf den Boden und so endete sein Badeausflug früher als meiner, weil er Nasenbluten bekommen hatte.
Dieser Campingplatz hat auch eine Gite und somit sind viele Pilger heute hier.
Ich genoss sie Nachmittagssonne mit meinem Buch am Pool und finde es einen guten Deal, zwar kein Bett, dafür aber den Luxus des Badens zu haben und dabei deutlich günstiger wegzukommen.
Da ich weiß, dass es in Spanien anders wird, genieße ich es, dass ich derzeit so oft baden kann.
Wir hatten heute ein gutes Abendessen, da wir Wraps an Bord haben und diese mit einigen Leckereien füllen und würzen konnten.
Es wurde jedoch immer windiger und so zogen wir uns ins Zelt zurück und hörten den Wind immer mehr zunehmen.
Johannes Nase ist übrigens okay.

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