Mittwoch, 6. März 2013

6. März- Reliegos (ca. 33 Km)


Gestern konnte ich überhaupt nicht einschlafen. Mein ausgedehnter Mittagsschlaf  hatte zur Folge, dass ich nicht müde wurde und ewig herumlag. Mein Körper wollte nicht in den Stand- by- Modus gehen. Meine Gedanken kreisten lange Zeit um verschiedene Themen und irgendwann schlief ich ein.
Nach dem Frühstück brachen Allan und ich- wie immer als Letztes- auf, dabei war es erst 8 Uhr.
Allan hatte seine Sandalen an und seine Füße fühlten sich nach der Pause gut an. Er hatte gestern die Haut um die Blasen herum abgeschnitten und nur noch eine Blase, die noch nicht ganz verheilt war. Auch meine Füße fühlten sich gut an und so waren wir motiviert, die vor uns liegenden 33 Km zu meistern.
Nach 5 Km mussten wir uns zwischen zwei Wegen entscheiden und nahmen dann aus Versehen den Weg, den wir meiden wollten. Dieser führte uns über eine alte Römerstraße und das bedeutet Steine ohne Ende. Der andere Weg, der extra für Pilger angelegt worden war, sieht aber vielleicht auch nicht besser aus, aber es sollte eine Raststätte für Pilger geben. Nun gut, auch hier würden wir schon einen Ort zum pausieren finden. Nach etwa 10 Km kamen wir in ein Dorf, in dem wir unsere Flaschen auffüllten, denn auf den kommenden 18,5 Km würde es dazu keine Gelegenheit geben. Kein Dorf, kein Schatten, kein Wasser. Heute war es sehr kalt, aber sonnig. Am Abend merkte ich beim Blick in den Spiegel, dass ich morgens die Sonnencreme vergessen hatte.



Die Straße wurde mit jedem Kilometer schlechter, die Anzahl und Größe der Steine stieg stetig. Also wieder so ein Tag, an dem man auf die Erleuchtung verzichten musste, denn der Boden forderte meine ganze Aufmerksamkeit. Und wieder einmal gab es die Quittung für 10 Sekunden Unachtsamkeit, ich knickte um oder stolperte. Der Weg war anstrengend und zog sich ins Unendliche. Da es keine Rastplätze und auch keine einzige Bank gab, setzen wir uns auf Steine am Wegesrand. Dort hatte jemand etliche Steine nummeriert. Sehr seltsames Hobby.
Später setzten wir uns an einen kleinen, flachen Fluss und warfen Steinchen auf eine Flasche, die im Wasser lag. Wir haben ja Zeit.
Die anderen Pilger hetzen offenbar mehr. Vielleicht ist das für die Erleuchtung oder wirklich tiefe Gedanken notwendig und wir gehen die Sache zu entspannt an? Wir haben dazu keine Lust und auch keine Energie, stundenlang und ohne Pause zu hetzen.
Mach mal langsam- Gerade auf dem Camino habe ich keine Lust auf Stress und Hetzerei. Wir sind schon so viele Km gelaufen, bis nach Santiago sind es nur noch rund 350 Km!
Ob ich noch ans Meer laufe oder den Bus dahin nehme, das mag ich immer noch nicht entscheiden, muss ich ja zum Glück auch nicht.


Nach einer weiteren Ewigkeit durch die Weite der Meseta- mittlerweile sieht man im Norden und Westen schon hohe, schneebedeckte Berge, kamen wir zu einem alten Haus. Ob Scheune oder etwas Anderes kann ich nicht sagen, aber wir haben uns in seinem Schatten ausgeruht und uns an die Hauswand gelehnt. Dort wechselte ich meine Schuhe, denn ich hatte das Gefühl, dass der rechte Fuß, wenn er getaped ist, etwas zu dick ist, was eigentlich nicht sein kann, denn die Pflasterstreifen sind nicht gerade dick. Dennoch zog ich die Crocs wieder an und genoss die Freiheit der Füße.
Dann kam der alte Scheunenbesitzer auf seinem quietschenden Klapperrad angefahren und freute sich, dass wir uns am Schatten seines Hauses erfreuten. Schön, dass hier nicht gemotzt wird, sondern man Pilgern immer freundlich begegnet. Dann ging es weiter, die letzten 5 Km- Ultreia!
Die Meseta, hier gibt es nicht viel
 In der Herberge hatten wir die besten Duschen des gesamten bisherigen Weges. Heißes Wasser und hoher Wasserdruck. Zudem gab es Haken an der Wand und Hocker für die Klamotten, eine absolute Seltenheit. Hier hatte sich jemand Gedanken gemacht.
Danach sah ich mich noch im verlassenen Ort um und kochte mit Allan ein aufregendes Mahl: Nudeln mit Tomatensauce.
Später jammerten wir gemeinsam ein bisschen, denn ich hatte meine Gummibärchen und er seinen letzten rauchbaren Rest verloren. Auch wenn sein Verlust größer war als meiner, war ich traurig, denn Gummisachen gibt es in Spanien nur recht selten und wenn dann ist es ziemlich teuer.
Heute gingen wir zeitig ins Bett, da nur der Schlafraum geheizt ist, wenn auch mäßig. Deshalb mussten wir in unsere Schlafsäcke kriechen und ich versuchte, Tagebuch zu schreiben. Aber liegend im Bett und mit kalten Fingern ist meine Schrift nicht besonders hübsch anzusehen und anstrengend ist es auch. Morgen geht es nach Leon! Da sehen wir hoffentlich auch Hogy wieder. 


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