Dienstag, 5. März 2013

5. März- Sahagun Tag 2 (ca. 0 Km)


Als ich heute früh aufwachte, ging es mir schon besser. Fiebrig fühlte ich mich nicht mehr und ich war kurz davor, nachdem ich lange im Buch gelesen hatte, 18 Km zu laufen, denn ich wollte ungern einen Tag Pause machen und den Anschluss an die Freunde verlieren. Allan überlegte aber selbst, einen Tag auszuruhen. Als wir uns das gegenseitig erzählten, überlegten wir zusammen: Die Herberge war warm und gemütlich mit Wohnzimmer und Sofa und sogar einen Fernseher gab es. Im Garten trocknete die Wäsche gut (wir könnten die anderen Sachen also auch waschen), es gab eine Apotheke und einen Supermarkt in der Nähe, wir hatten keinen Zeitdruck und es würde uns Beiden gut tun. Mir wegen der Gesundheit und ihm wegen seiner Füße.
Also beschlossen wir, zu bleiben. Der Hospitalero kommt immer abends zum Stempeln und Kassieren, wir hätten die Herberge also den Tag über für uns.
Die Anderen brachen auf, als die Putzfrau (die ihren Job nicht sehr ernst nahm) erschien und alle sehr unfreundlich herauswarf. Ein Glück, dass Allan spanisch kann und unser Bleiben erklären konnte, sonst wären wir womöglich auch vor die Tür gesetzt worden.

Wir gingen in den Supermarkt und kauften in Ruhe und ausgiebig ein. Bananen, Birnen, O- Saft, was man halt so braucht, wenn man nicht ganz fit ist. Aber da es mir schon wieder gut ging, gab es auch Schokolade und Nudeln. Als wir um 11 Uhr in Ruhe frühstückten und die Anderen schon seit 2 Stunden weg waren, hörten wir jemanden in die Herberge kommen, der hinter einer Tür verschwand. Nach einer halben Stunde öffnete sich die Tür wieder und Hogy kam in den Aufenthaltsraum und erzählte, dass er die letzten 1,5 Stunden in einer Bar auf dem Klo verbracht hätte, weil ihn ein schlimmer Durchfall plagte. Er wollte dann bei uns noch einmal aufs Klo, aber nicht hierbleiben, sondern die 18 Km laufen, um dann in 3 kurzen Tagen nach Leon zu laufen. Allan und ich würden 2 lange Tag machen und dann würden wir uns in Leon wiedertreffen. Er verabschiedete sich und ging. Nach 10 Minuten hörten wir eine Tür: Hogy hatte vorher noch den Umweg übers Töpfchen genommen. Ob der so viel Spaß haben wird, wenn er unterwegs ständig aufs Klo muss? Er traut sich auch nicht, in die Büsche zu gehen.

Allan und ich machten uns einen richtigen entspannten Tag. Wir chillten, wuschen die Klamotten und dann machte ich einen Mittagsschlaf. Ich wollte meinem Körper viel Ruhe gönnen, damit er auskurieren konnte, was auch immer er auszukurieren hatte. Vielleicht hatte ich etwas Falsches gegessen? Ich wüsste nur nicht, was das gewesen sein sollte.
Um 16 Uhr wachte ich auf und schrieb in Ruhe mein Tagebuch, ich musste einiges nachtragen und auch den heutigen Tag zu Papier bringen. Ich habe nicht immer Zeit und Lust, am selben Tag alles aufzuschreiben und freute mich über die Zeit, das Buch auf Vordermann bringen zu können.

Ich bin natürlich schon lange im Pilgeralltag angekommen und es ist herrlich!
Man muss sich um kaum etwas sorgen. Kein Unistress, keine Behördensachen, nichts, was schon lange liegengeblieben ist oder so.
Alles was zählt ist der vor einem liegende Tag: Wie viele Km wird man laufen und wo schläft man? Gibt es dort eine Küche? Wo kann ich einkaufen? Braucht man Waschmaschine, Trockner, Internet (wenn man etwas davon braucht, sucht man die entsprechende Herberge heraus)? Und die Frage, wie viel Wasser brauche ich und wo kann ich es auffüllen.
Man muss auf seinen Körper achten, aber kann sich den ganzen Tag Zeit lassen, das Ziel zu erreichen.
Wir sind echt entspannt, starten immer als Letztes, machen viele und lange Pausen und kommen meistens als Letztes in der Herberge an. Aber wir müssen uns keine Gedanken um die Betten machen, es ist immer mehr als genug Platz. Ein klarer Vorteil der Nebensaison.
Das Laufen ist zum Alltag geworden und mal mag man es, mal hasst man es. In manchen Augenblicken liebe ich es auch, aber so oft kommt das bei mir nicht vor, zumindest nicht, wenn ich schon einige Km hinter mir habe (dennoch liebe ich das Pilgern!)
Aber wenn man morgens aus der Herberge tritt und die Füße nicht schmerzen, die Sonne scheint und die Vögel singen, dann liebe ich es. Und wenn dann noch ein süßer Hund meinen Weg kreuzt und sich knuddeln lässt, ist mein Glück fast perfekt. Oft bedaure ich es, ohne meinen Freund unterwegs zu sein und all das nicht mit ihm teilen zu können. Kann jemand, der den Weg nicht gelaufen ist, nachfühlen, wie es ist? Kann er verstehen, was ich fühle? Ich weiß es nicht, ich glaube, ich habe es vor dem Weg nicht gekonnt.

Als Allan und ich heute Abend anfingen zu kochen, kamen nach und nach neue Pilger an, die wir noch nicht kannten. Sie kamen aus Rumänien, Irland und Brasilien und waren einen Tag nach uns gestartet. Einer sogar an meinem Geburtstag, also 8 Tage nach uns. Der muss echt gerannt sein. Die Jungs reißen nicht selten 40 Km am Tag ab, das könnte ich nicht. Ich finde 32 Km schon genug. Mit den Blasen würde ich ohnehin nicht weiter kommen und ich bin auch um jeden Tag froh, wo es nicht so eine lange Strecke ist. Und ich habe keinen Zeitdruck, warum soll ich mich über den Weg quälen? Davon habe ich nichts, mit der Kondition einiger Anderer kann ich eben nicht mithalten und das will ich auch gar nicht.
Später lief ich mit Allan zur Kirche im Ort, weil es da ein freies WLAN- Netz gab. Während Allan im Netz surfte, telefonierte ich eine halbe Stunde mit Johannes. Das ist zwar teuer, aber wir reden so selten, da darf das auch mal sein.
Da wir morgen 33 Km vor uns haben, gingen wir zeitig ins Bett, um ausgeruht und fit zu sein für die lange Etappe.

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