Mittwoch, 13. März 2013

13. März- Ruitelan (ca. 22 Km)


Heute hatten wir gleich zu Beginn des Tages eine Entscheidung zu treffen: Sollte es über den "Camino Duro" gehen, einen Berg, der zudem 2 Km mehr Strecke versprach oder 10 Km durch das Tal neben der viel befahrenen Straße entlanglaufen?
Wir entschieden uns alle für den "harten Weg" und merkten recht bald, dass dieser seinem Namen alle Ehre machte. Es ging ganz schön stramm bergauf und wollte auch kein Ende nehmen. Und so kamen wir trotz der Kühle des Morgens alle ganz schön ins Schwitzen. Über eine Stunde ging es bergauf auf eine Hochebene, immer mit einer schönen Aussicht ins Tal. Da unten konnte man auch die trostlose Straße sehen, die sich im Tal durch die Natur zog. Hier oben war es mit Sicherheit hübscher. Oben angekommen machte ich mit Allan und Hogy eine Pause und trafen auf Alex, Kim und Jonas. Hinter uns kamen Nadja und Teresa und so waren wir eine recht große Truppe auf dem Berg. Wir waren uns einig, dass der Aufstieg doof war, sich aber auf jeden Fall gelohnt hatte.

Der Abstieg war auch recht steil und beschwerlich. Vor Allem für mich, weil ich heute wieder in den Crocs lief und wir kilometerweit durch Laub mit Dornen liefen und ich irgendwann alle paar Meter stehenbleiben musste, um mir die Stacheln aus den Socken zu ziehen. Einige konnte ich nicht auf Anhieb finden und musste das Pieksen ertragen, bis wir im Tal waren. Zum Glück habe ich meine Pinzette dabei.

Der Berg hatte uns einiges abverlangt und vor Allem Zeit gekostet. Wir wollten eigentlich noch weiter bis nach O Cebreiro, auf die Spitze eines hohen, steilen Berges. Aber im Tal machten wir erst einmal eine lange Pause. Allan und ich liefen zur Tankstelle am anderen Ende des Dorfes, denn wir hatten gar nichts mehr zu essen. Die Anderen aßen in einer Bar. Da in der Tankstelle alles wie erwartet sehr teuer war, gab es für mich eine Packung Kekse, die musste für heute Mittag reichen.
Wir liefen weiter, einige Km über Dörfer und hatten irgendwann keine Lust mehr. Uns taten die Füße weh und es war schon recht spät.


Heute hatte eine Japanerin ihren Wanderstock in der Herberge vergessen. Ich hatte das gesehen, weil sie ihren Namen "Kitty" mit Edding daraufgeschrieben hatte. Also klappte ich meinen Teleskopstock zusammen, steckte ihn in den Rucksack und nahm den Stock mit. Ich würde Kitty hoffentlich einholen.
Ich lief in die Herbergen am Weg, um zu gucken, ob sie dort eingekehrt war. Da wir sie erst seit gestern kennen, wissen wir nicht, wie viele Km sie am Tag zurücklegt.  Zudem hatte ich 5€ in der Jacke, die sie vermutlich in der Herberge verloren hatte, denn das Geld vermisste niemand, der in der Nähe des Fundortes geschlafen hatte. Da ich sie in der Herberge nicht antraf, liefen wir weiter. Als ich den Berg runterkam, warteten meine Freunde mit einem Eis auf mich.

Als wir in Ruitelan ankamen, war es bereits 17.40 Uhr. Dies war der letzte Ort vor dem Berg und der Aufstieg würde noch einige Zeit dauern, denn es ging 10 Km stramm bergauf und es mussten über 600 Höhenmeter überwunden werden.
Vor der Bar im Ort hielten wir Kriegsrat. Wir waren neun Leute und überlegten, welche Lösung die Beste wäre. Jeder musste das natürlich für sich selbst entscheiden. Die Meisten wollten und würden hierbleiben, denn ein paar Meter weiter gab es eine Herberge, die meinen Buch zufolge auch ganz gut sein soll. Auch Allan, Hogy und ich entschieden uns gegen einen Aufstieg. Wir sprechen es zwar nie aus, aber ich glaube kaum, dass Allan und ich uns trennen würden und so entscheiden wir doch irgendwie zusammen.
Die Entscheidung, zu bleiben, ist auch nur vernünftig, denn der Aufstieg würde über 2 Stunden dauern und wir waren nicht mehr fit. Es würde dunkel werden, bevor wir am Ziel waren, wir haben alle keine guten Lampen dabei und außerdem wollten wir doch die Aussicht genießen. Wir hätten uns nur gequält. Teresa wollte unbedingt noch nach oben, aber da sich keiner fand, der mitkam, blieb sie dann vernünftigerweise bei uns.


So checkten wir gemeinsam in die Buddhistenherberge ein, in der angenehme Musik lief. Kim bekam wieder ein Einzelzimmer und da es keine Küche gab, die wir benutzen durften (damit die Pilger das 7€- Menü essen), konnten wir wieder einmal nicht kochen. Leider waren wir auch am letzten Supermarkt vorbeigelaufen, ohne einzukaufen. Deswegen mussten wir über 2 Km zurücklaufen.
Zwar hatte ich die kluge Idee, herumzufragen, ob es ein Fahrrad gäbe, aber es konnte nur Eines aufgetrieben werden und das nahm sich Alex, um für alle, die etwas brauchten, einzukaufen.
Da ich zu wählerisch bin, kann ich mir nichts mitbringen lassen. Ich mag ja nur wenig Wurst und Käse und die Gefahr, dass etwas mitgebracht wird, was ich gar nicht mag, ist zu groß. So lief ich mit Allan und Hogy zu Fuß und kaufte im kleinen Geschäft Baguette, Schmierkäse und Kakao.
Den Abend verbrachten wir erst auf der Terrasse, bis es zu kalt wurde und dann im Gemeinschaftsraum am Tisch.
Abends saß ich noch mit Hogy zusammen und unterhielt mich mit ihm. Als das Thema auf Beziehungen und Liebe kam, gesellte sich Kim zu uns und erzählte mir etwas von der Kraft der Liebe und so, sehr emotional. Als ich ihm erzählte, dass ich bereits geschieden bin, musste er fast weinen, so sehr nahm ihn das mit, obwohl ich es lachend erzählt hatte.
Leider wurden wir recht schnell von den Hospitaleros zu Bett geschickt.


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