Samstag, 23. März 2013

23. März- Finisterre


Heute haben wir ausgeschlafen und sind dann in den Laden, um uns für einen schönen Tag am Strand auszurüsten. Wir kauften viele Dosen mit Softdrinks und Bier- Das haben wir uns verdient. Außerdem einen Haufen leckeres Essen.

Es war richtig gutes Wetter, klarer Himmel und viel Sonne. Wir legten uns an den Strand, sonnten uns und genossen den letzten gemeinsamen Tag. 
Es war so warm, dass die Jungs sich auszogen und wir gut ins Schwitzen kamen. Nicht schlecht für Ende März- Und einen ordentlichen Sonnenbrand gab es auch noch dazu.

Ich lief ein bisschen am Strand herum, machte Bilder mit Scrat und schrieb ein paar Sprüche in den Sand. Außerdem ging ich immer wieder bis zu den Knien ins Wasser. Es war zwar noch recht kalt, aber da meine Familie einen Wohnwagen an der Ostsee hat, waren wir als Kinder ständig da und ich bin abgehärtet.
Als meine Hose von einer Welle durchnässt wurde, beschloss ich, dass ich auch einfach mit Klamotten baden gehen konnte. Hogy kam mit und wir tobten in den großen Wellen. Nach einer Ewigkeit gingen wir durchgefroren aus dem Wasser und legten uns zum trocknen in die warme Sonne. Es hat nicht lange gedauert und meine Klamotten waren wieder trocken.





  
Nachmittags gingen wir zurück in den Ort und erledigten den Großeinkauf für die Rückfahrt morgen. Ich werde rund 30 Stunden im Bus sitzen und neige ja dazu, viel zu viel Proviant mitzunehmen. Außerdem wollte ich noch ein paar Sachen, die es in Deutschland nicht gibt, mitnehmen, unter Anderem eine "Tarte de Santiago" für meine Arbeitskollegen, denn ohne sie hätte ich nicht auf die Reise gehen können.
Vorher versuchten wir noch, Jakobsmuscheln am Strand zu finden, denn wir hatten den Tag am falschen Strand verbracht (denn da gibt es keine). Leider haben wir den Strand nicht gefunden. Ich hätte so gern ein paar Muscheln gesammelt und mitgebracht…


Wir gingen wieder in die Herberge und lernten dort ein paar neue Pilger kennen, unter Anderem eine junge Hippiefrau aus Berlin.
Wir kochten und verbrachten den Abend am Strand. Die Berlinerin hatte Pois dabei und tanze damit in der Dämmerung am Strand. Wir schauten uns den Sonnenuntergang an und tranken Bier.
Unser Hospitalero kam mit dem Hund zum Strand und lud uns ein, mit zu dem Mann zu kommen, der am Strand zeltete.
Dieser hatte ein großes Lagerfeuer entfacht und nach und nach trudelten andere Herbergsleiter mit ihren Pilgerschäfchen ein, so dass wir eine recht große Schar wurden. Es gab ein paar Musikinstrumente, viel Wein und ein paar Joints , an dem glaube ich einige Pilger zogen, ohne genau zu wissen, was sie da rauchten. Es war ein sehr heiterer und lustiger Abend und schöner hätte die Zeit am Meer kaum enden können.



 Als wir spät in der Herberge zurück waren, bemerkte Allan, dass er sein Portemonnaie verloren hatte. Er konnte es nirgends finden und hatte es aber sicher mit am Strand gehabt. Wenn es weg ist, wäre das eine Katastrophe, denn wie sollte er ohne Ausweis und so zurück nach Kanada kommen? Und außerdem hatte er sein ganzes Geld da drin. Er lieh sich meine Taschenlampe und zog noch mal los, um den Weg zum Strand abzusuchen. Er kam nach über einer halben Stunde frustriert zurück. Er  hatte es nicht gefunden, am Strand war niemand mehr und er konnte das Portemonnaie auch nicht finden. Hoffentlich hatte es keiner geklaut…

Allan hatte heute beschlossen, dass er noch ein paar Tage hierbleiben würde. Sein Flug ging erst in ein paar Tagen und was sollte er in Santiago, wenn hier das Paradies war?
In Santiago würde er niemanden mehr kennen und müsste die Tage allein verbringen, denn Hogys Flieger geht morgen Nachmittag. Wir motivierten ihn zu bleiben und es sich hier gutgehen zu lassen und der  Hospitalero hatte kein Problem damit, ihn so lange aufzunehmen. Das Haus ist ohnehin nicht ausgebucht und wir sind hier auch keine Pilger mehr, da kann man problemlos länger in einer Herberge bleiben.




Übrigens: Ich habe ganz vergessen, die Geschichte von "South Carolina" weiterzuerzählen. Das ist die Frau, die in Ledigos die abenteuerliche Geschichte ihrer Pyrenäenüberquerung erzählt hatte, bei der sie fast draufgegangen wäre.
Kim, der am gleichen Tag wie sie in St. Jean- Pied- de- Port gestartet war, erzählte Hogy, dass sie nicht über die Pyrenäen gelaufen war, sondern auf dem Weg irgendwo von einer Familie aufgegabelt wurde und dort übernachtet hat. Das hatte sie den anderen Pilgern am Tag danach berichtet. Man weiß nicht genau, welche Geschichte stimmt oder nicht doch alles ganz anders war. Jedenfalls kann man wohl nicht jedem Pilger seine Geschichten glauben. Schade, dass es auch hier Menschen gibt, die meinen, sich beweisen zu müssen, dabei hatte ich auf dem ganzen Weg nicht einmal das Gefühl, dass es nötig wäre. In der Pilgergemeinschaft ist man angenommen, wie man ist und muss sich nicht unnötig interessant machen. Aber das sieht wohl nicht jeder so, leider.

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