Dienstag, 19. März 2013

19. März- Pedrouzo (ca. 23 Km)



Heute schliefen wir etwas länger, da wir in Arzua in den Supermarkt mussten. Der Ort war aber nur 3,5 Km entfernt und die Läden öffnen erst um 9.30 Uhr. Außerdem hatten wir nur 23 Km vor uns und konnten uns Zeit lassen. Das tun wir jetzt ohnehin, denn morgen werden wir in Santiago ankommen und ich habe das Gefühl, dass man jetzt jeden Moment versucht, besonders zu genießen.
Heut war es trocken, morgens zwar neblig, aber mittags kam die Sonne raus.
In Arzua kauften wir ausgiebig ein- Wir hatten Hunger!
Wir setzten uns auf die Tische vor einer Bar und aßen in aller Ruhe. Die Barfrau war nicht gerade begeistert, dass von 4 Gästen, die alle ihr Privatzeug auspackten, nur 2 etwas bestellten. Aber das kümmerte uns nicht, wir sind Pilger und man kennt das hier.

Nebel am Morgen
 Immer wieder sprachen wir darüber, wie komisch es ist, morgen in Santiago anzukommen.  Das kann sich keiner von uns so richtig vorstellen. Wir sind jetzt so lange unterwegs, es fühlt sich beinahe an wie mehrere Monate und morgen soll es dann vorbei sein?
Auf dem Weg wollten wir in einer Bar Pause machen, die meinem Buch zufolge ganz toll sein sollte. Als wir in den besagten Ort kamen, war am Ortseingang eine Bar, aber wir wollten ja zur Bar am Ortstausgang, also liefen wir daran vorbei. Wir wussten zwar nicht, was an der Bar so toll sein sollte, aber wir wollten es herausfinden.
Als wir ankamen, war die Bar geschlossen, das Gelände verdreckt und das Gebäude zur Vermietung ausgeschrieben. Also drehten wir um und liefen zurück zur anderen Bar. Unterwegs trafen wir einen kleinen Hund, der sich uns anschloss. Da ich noch ein paar Würstchen hatte (die wir zum Kochen nutzen, aber wann würde die nächste Küche kommen?), gab ich sie dem Hund und daraufhin wich mir das Tier nicht mehr von der Seite. Im Gegenteil: Die kleine Dame rutschte immer dichter an mich heran und ignorierte die Lockrufe der Jungs. Ich musste schon rübergehen, damit der Hund in die Reichweite der Jungs kam. Vermutlich hatte sie die Hoffnung, dass ich noch ein paar Würstchen hatte, nicht aufgegeben und blieb immer dicht bei mir.



Wir liefen irgendwann, als wir noch mit der Barkatze gespielt hatten, weiter und der Hund kam mit. Wie ein Pilgerführer lief die Kleine vor uns her. Allan synchronisierte den Hund "Look! This is green. I love green! This is a tree. I love trees!" und so weiter. So merkten wir nicht, dass wir falsch abgebogen waren. Der Hund blieb an der Weggabelung stehen und wir machten noch Witze, dass sie nicht weiter mitkam, weil dies nicht der Camino war. Aber dann sahen wir an einer Hauswand wieder einen gelben Pfeil und eine Muschel, die an die Hauswand gesprüht waren.
Plötzlich öffnete sich ein Fenster und eine alte Frau streckte den Kopf aus dem Fenster und zeigte in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Sie erklärte, dass diese Pfeile ein Streich von Kindern waren, um Pilger zu verwirren.
Wir drehten um und merkten, dass wir auch gar nicht wieder an der geschlossenen Bar vorbeikommen waren. Wir überlegten, ob die Hündin vielleicht mit der Sprayerbande gemeinsame Sache machte, weil sie uns in die falsche Richtung hatte laufen lassen.

Als wir einige Zeit auf dem richtigen Weg weitergepilgert waren, kamen wir an eine coole Bar mit Hippies und vollgesprühten Wänden. Wir tranken etwas und dann fragte der Hippie herum, ob jemand Gitarre spielen oder trommeln könne. Allan trommelte, während der Mann dazu Flöte spielte. Kim hatte in der Bar etwas gegessen und Wein getrunken und wurde dann spontan eingeladen und musste nichts zahlen.

Nach einer ganzen Weile pilgerten wir auf unsere letzte Herberge vor Santiago zu.
Als wir ankamen hörten wir, dass Annegret heute hierher kommen würde- Also konnten Nadja und Annegret zusammen nach Santiago laufen. Nadja hätte sonst morgen auf dem Monte do Gozo auf sie gewartet.
Worüber wir uns auch sehr freuten war, dass Annegret Jonas mitbrachte. Wir freuten uns sehr, die Beiden wiederzusehen.

Am Abend kochten wir ausgiebig, denn die Herberge hatte nicht nur eine Küche mit Ausstattung, sondern auch Gewürze. Was Hogy aber erst merkte, nachdem er seinen Tiefkühlfisch ohne Öl und Gewürze zubereitet hatte. Er hatte ein paar Chips zerbröselt, um damit den Fisch zu würzen, bis jemand ihm vom Gewürzschrank erzählte.
Vor uns hatten 4 junge Deutsche die Küche genutzt, neues Öl gekauft und mitgenommen. Offenbar hatten sie beschlossen, den Liter Öl nach Santiago zu tragen. Da sie ein bisschen komisch waren , wollte auch niemand fragen, ob sie etwas vom Öl abbekommen könnten.
Allan und ich nutzen zum "anbraten" unserer Würstchen und Zwiebeln kurzerhand Rotwein, was erstaunlich gut schmeckte.
Hogy nutzte Wasser und versaute sein Essen total. Wie so oft schmeckte es "pretty shitty".

Die Deutschen, die sich "La quatro Pelegrinas" nannten, obwohl sie einen Jungen dabeihatten, saßen im Schlafsaal, tranken eine Menge Wein, waren laut und grölten Lieder. Sie nahmen keinerlei Rücksicht auf die anderen Pilger. Vielleicht wollten sie auch einfach Party machen und billig unterkommen?
Der Weg ist jetzt so voller 100 Km- Pilger, dass man kaum noch allein laufen kann. Ständig hat man vor und hinter sich andere Pilger. Wie kann man das im Sommer, wenn alles voller Pilger ist, bloß aushalten? Sommerpilger werde ich wohl nie werden. Zumindest nicht auf dem Camino Frances, also dem bekanntesten Weg, auf dem wir gerade sind.

Heute habe ich der Hospitalera die Schnarchaufnahme von Kim vorgespielt, um zu untermalen, warum er ein Einzelzimmer haben wollte. Sie fand das Schnarchen zwar beeindruckend, wollte aber keinen zweiten Schlafsaal öffnen. Später haben es noch mal zwei Männer versucht, die Spanisch konnten und da hat sie sich erweichen lassen. Wir saßen den Abend in der Gruppe zusammen, knabberten Sonnenblumenkerne und genossen das Wiedersehen mit Jonas und Annegret. Morgen geht es nach Santiago…. 

Galicische Eukalyptuswälder


Scrat in Hogys Schlafsack


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