Freitag, 22. März 2013

22. März- Finisterre


Wir sind am Meer- Am Ende der Welt!

Und es ist wunderschön hier.
Nadja und Annegret laufen nach Finisterre, auch wenn Nadja einen Kater von gestern hat. Ich weckte die Jungs zeitig, damit wir rechtzeitig zum Busbahnhof kamen. Wir mussten uns bald auf den Weg machen und  mit Packen und Verabschieden war die Zeit recht knapp. Hogy kam wie immer schlecht aus dem Bett und trödelte, so dass wir echt in Zeitdruck gerieten. Wir verabschiedeten uns von den Anderen. Kim hatte noch eine Ladung Wäsche angemacht und würde einen späteren Bus nehmen. Wir liefen los, mussten uns beeilen und am Ende sogar rennen.
Hogys schlechter Orientierungssinn war dabei nicht gerade hilfreich, aber ausgerechnet er hatte in der Herberge den Weg erfragt.

Im Busbahnhof irrten wir kurz umher, weil wir nicht wussten, wo wir hinmussten. Wir wurden von einem Mann im Erdgeschoss nach oben zum Schalter geschickt, sahen den Bus aber schon unten stehen. Wir fanden keinen Schalter, an dem wir die Fahrkarten kaufen konnten und beschlossen zu versuchen, im Bus zu zahlen. Man hatte mir in der Touristeninformation gesagt, dass es möglich sei. In letzter Minute stiegen wir ein. Der Fahrer war verärgert, weil wir noch keine Fahrkarten hatten und er pünktlich loswollte. Mürrisch erlaubte er uns, einzusteigen und wir mussten das Geld passend im Bus zusammensammeln.

Die Fahrt dauerte gut 3 Stunden und es war seltsam, nach all den Wochen so schnell die Kilometer verstreichen zu sehen. Wie lange hatten wir gebraucht, 10 Km zu laufen- Rund 2 Stunden. Und jetzt brauchten wir dafür nur wenige Minuten.
Wir konnten immer wieder das Meer sehen und hatten eine wunderschöne Aussicht.

Als wir in Finisterre ankamen, wurden wir von einem Haufen Menschen angequatscht, die uns überreden wollten, in ihrer Pension zu schlafen. Wir hatten uns aber schon eine kleine Herberge aus meinem Buch herausgesucht und liefen dahin. Die Herberge war in einem kleinen Haus mit einer gut eingerichteten Küche und 6 Bett- Zimmern. Außerdem gab es- sehr zu Allans und meiner Freude- einen süßen Herbergshund, mit dem wir spazieren gehen durften.
Der Hospitalero meinte, dass man dem Hund nur "Alma, vamos a la playa" sagen müsse und dann bringe er uns zum Strand. Wir liefen los und der Hund brachte uns in einen Wald und seltsamerweise ging es immer weiter bergauf. Ich bezweifelte, dass dies der Weg zum Strand war, aber die Jungs wollten lieber dem Hund glauben. Irgendwann kamen wir aus dem Wald heraus und sahen im Tal eine Bucht. Wir waren sehr weit über dem Meeresspiegel und würden sicher nicht mehr zu einem Strand kommen. Hogy und ich beschlossen, umzudrehen, denn wir wollten gern zum Strand. Allan lief mit Alma weiter und erzählte später, dass er noch wilde Ziegen gesehen hätte.


Auf dem Weg zum "Strand" mit Alma
 Ich lief mit Hogy wieder runter und zum Strand. Wir zogen uns die Schuhe aus und liefen durch den Sand. Wir genossen es, am Meer zu sein- Für Allan, der in Vancouver in der Nähe vom Strand wohnt, ist das nicht so beeindruckend.
Wir hielten uns eine Weile am Wasser auf, bis ein Anruf von Kim kam. Er war inzwischen angekommen und wollte sich mit uns treffen. Da wir auf der anderen Seite des Ortes waren, brauchten wir etwas, um zum Busbahnhof zu laufen. Immer wieder rief Kim an und fragte, wo wir sind. Irgendwann erfuhr Hogy, dass Kim nur noch knapp 25 Minuten Zeit hatte, bis der Bus zurückfuhr und er den nehmen musste, weil er heute Nacht den Zug nach Barcelona nehmen würde.
Wir wunderten uns und rannten los. War er wirklich 3 Stunden gefahren, um nicht einmal eine Stunde bleiben zu können? Warum hatte er dann noch Wäsche gewaschen und war nicht mit uns gefahren?
Als wir ankamen, hatte er nur noch 15 Minuten Zeit. Er nahm sich ein Taxi, ließ sich schnell die 3 Km zum Kap herauffahren, knipste ein Foto und fuhr zurück. Das war wirklich verrückt! Wir mussten den Bus noch aufhalten und Kim kam im Allerletzten Moment angerannt, schmiss seinen Rucksack in den Bus und weg war er. So etwas kann auch nur Kim bringen!


Später machte ich mich mit Allan, Hogy und You- Jin, die wir hier wiedergetroffen hatten, auf den Weg zum Kap. Wir hatten uns einige Getränke mitgebracht und Sachen ausgesucht, die wir verbrennen wollten. Das ist Tradition und die Jungs und ich wollten auch nicht darauf verzichten.
Wir setzten uns ans Kap und genossen die wunderschöne Aussicht aufs Meer. Früher dachte man, dass hier die Welt zu Ende sei und nun musste auch der letzte Pilger einsehen, dass man nicht mehr weiterlaufen kann.

 Wir tranken unser Bier, rauchten eine Zigarrette (Allan hatte vom Hospitalero etwas Gras bekommen und rauchte einen Joint) und dann kam der Moment, auf den Allan und ich uns lange gefreut hatten: Wir mussten Hogy ein Geständnis machen.
In den letzten Wochen war ihm immer wieder auf unerklärliche sein Handy abhanden bekommen oder er hatte es an den unmöglichsten Stellen liegenlassen.
Mal lag es auf dem Bett, war weg, er suchte es überall und dann lag es plötzlich halb unter dem Kissen. Mal hatte er es auf dem Tisch liegenlassen und tauchte in einem anderen Raum wieder auf.  Einmal, als er es auf dem Bett vermutete, lag es plötzlich ein Stockwerk tiefer vor der Tür neben dem Aschenbecher. Hogy lachte jedes mal über seine Verplantheit und rief "Oooh. I'm so stupid!" Nun, das waren immer wir gewesen. Ich weiß gar nicht mehr, wann es angefangen hat, aber irgendwie hatten wir in den letzten Wochen immer wieder das Handy verschwinden und wieder auftauchen lassen und uns jedes Mal kaputtgekichert. Hogy hatte nie etwas mitbekommen. Leider aber Kim. Er hatte mich 2x gesehen und nicht verstanden, dass ich einen Scherz mache und hatte es Hogy in Santiago erzählt. Das hatten wir nicht mitbekommen, aber dennoch hatten wir große Freude daran, über unsere Streiche zu lachen.


Kilometer 0,0 - Weiter gehts nicht.

Metallschuh am Kap


Der Himmel war nicht ganz klar und so verschwand die Sonne nicht am Horizont, sondern hinter einer Wolke, aber dennoch war es ein hübscher Anblick, den wir schweigend genossen.
Danach blieben wir noch eine ganze Weile sitzen. Wir waren fast allein gewesen und die wenigen anderen Pilger waren inzwischen abgezogen. You- Jin fror und wollte in der Bar im Leuchtturm warten.
Wir versuchten, ein Feuerchen zu entfachen, aber das war gar nicht so leicht. Wir schafften es aber mit Papier und Hogys Boxershort. Es entzündete sich ein Feuer und wir verbrannten unsere Sachen. Ich opferte meine Crocs, ehrlich gesagt, ohne mir Gedanken darüber zu machen, dass es keine besonders umweltfreundliche Entsorgung war.


Als es schon spät und kalt war, liefen wir zurück zur Herberge. You- Jin war etwas angetrunken und lief mit Allan hinter Hogy und mir. Wir eilten voraus, um uns hinter einer Pilgerstatue, die am Wegesrand stand, zu verstecken und die Beiden zu erschrecken. Es klappte außerordentlich gut, dabei hatten wir sie zuvor schon einmal überrascht und Allan hatte sich fast in die Hose gemacht vor Schreck.

Eigentlich hatten wir geplant, morgen wieder nach Santiago zu fahren, weil ich übermorgen zeitig am Busbahnhof sein muss, aber der Hospitalero hat uns angeboten, dass ein Freund oder so uns fahren würde. Wir könnten so noch eine weitere Nacht bleiben und es würde auch nicht mehr kosten, als Bus zu fahren.

Wir verbrachten einen schönen Abend in der Herberge und gingen gut gelaunt ins Bett. Wir freuten uns darauf, noch einen ganzen Tag am Meer sein zu können, vor Allem bei diesem herrlichen Wetter.

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