Samstag, 2. März 2013

2. März- Carrion de los Condes (ca. 27 Km)


Die Bettdecke hätte ich am Liebsten mitgenommen, es ist so toll, mal wieder unter einer richtigen Decke zu liegen. Ich habe mich noch ein paar mal umgedreht und die Wärme, Schwere und die Beinfreiheit genossen. Nach all den Nächten im Mumienschlafsack ein echter Luxus.
Wir frühstückten Butterkekse, das ist mit Kaffee so ein Klassiker in Spanien. Dann bereiteten wir unsere Füße vor. Abkleben von Blasen und so. Heute würde ich ja in den Crocs laufen, also mussten die 30Kg- Boots im Rucksack verstaut werden. Glücklicherweise habe ich einen 58 Literrucksack, Allan muss seine schweren Stiefel außen anbinden, er bekommt nicht mal einen Pullover in den Rucksack, wenn er ihn auszieht. Das ist von der Gewichtsverteilung natürlich ungünstig, vor Allem, weil sein schwerer Schlafsack schon unten am Rucksack baumelt.
Wir brachen auf, etwas unsicher, wie wir den Tag überstehen sollten mit den Blasen und dem Laufen auf den steinigen Wegen. Es ging heute aber über etwas bessere Wege. Die Steine waren kleiner und nervten nicht so sehr wie die Großen. Hier lief ich nur Gefahr, auf einen Stein zu treten, der mir durch die dünne und weiche Crocsohle wehtut und ich musste laufend Steinchen, die sich in den offenen Schuh verirrten, ausschütteln. Glücklicherweise habe ich meinen Wanderstock, auf den ich mich dafür aufstützen kann.
Heute hatten wir die Wahl zwischen 2 Wegen. Einer führte an der Landstraße entlang und war etwa 800 Meter kürzer als der Andere, der mehr durch die Mesetaeinöde führt. Da Teer aber angenehmer für unsere geschundenen Treter war, entschieden wir uns für den Weg an der Straße. Es war ganz angenehm, auf ebener, fast steinfreier Straße zu laufen, gerade in den Crocs, in denen ich erstaunlich gut laufen kann.
Hier leben viele Storche
 Ich setzte mich ein paar hundert Meter von den Jungs ab, um Musik zu hören. So kann ich auch ungestört mitsingen. Am Besten klappt das mit Liedern von den Wise Guys, ich fühlte mich richtig beflügelt und leicht, legte den Wanderstab in den Nacken und schritt entschlossen auf den Zielort zu. Natürlich taten die Füße und die Blasen weh, aber die Musik lenkte mich gut ab. Die Jungs schleppten sich hinter mir den Hügel hinauf. Leider würden sie an meinen Liedern keine Freude haben und die vielen Wortwitze könnte ich auch nicht angemessen übersetzen. Als Carrion de los Condes nur noch einige hundert Meter entfernt war, sah ich am Straßenrand einen Mann sitzen. Er hatte mit uns in Hontanas in der Herberge geschlafen und ich sprach ihn an. Ich musste ohnehin auf die Jungs warten, weil die den Weg zur Herberge nicht kannten. Ich fragte ihn, ob er auch hier schlafen würde und er antwortet "Neee, ich geh noch weiter!". Unterstützend warf er den Arm in Richtung Horizont. Dann erzählte er, dass er hier eine Pause mache, weil sein Knie so furchtbar wehtäte, dass er kaum noch laufen könne. Aha?! Warum er weiterlaufen wollte, konnte er nicht so recht erklären. Der Mann war sicher Ende 40, ich finde ja, man solle auf seinen Körper hören, wenn der Einem so klare Grenzen setzt. Das sagte ich ihm auch und empfahl ihm, im Ort zu bleiben, das sei besser als abbrechen oder ins Krankenhaus zu müssen. Hogy hatte auf seinem ersten Camino auch einen Deutschen getroffen, der es übertrieben hatte und dann einige Tage im Krankenhaus pausieren musste. Er beschloss, dass das sicher die bessere Lösung war und stand mit zusammengebissenen Zähnen auf und humpelte los. Ich war nicht einmal sicher, ob er die wenigen hundert Meter in die Ortschaft schaffen würde. Mit Allan und Hogy lief ich in den Ort, sie hatten während meines Gespräches zu mir aufgeschlossen. Da kam uns ein älterer französischer Herr rufend entgegen, den wir seit ein paar Tagen in den Herbergen sehen. Er hält sich meistens an Philippe und Patrick, weil er kein Englisch kann. Er erzählte, dass er seit 1,5 Stunden auf der Suche nach bekannten Pilgern ist, aber niemanden gefunden habe. Aber sie mussten hier sein, auch die beiden Franzosen, denn wir waren schon 26 Km gelaufen und die nächste Herberge ist in 18 Km Entfernung.  Richtig verzweifelt wirkte er, aber auch überglücklich, wenigstens uns gefunden zu haben. Er war auch in der Herberge gewesen, in die wir wollten, hatte aber alles verlassen vorgefunden. Ich stellte fest, dass mein Französisch noch ganz schön was taugt (was mich sehr freute) und wir liefen zusammen zur Herberge. Da merkte er, dass er den falschen Eingang genommen und einen Blick in den leeren Hinterhof geworfen hatte. Am Empfang hörte er dann, dass die Anderen in dieser Herberge waren. Er war sichtlich beruhigt und wir wurden aufs Zimmer gebracht, in dem lauter Einzelbetten standen. Juhu!
Die meisten Etagenbetten sind so niedrig, dass man unten nicht aufrecht sitzen kann, nicht einmal ich.
So weit noch bis nach Santiago (auf der Straße)
 Wir gingen einkaufen und ich versuchte, Zutaten für ein einigermaßen gutes Risotto zu bekommen. Ohne Gewürze ist aber alles nur halb so gut. Ich nahm Würstchen, Gewürzgurken und eingelegte Paprika. Das ergab mit Salz und Pfeffer dann auch ein ganz gutes Essen.
Abends badeten Allan und ich unsere Füße im Essig- Salz- Bad und es brannte viiel weniger. Es war unangenhm, aber gut auszuhalten. Währenddessen drehte Allan sich einen Joint und rauchte den vor der Tür. Heute waren wir aber in einer Art Kloster untergebracht und prompt kam eine Nonne aus der Tür über uns (wir standen unter einer Metalltreppe, die zu den Schlafräumen führte). Sie war sauer, weil man hier nicht rauchen dürfe. Was Allan genau geraucht hat, hat sie aber wohl nicht verstanden.
Sie kam runter, scheuchte uns in die Küche zum Aufräumen und dann mussten wir nach oben gehen. Es war gerade einmal 21 Uhr. Die Jungs gingen ins Bett und ich setzte mich in den kleinen Vorraum an ein Tischchen und schrieb Tagebuch.
Morgen haben wir einen recht kurzen Tag. Nur 25 Km. Ich hoffe, es wird weiterhin gutgehen mit den Crocs. Ich bin froh, dass wir keinen Regen haben, denn dann hätte ich mit der offenen Blase in den Stiefeln laufen müssen. Ich hoffe, der Himmel bleibt gnädig.

Scrat hat sich auch eine Blase gelaufen...

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