Donnerstag, 28. Februar 2013

28. Februar- Burgos (ca. 21 Km)


Ich muss heute zuerst einmal über das sauteure Tagebuch schimpfen. 20€ hat es mich gekostet, die beiden Lesezeichen sind nach 4 Tagen abgefallen, die tolle Tasche für Dokumente oder so ist seit Längerem aufgerissen, so das fast alles herausfällt und der tolle Kunstledereinband oder was das darstellen soll, löst sich seit Beginn ab und jetzt fallen auch noch Seiten heraus. Na toll. Dabei behandele ich es sehr vorsichtig, verpacke es immer in einer großen Tüte, die ich mehrfach um das Buch wickeln kann und es hat immer einen Ehrenplatz an der Rückenwand des Rucksacks. Wenn ich den erwische, der die so überteuert verkauft…!

Heute früh wachte ich auf und wähnte mich am Lagerfeuer, so sehr hat der Ofen gestunken. Ungeduscht zog ich mich an und dann lief der komische Deutsche los. Ohne Rucksack, ohne Alles. Keine Ahnung, was der treibt und wo der wirklich herkommt. Dass er so krank geworden ist, wundert mich kaum, es hat bei Weitem nicht jede Herberge eine Decke, geschweige denn die Heizung an.

Heute ging es direkt zu Beginn über steinige Wege weit bergauf. Zumindest, nachdem wir gemerkt haben, dass wir falsch gelaufen sind und umdrehten. Große Steine lagen auf dem Weg und man musste wieder genau darauf achten, wo man die Füße hinsetzt. Irgendwann kamen wir oben am Berg an ein großes Kreuz, um das viele Steine lagen. Vermutlich wieder so eine Pilgertradition, dass jeder einen Stein dazulegt. Auf dem Boden in der Nähe lag eine riesige Steinschnecke aus weißen Steinen, sowie ein paar andere Motive. Hier hatten die Menschen eindeutig zu viel Zeit. Hier ist übrigens die Heimat der ersten Europäer, so sagt man. Hier sind wohl die ältesten Menschenknochen gefunden worden. 800.000 Jahre sollen die alt sein.
Wir liefen den ganzen Hügel wieder hinunter und kamen in ein Dorf, in dem sich eine berühmte Wandmalerei an einer Hauswand befindet. Ein Pilger, der ganz viel unnötiges Zeug mit sich herumschleppt und sich eigentlich nur das Chillen auf dem Sessel wünscht. Berühmt meint hier natürlich Jakobsweg- berühmt.
Hier machten wir Pause auf den Bänken und vor einer Bar saß ein wirklich süßer Hund, mit dem ich viel gespielt und geschmust habe.

Ein paar Km später mussten wir uns zwischen 2 Wegen entscheiden. Der eine Weg führte durch ein Industriegebiet und der Andere sollte 500m länger, aber viel schöner sein. Da anscheinend nur mein Buch genügend Informationen über diesen Weg bereithielt, waren Allan und ich die Einzigen, die ihn nahmen. Es ging über einen matschigen Sandweg und wir mussten teilweise im Feld laufen, um nicht unterzugehen. Besonders entspannt war das nicht, wurde aber nach etwa 2 Km besser. Wir liefen um einen Flugplatz herum und machten im Ort dahinter Siesta an einem Brunnen.
Dort mussten wir erst einmal herausfinden, wie man dem Brunnen das Wasser entlocken kann, bis wir durch Zufall einen Knopf auf dem Boden entdeckten, auf den man treten musste. Wir aßen Sonnenblumenkerne und unterhielten uns lange und gut. Da von hier aus ein anderer Weg nach Burgos ausgeschildert war als in meinem Buch beschrieben ist, folgten wir den Pfeilen, die uns entlang einer Hauptstraße nach Burgos hineinführten. Wir wissen nicht, ob er der Weg jetzt nicht vielleicht doch länger war oder nicht, besonders hübsch war er jedenfalls nicht. Vielleicht hätten wir uns doch den Weg, der noch ein bisschen durch die Natur ging, gönnen sollen. Aber uns taten die Füße weh und wir hofften, dass das hier die ultimative Abkürzung war.

Wir liefen durch Vororte und bald lange Strecken durch Burgos. Wir mussten zwischendurch fragen, wie weit es noch bis zur Kathedrale ist, denn wir hatten ohne mein Buch keine Ahnung, wie lange wir noch laufen mussten. Meine Füße taten so weh, dass ich es nicht mehr aushielt und etwa 2 Km vor dem Ziel die Stiefel ausziehen musste. Ich zog meine Crocs an und hing mir die schweren Stiefel um den Hals. Die Idee war nicht so gut, es zerrte doch ganz gut im Nacken und ich war den Düften der Stiefel ausgesetzt.
Ich sags ja, steinige Wege
Als wir endlich zur Herberge kamen, staunten wir nicht schlecht. Mein Buch hatte schon verraten, dass diese Herberge sehr groß und modern ist, ein richtiger Massenversorgungsbetrieb. Aber hell und sauber. Leider war eine Küche nicht vorgesehen, das war bei all den tollen Extras wohl zu teuer. Es gab immerhin Aufzüge, eine Lautsprecheranlage, überall Bewegungsmelder und Steckdosen in jedem Bett (Letzteres hat mich sehr gefreut). Dennoch hätten sie gern mehr als eine Mikrowelle zur Verfügung stellen können. Aber viele gehen hier sicher auch Essen.
Die Betten waren toll, immer ein Etagenbett, abgetrennt von den anderen Betten, mit Schränken, eigenem Licht im Bett und Steckdose. Das war nach der Herberge in Atapuerca echt eine Wohltat.
Nach einer ausgiebigen Dusche lief ich durch die Altstadt von Burgos und sah mir die Kathedrale von außen an (ich wollte keine 2,50€ Eintritt zahlen) und badete meine müden Füße in einem Fluss. Dort entdeckte ich, dass meine Handykamera eine Panoramafunktion hat. Gut zu wissen. Ich weiß nicht, wie die Qualität der Bilder ist, aber ich habe fleißig Blödsinn fotografiert!
Später traf ich mich mit den Jungs. Nachmittags war jeder seinen eigenen Weg gegangen, weil er unterschiedliche Sachen vorhatte. Allan konnte nicht mehr laufen, blieb in der Herberge und rauchte lieber sein in Belorado erworbenes Gewächs. Philippe (der eigentlich Filipe geschrieben wird, wie ich gestern lesen konnte, aber ich werde es ignorieren) kam auf den Balkon und bemerkte, dass es hier ja "so riecht". Wir alle deuteten es so, dass er den Joint erkannt hat und wunderten uns nicht, dass er Allans Einladung annahm und auch ein paar Züge nahm. Später erfuhren wir, dass er es nicht gewusst hat und erst einmal ein paar Stunden schlafen musste (außer Allan hat übrigens niemand gekifft, nicht dass hier Gerüchte entstehen).

"Der Engel"
Wir versammelten uns an der Kathedrale und You- Jin erzählte, dass der Eintritt heute frei sei und so konnten wir sie doch noch besichtigen. Kathedralen sind immer sehr beeindruckend und ich mag es, mir vorzustellen, dass dies die Kirche ist, die in dem Buch "Die Säulen der Erde" erschaffen wurde.
Wir liefen durch die große Kirche und sahen einen kleinen Engel, der aussah, als müsse er ganz dringend auf die Toilette. Weil sich das aber für einen Kathedralenengel nicht gehört, bleibt er tapfer sitzen.
Also entweder soll der etwas anderes ausdrücken (oh je, dieses Wortspiel) oder da hatte ein Bildhauer viel Humor.
Dann sahen wir einen Raum in der Mitte mit einem großen geöffneten Tor. Wir waren uns dennoch nicht ganz sicher, ob man da wirklich reindarf und als ich mutig vorgehen wollte und den Fuß auf die Metallbegrenzung setzte, ertönte plötzlich sehr laut die Kirchenglocke. Ich muss ziemlich zusammengezuckt sein und fühlte mich erwischt und wir mussten alle unangemessen laut lachen.

Nach der Besichtigung, die echt lange dauerte, machten wir uns ausgehungert auf den Weg, einen Supermarkt aufzutreiben und überlegten, wo wir etwas essen konnten. Da wir nirgendwo etwas fanden, was uns zusagte, machten wir den Fehler, hungrig einkaufen zu gehen und es kam, wie es kommen musste: Wir verließen den Laden hoffnungslos überladen. Na toll. Ich werde morgen 2 Kg mehr tragen müssen. Ich hatte extra eine große Rolle Kekse und so für den Abend gekauft, aber nach dem Essen waren wir alle so vollgestopft, das niemand mehr etwas essen konnte.
Wir haben nämlich den besten Pizzaladen Spaniens entdeckt, an dem gerade der günstige Rabatttag war und kauften uns leckere Pizzen. Die war echt gut (Cheeseburger- bacon), aber auch so mächtig, dass ich 2 Stücke einpacken musste. Die habe ich dann in der Herberge an Philippe und Patrick verschenkt.
Morgen müssen wir aufgrund der Winteröffnungszeiten der Herbergen 32 Km laufen. Das wird schlimm, vor Allem, weil ich gerade neue Blasen an den Füßen bekommen habe… Und morgen geht es in die Meseta.


P.S. In der Kathedrale entdeckten wir ein Bild, dessen Hintergrund keiner von uns kannte. Vielleicht weiß es einer der Leser und kann es mir erklären? Das würde mich wirklich freuen!
(Inzwischen habe ich die Antwort bekommen: Es ist der heilige Bartholomäus.)


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