Sonntag, 24. August 2014

Tag 88: Aroue - Utxiat

Eine Nacht im Bett!  So etwas ist Ewigkeiten her. Und ich hab leider nicht gut geschlafen. Mir fehlten die Geräusche von draußen und irgendwie habe ich mich viel hin und hergewälzt.
Wir standen recht früh auf, denn wir hatten einen langen Tag vor uns. Es war noch nicht einmal hell und die ersten Pilger eilten schon los.

Wir machten uns in Ruhe fertig und brachen auf, als es gerade hell wurde. Der Nebel lag noch zwischen den Hügeln und wir kletterten hoch in den Ort. Wir hatten wieder eine hübsche Sicht auf die Pyrenäen und zwischendurch wurde es richtig kitschig, denn Kühe standen auf einer Weide, ihre Glocken klimperten und im Hintergrund sah man die Berge.

Wir liefen und liefen und machten irgendwann einfach am Straßenrand unsere Frühstückspause, weil es keine Möglichkeit zum Sitzen gab. 
Wir liefen viel auf und ab durch Natur und es war wirklich hübsch.

Mittags kamen wir an eine Kreuzung, an der wir uns zwischen zwei Wegen entscheiden mussten. Der eine Weg war wohl der historische Weg durchs Tal, der Andere führte über einen Berg an der Stele von Gibraltar vorbei. Wir entschieden uns dafür, die Stele zu besuchen, an deren Platz sich angeblich die drei großen Pilgerwege von Frankreich vereinen. Auch wenn dieser Platz irgendwann willkürlich festgelegt wurde (die historische Route der via Podiensis führt ja offenbar woanders entlang),  ist es ja doch ein interessanter Punkt am Weg. Dieser Abstecher bedeutete ein paar Extrakilometer und die Überquerung eines recht hohen Berges.

Wir entschieden uns dennoch für den Weg an der Stele vorbei und
liefen über Hügel in einen Ort, im dem wir immer wieder Schilder sahen, die uns vermutlich sagen wollten,  dass wir die Brücke nicht nutzen können.  Wir ignorierten diese Information erst einmal und als wir kurz vor der Brücke waren sahen wir, dass diese eingestürzt war. Überall lagen noch Reste im Wasser und am Rand,  auch Bäume hatten sich dazugesellt. Glücklicherweise stand die neue Brücke schon und ihr fehlte lediglich das Geländer, deswegen war sie vermutlich noch nicht freigegeben.
Wir konnten den Fluss also trockenen Fußes überqueren und mussten einen sehr steilen Anstieg über uns ergehen lassen.  Es ging eine ganze Weile im Wald bergauf,  über Steine und Geröll und teilweise war es mit meinen kurzen Beinen gar nicht so einfach an den Felsenstufen hochzusteigen.
Oben angekommen stand dann die Stele von Gibraltar, die wirklich unspektakulär war und auch nicht besonders schön anzusehen. 

Wir setzten uns in den Schatten und machten eine Pause,  denn von hier aus konnten wir sehen,  dass es gleich ziemlich lange steil bergauf und durch die pralle Sonne gehen würde.
Der Aufstieg war dann auch wirklich anstrengend und dauerte länger als gedacht,  aber oben an einer kleinen Kapelle angekommen war sofort klar, dass der Aufstieg und der längere Weg es wert waren.

Wir hatten eine unglaubliche Sicht auf die Pyrenäen oder waren sogar mittendrin. Die Berge wirkten so nah und so prächtig, sie sahen so schön aus,  dass es kein Foto festhalten konnte. In der Nähe grasten freilaufende Kühe und wir saßen lange an diesem Ort, zusammen mit überraschend vielen Pilgern, Wanderern und Touristen und genossen einfach den Ausblick.
Irgendwann zogen Wolken auf und verbargen die Fernsicht und ich war froh, dass wir vorher oben angekommen waren.

Während des Abstieges kamen wir an einer kleinen Kirche vorbei,  die unglaublich bunt und dekoriert war. Leider lief gerade eine Führung und so konnten wir uns drinnen nicht so gut umsehen.

Ostabat erreichten wir am Nachmittag und hatten Glück,  dass die Madame aus der Bar uns den kleinen Laden nebenan aufschloss, denn eigentlich war der noch für 1,5 Stunden geschlossen. Aber als sie hörte, dass wir noch weiterlaufen (was ungewöhnlich ist,  weil fast jeder hierbleibt) öffnete sie für uns. Wir konnten uns mit dem Nötigsten eindecken, um bis morgen über die Runden zu kommen und machten uns nach einer ausgiebigen Pause an die letzten Kilometer zu unserem Refuge.

Wir haben ja noch keine Ahnung,  was uns da erwartet.  Es kann ein Haus sein, aber auch nur ein überdachter Unterstand. Ich hatte in Ostabat im Outdoorführer etwas von einer alten Mühle gelesen und das ließ die uns darauf hoffen, auch Wände anzutreffen.
Wir waren auf diesem Stück erwartungsgemäß allein, da alle anderen Pilger in Ostabat eingecheckt hatten. Wir liefen bergauf und bergab über Feldwege und Pfade und unterhielten uns über die Heiligen der katholischen Kirche.  Wir hatten in der Kirche von Ostabat wieder Saint Antoine gesehen und Johannes hatte kürzlich ergooglet, dass er der Schutzpatron der Sozialarbeiter ist.  Das ist für mich ja gut zu wissen (falls ich mal einen Heiligen anrufen möchte).
Der heilige Antonius versteht sich Johannes Recherche zufolge auch auf verloren geglaubte (also verschlampte) Dinge und in Bayern nennen sie ihn deswegen angeblich "Schlampertoni". Wenn das stimmt,  ist das ein ziemlich süßer Spitzname für einen Heiligen.

Wir erreichten unser Refuge am frühen Abend und hatten großes Glück: Es war ein altes Mühlengebäude mit Dach und Wänden. Innen stand ein großer Tisch und es lagen sogar drei Matratzen auf Holzpaletten.
Wenn das mal keine Einladung ist! Es hing sogar eine Wäscheleine quer durch den Raum und beim Nachbarn,  den es überhaupt nicht überraschte, dass wir hier schlafen, bekamen wir Zugang zu einem Waschbecken im Hof. Perfekt,  oder?!
In der Mühle gab es zwei Fenster,  die beide unverglast sind,  aber das stört uns nach so vielen Wochen im Zelt überhaupt nicht.
Wegen all des Staubes und um uns vor Mücken und Spinnen zu schützen, stellten wir das Innenzelt auf die Matratzen, hatten es so schön weich und waren gut geschützt. 
Das Zelt konnte so auch gut durchtrocknen, denn wir brauchen es ja ab morgen nicht mehr.

Wir aßen und genossen unser kleines Heim und da es kein Licht gab, gingen wir bald schlafen,  nachdem es dunkel wurde.
Der einzige Minuspunkt unserer Unterkunft ist die direkte Lage an der Landstraße. Aber man kann nicht alles haben, stimmts?

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