Sonntag, 17. August 2014

Tag 87: Navarrenx - Aroue

Heute kamen wir erwartungsgemäß etwas später los als geplant.  Wir waren ja erst spät im Bett gewesen, im Ort war party hard (es war dementsprechend laut) und wir haben es ja auch nicht eilig.

Der Fluss im Ort war nach dem Gewitter hässlich braun und unansehnlich. Gestern war er noch hübsch und klar gewesen und Menschen hatten darin gebadet.

Wir verließen Navarrenx über ruhige Straßen und einen Waldweg,  passierten ein paar Kirchen,  viele freilaufende Hühner und einen Baum, dem eine kleine Figur in ein Loch gesetzt wurde. Dem Schild nach handelte es sich um die Madonna,  die in Lourdes angebetet wird.  Der Baum war katholisch-kitschig dekoriert. 

Erfreulich war, dass wir heute nicht nur schönes Wetter,  sondern auch viele Blicke auf die Pyrenäen hatten. An denen kann man sich einfach nicht sattsehen.

Nach einem Pausenplatz,  an dem man hausgemachte Stopfleberpastete kaufen konnte (in Frankreich ist das ja erlaubt) kam die beste Pilgeroase des gesamten Weges: In einem Carport stand ein Tisch mit Bänken, was erstmal nicht so besonders ist. 
Besonders war, dass es hier einen Kühlschrank voller kalter Getränke gab, außerdem Kaffee,  Tee, Zucker und Milch,  Sirup, Wasser, Gebäck und so weiter. Pilger dürfen sich hier bedienen! Eine Spendenbox gab es nicht,  aber einen extra Briefkasten,  in dem wir gern etwas einwarfen. Die Münzen fielen auf Münzen und ich hoffe,  dass die Pilger genug spenden,  damit diese Oase nicht irgendwann eingestellt wird.

Ein Anwohner kam zu uns und machte uns darauf aufmerksam,  dass hundert Meter weiter eine Sekte sei. Er wollte, dass wir das wissen.
Wir waren verwundert- Martin hatte 2-3 Tage bei denen verbracht, das hatte er uns erzählt. Aber wir dachten,  dieser Ort sei viel dichter an Navarrenx. Wir hatten ihn eigentlich treffen wollen. Leider war er schon seit einer Stunde weg, als wir an ihrem Garten vorbeiliefen und deswegen schlugen wir die Einladung, ihrer Sekte beizutreten/ etwas zu trinken aus (mit dem Hinweis,  gerade etwas weiter vorn getrunken zu haben) und liefen weiter.
Vielleicht wurde diese liebevolle Oase auch deswegen eingerichtet,  um Pilger vor dem Sektenhaus abzufangen?

Der weiter Weg führte uns über ruhige Wege, Pfade und eine Kuhweide zur heutigen Herberge auf einem Bauernhof.
Die Madame des Hauses stand in der Küche und bereitete mit ihren kleinen Kindern das Essen zu. Wir konnten im Garten zelten,  sollten aber noch warten,  damit geklärt werden konnte,  dass morgen früh keine Kühe in unser Zelt gucken. Also setzten wir uns erst einmal hin und entspannten uns. Die Herberge war hübsch und liebevoll eingerichtet,  sauber und es gab Sofas und Relaxsessel.

Der kleine Sohn der Madame war etwa 4 Jahre alt, hatte sich in unsere Nähe gesetzt und uns interessiert zugehört. Natürlich ohne ein Wort zu verstehen. Ich sagte ihm, dass wir deutsch sprechen und aus Deutschland kommen.  Er fragte, wo Deutschland denn wäre und ich antwortete, dass es neben Frankreich ist.
"Und wo ist Frankreich?"
Ja, this is basque country.

Als es später ans zahlen ging bekamen wir die Erlaubnis,  für 2€ pro Person mehr auf Matratzen im Aufenthaltsraum zu schlafen.  Wir wollten das, weil die Wiese sehr unebenen aussah und wir so Strom haben würden,  um mal die Kamera komplett zu laden. 
Um 20.30 Uhr hatten wir unser Lager immer noch nicht aufgebaut,  damit wollten wir warten,  bis alle im Bett waren. Da kam die Madame und brachte uns in ein Zimmer.  Sie sagte,  für sie sei es egal, ob wir auf dem Boden oder in einem Bett schlafen und dass ein Bett doch sicher bequemer wäre.
Wow! Dass wir das letzte mal ein Bett hatten ist wirklich schon ein bisschen her. Ich weiß nicht, ob die Dame verstand, was sie uns da gerade tolles angetan hatte, aber vermutlich konnte sie es in meinem Gesicht lesen.

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