Montag, 11. August 2014

Tag 80: Condom - Eauze

In der Nacht hatte es kräftig gewittert. Ich lag lange wach und habe dem Unwetter gelauscht. Manch ein Blitz war so hell, dass ich ihn durch die Zeltwand erkennen konnte. In so einer Nacht schläft man natürlich weniger, aber das Gewitter ging nur etwa eine Stunde.

Heute Vormittag führte uns der Weg durch einen Bambuswald an einem Fluss entlang und auch Palmen sehen wir inzwischen regelmäßig. Und natürlich Sonnenblumen über Sonnenblumen. Manche lächelten uns wieder freundlich an.

Wir entschieden uns unterwegs für einen empfohlenen Abstecher nach Larresingle, einem kleinen Örtchen mit gut erhaltener Burganlage, dessen Besichtigung sich lohnen soll. Auf dem Werbeschild wurde so freundlich um eine Besichtigung des Ortes gebeten, dass wir ohnehin nicht hätten vorbeilaufen können.
Es waren insgesamt auch nur etwa 2km.
Der Ort war niedlich, aber die Burganlage sah von außen viel spannender aus als von innen. Der Innenbereich war erstaunlich klein und drei der wenigen Ladenflächen standen auch noch zum Verkauf. Blühender Tourismus sieht vermutlich anders aus.
Ein paar Männer saßen an einem Stand und boten Bogenschießen an, aber es gab niemanden, der vorbeikam. Es war ja auch noch nicht einmal 10 Uhr und das Wetter war auch nicht so gut.

Also zogen auch wir nach einem kurzen Shooting am Pranger weiter zum Picknickplatz und frühstückten in Ruhe.

Als wir unseren Weg fortsetzten, kamen wir an eine sehr alte Brücke,  die schon unzählige andere Pilger überquert hatten.  Der Fluss unter der Brücke war, wie derzeit sehr viele Flüsse,  matschig braun und unansehnlich.
Wir liefen weiter und kamen nach Montreal, wo unsere Mittagspause etwas eskalierte.
Wir haben 2 Stunden Pause gemacht.
In Pause-machen sind wir echte Profis!

Am Ende entschieden wir, heute keinen weiteren Abstecher zu machen. Von hier aus kann man zu einer alten römischen Villa mit vielen Mosaiken laufen,  die man für 4,50 € pro Person besichtigen kann.  Die Bilder im Flyer und im Internet sahen zwar wirklich beeindruckend aus, aber zeitlich wurde es knapp,  wenn man genug Zeit zum Besichtigen haben möchte.
Wir wollten heute eigentlich bis nach Lamothe laufen,  wo man an einer Herberge zelten kann, die von einem deutschen Pilger geführt wird.  Die Beschreibung im Führer schreckte uns allerdings etwas ab. Unter Anderem muss man 2 € Aufpreis zahlen,  wenn man ohne Reservierung nach 17 Uhr ankommt. Das haben wir noch nirgendwo gelesen. Wir überlegten,  6 km weiter bis nach Eauze zu laufen und dort auf den Campingplatz zu gehen.

Nach 2 Stunden Pause fühlten wir uns fit genug dafür.  Interessanterweise, denn heute früh hatten wir noch überlegt, ob wir die heutige Etappe wegen meines Fußballens verkürzen und in Montreal schlafen sollten.
Aber heute hatte ich keine Schmerzen mehr, also liefen wir weiter.
Zum großen Teil führte der Weg über eine alte Bahntrasse.  Das bedeutete für uns guten Untergrund, keine Steigungen und zudem viel Schatten der Bäume zu unseren Seiten.

Als wir in Lamothe ankamen,  setzten wir uns auf die Terrasse der Herberge,  hatten aber bereits beschlossen, bis nach Eauze zu laufen.  Wir fühlten uns gut und das Wetter war zum wandern ideal. Zudem war es erst kurz nach 5 und die Herberge gefiel uns (von außen) auch nicht besonders.
Wir haben nur kurz mit dem Betreiber gesprochen und vielleicht ist es hier ganz toll, es soll bitte niemand wegen uns diese Herberge meiden! Die Pilger,  die hier schlafen, sahen nämlich alle ganz zufrieden aus. 

Ich fragte den Herbergsleiter nach einer Markierung, die uns 1000km bis Santiago anzeigt.  Unseren Berechnungen nach müssten wir nämlich ungefähr auf der Höhe sein. Er sagte,  dass es so etwas hier nicht gäbe und dass wir an dem Punkt bereits vorbeigelaufen wären.
Ich war so sicher,  dass es einen solchen Stein gäbe,  aber vermutlich habe ich immer Bilder von der via Lemovicensis gesehen, dem Jakobsweg,  der über Vezelay verläuft. Sehr schade!

Wir machten uns um halb 6 an die letzten 6 km und die zogen sich mal so richtig dahin. Über eine Bahntrasse zu laufen ist zwar nicht besonders anstrengend,  aber eben auch nicht besonders spannend,  da es immer nur geradeaus geht und man links und rechts nur Bäume und Gebüsch sieht.
Wir verkürzten uns die Zeit mit einem Spiel: Wir gingen im Kopf bekannte Wege ab: "Jetzt kommt rechts die Sparkasse, daneben ist ein Hauseingang... und hier ist die Plattenkiste, ein toller Laden. Gleich kommt links..."

So erreichten wir irgendwann fast den Campingplatz. Fast,  denn den Weg, der uns von der Trasse zum Platz bringen sollte, gab es nicht.
Es gab hundert Meter weiter aber einen Privatweg ins Tal und den nahmen wir einfach.  Wir hätten sonst einen großen Bogen laufen müssen und nach über 32 km waren wir dazu nicht mehr in Stimmung (na ja, eigentlich sind wir generell zu faul für unnötige Umwege).

Glücklicherweise mündete der Weg direkt in das Campingplatzgelände und wir kamen kurz vor der Schließung der Rezeption an.
Wir zahlten, durften uns einen Platz für die Nacht aussuchen und den Abend verbrachten wir nur noch mit essen, duschen und relaxen (und ich mit zwei kleinen Katzen).

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