Montag, 19. Mai 2014

Tage 2-5: Freudenberg - Köln

Das Pilgern in Deutschland ist lange nicht so ereignisreich wie in Spanien. Das ist jetzt zwar keine neue Erkenntnis, ich nehme es aber zum Anlass, die letzten Tage etwas knapper zu halten.
Wir haben jetzt die ersten 100km hinter uns und in Köln angekommen.
Wir sind durch viele Wälder gelaufen, haben wunderschöne Aussichten genossen und viele Pferde und Kühe gesehen.
Die Natur in dieser Gegend ist wirklich hübsch und besonders gefallen hat und beiden das Wildenburger Land.

Außerdem haben wir viele kleine Orte durchschritten und haben am Wochenende unzählige Leute gesehen, die entweder im Garten arbeiteten, den Rasen mähten oder ihr Auto wuschen.
Die Abende, Nächte und Morgende waren alle total schön und wir sind jeden Tag später als geplant aufgebrochen, weil wir uns so gut und lange unterhalten haben.
Die Beschilderung ist weitestgehend vorhanden, leider fehlt es aber immer wieder ab entschiedenen Kreuzungen. Also eigentlich dauernd.
Dafür ist der Weg manchmal geradezu übersät mit Aufklebern.



Am 2. Tag sind wir von Freudenberg nach Denklingen gelaufen. Nur rund 19km, aber wir gehen es bewusst langsam an. Nachdem ich im letzten Jahr auf dem Weg an der Ostsee so große Probleme hatte, wollen wir nichts riskieren und unseren Körpern und vor allem den Beinen und Füßen eine großzügige Eingewöhnungszeit gewähren. Immerhin sollen sie uns rund 2600km wir tragen und da müssen wir unbedingt nett zu ihnen sein!
Und wir haben auch nichts davon, wenn wir gleich zu Beginn viele Kilometer abreißen.

Mein neuer Begleiter

Ich habe einen Wanderstock aus dem Wald haben wollen, aber gestern keinen gefunden. Ich hielt immer wieder mal Ausschau, fand aber nichts. Heute blieb ich stehen und sagte zu Johannes: "Ich will jetzt endlich mal meinen Stock finden!". Wenige Augenblicke später hielt er mir meinen neuen Stock vor die Nase. Ich habe ihn gleich geschält und angefangen, ihn zurechtzuschnitzen. Inzwischen hat er einige Risse und ich weiß nicht, was aus ihm wird, aber ich behandle ihn so, als würde er mit mir in Santiago ankommen und alle 100km werde ich einen Ring hineinschnitzen.
Wir kamen an einer Höhle vorbei, die nicht besonders tief in den Felsen ragte, in der aber rundherum eine Geschichte stand. Etwas gruselig war das Ganze schon und dann seilte sich auch noch theatralisch eine dicke Spinne von der niedrigen Höhlendecke in meine Richtung ab.





Hier nahmen wir uns Steinchen für das Cruz de Ferro mit, denn der fehlte uns beiden noch.
Beim letzten mal hat mich das Kreuz, an dem jeder Pilger symbolisch eine Sorge oder Last durch einen Stein ablegt, nicht besonders berührt, deswegen war es mir auch nicht wichtig, vorher einen Stein auszuwählen und mitzunehmen.
In Denklingen angekommen bekamen wir den Stempel in einem Restaurant und danach wurden wieder von Freunden abgeholt und haben einen schönen und lustigen Abend in geselliger Runde verbracht.

Fast wie in Spanien
Am 3. Tag wurden wir hier wieder abgesetzt, um 19km nach Drabenderhöhe zu pilgern, wo wir von unserem Pilgerfreund abgeholt und aufgenommen wurden.
Der Tag verlief relativ ereignislos. Wir sind durch Wälder gewandert und haben uns in einem davon verlaufen, so dass wir an der falschen Stelle im Wald herauskamen. Dadurch waren wir in einer falschen Straße und auf dem Weg zur Hauptstraße kamen wir an einem Gehege mit Ziegen, Kaninchen, Hühnern und Gänsen vorbei. Ich war mit dem Verlaufen also schnell versöhnt.
In der Kirche in Drabenderhöhe wurde uns fast der Stempel verwehrt. Ein Mann stand in der Tür und wollte und nicht einlassen, weil bald eine Veranstaltung beginnen sollte. Wir sagten, dass wir nur einen Stempel bräuchten und er sagte, so etwas wie einen Polgerstempel hätten sie hier nicht. Ich zeigte auf einen Stempel, der im Vorraum auf einem Tischchen lag und meinte, dass der reichen würde, solange er von dieser Kirche wäre.
Er hob ihn hoch, drehte ihn in der Hand und sagte grummelig, dass das keiner wäre, den wir brauchen könnten. Glücklicherweise erkannte Johannes eine Muschel in der Mitte des Stempels und wies den Mann darauf hin. Inzwischen wirklich nicht mehr gut gelaunt erlaubte er, das wir unsere Ausweise zückten. Er stempelte mir erstaunlich herzlos einen Stempel in meinen Ausweis, der nicht nur auf Kopf, sondern noch nicht mal zur Hälfte gedruckt war.
Das machte mich nun meinerseits etwas missmutig, denn der Pilgerausweis wird mein wertvollstes Erinnerungsstück und ich habe keine Lust darauf, dass Leute wie er mir das versauen.
Also nahm ich ihm den Stempel aus der Hand und drückte ihn noch mal-dieses mal richtig herum-in meinen Ausweis.
Jetzt ist er auf einer Seite zwar doppelt, aber das sieht allemal besser aus als das davor. Der Mann quittierte mein Nachstempeln nur mit einem "das zählt dann aber gar nicht" und ließ es sich nicht nehmen, Johannes Pilgerausweis auch verkehrt herum zu stempeln. Blöder Kerl.
Abends waren wir bei unserem Pilgerfreund, der seinen Geburtstag feierte und als Überraschung kam noch ein weiterer Freund unseres Pilgerstammtisches dazu. Es wurde ein langer Abend, gut den sich der ganze Stress im Vorfeld gelohnt hatte. Wir wollten nämlich gern am Tag der Feier hier ankommen und dadurch musste ich mich mit meinen Sachen, die noch zu erledigen waren, mächtig ins Zeug legen.




Am 4. Tag sind wir erst mittags gestartet, weil wir etwas länger geschlafen und dann lange gefrühstückt haben. Wir sind von Drabenderhöhe über Overath nach Heiligenhaus (ca. 17km) gelaufen.
Da wir heute Abend noch mal im selben Quartier schlafen, waren wie heute mit kleinerem Gepäck auf Reisen.
In Overath haben wir uns ein Eis gegönnt, den es ist wirklich heiß. Kaum sitzen wir mit dem Eis auf der Bank am Bahnhofsvorplatz und wollen ein Foto machen, da landet ein dicker Vogelschiss auf meinem Knie. Also zogen wir um und setzten uns woanders hin. Wir hatten 2 Flaschen Fassbrause dabei und Johannes schaffte es das erste mal, einen Kronkorken ohne Flaschenöffner loszuwerden.
Nach der Pause kraxelten wir (nachdem wir uns Mal wieder verlaufen hatten) einen Berg hoch und kamen in Heiligenhaus an, wo unser Freund schon auf uns wartete und uns wieder mit nach Hause nahm.

  

Am 5. Tag erreichten wir nach 24 endlosen Kilometern den Kölner Dom. Hier haben wir die ersten 100km fast voll. Der Tag war anstrengend und warm. Wir haben beide schon etwas Sonnenbrand, freuen uns aber total über das Wetter!
Heute morgen mussten wir an der Kirche in Heiligenhaus den Stempel holen, den haben wir gestern nicht mehr geholt.
Dort lief jedoch noch die Kommunionsdankesfeier und wir mussten einige Zeit warten. Der Küster setzte mich auf die Wartebank und so wurde ich fast 15 Minuten von niemandem beachtet. Ich konnte somit in aller Ruhe das Treiben beobachten. Da ich mich in der katholischen Kirche nicht auskenne, fand ich die Mädchen in ihren Brautkleidern gleichermaßen faszinierend wie verstörend.
Irgendwann schenkte man mit wieder Aufmerksamkeit und ich hörte, dass ich die ganze Zeit warten musste, damit man mir sagen konnte, dass es keinen Stempel gibt. Na toll.
Der Herr wollte dann noch mit uns in irgendeinen Nachbarort laufen, aber ich wollte das nicht und habe in der kirchlichen Bücherei, die ich vorher nicht bemerkt hatte, nach einem Stempel gefragt und auch bekommen.
So war es dann auch schon fast Mittag, als wir Heiligenhaus verließen. Durch verschiedene Orte und vorbei an einer wilden Schlange (oder Blindschleiche) ging es in Richtung Köln, wo wir nach einem Marsch durch einen Wald ankamen.
Großstädte sind ätzend. Man läuft stundenlang durch die Stadt und wird zudem auch noch dauernd komisch angeschaut.
Deswegen zieht sich eine Großstadtstrecke auch immer endlos.

In Köln traf ich eine Kommilitonin aus der Uni und ich war echt überrascht, dass sie mich in diesem Outfit erkannt hat!
Nach 2 weiteren Stunden machten wir eine Pause mit Johannes ehemaliger Arbeitskollegin, die mit großen Eisbechern zu uns kam. Lecker!
Nach 2 Ewigkeiten erreichten wir endlich den Kölner Dom.
Nach einer kurzen Pause und einem Dom-Selfie mit Scrat gingen wir rüber zum Busbahnhof, wo wir von einer weiteren Pilgerstammtischfreundin abgeholt und aufgenommen wurden.
An diesen Bahnhof in Köln von ich vor 2 Jahren abgefahren und habe 18 Stunden im Bus gesessen, um nach Bayonne und St.Jean-Pied-de-Port zu kommen und meine Reise auf dem Camino Frances anzutreten und heute laufe ich hier vorbei. Das ist echt verrückt.

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