Montag, 29. Juni 2015

Tag 4: Portomarin - Palas de Rei

Heute Morgen war die Welt wieder eingehüllt im Nebel. Wir verließen Portomarin und wanderten los.
Es war kühl und der Nebel hielt sich die ersten Stunden.
Wir mussten viel bergauflaufen und vertrieben uns die Anstrengungen mit singen.
Das ist zwar nicht die beste Idee,  wenn man ohnehin durch die Erkältung etwas kurzatmig ist, aber wir waren allein und es macht Spaß.

Wir waren froh, als wir nach 8km in Gonzar ankamen und eine Cola trinken konnten. Pilgern ohne Cola ist wie feiern auf der Reeperbahn ohne Bier.  Geht gar nicht. Also setzen wir uns hin und zogen die Schuhe aus, denn das ist das beste Mittel gegen Blasen. Zumindest bei mir.

Nach der Pause liefen wir weiter und irgendwann klarte dee Himmel tatsächlich etwas aus. Ich konnte sogar einen vagen Schatten ausmachen!
In einem kleinen Ort begegneten wir zwei außerordentlich verschmusten und verspielten Hunden, denen wir eine halbe Stunde unserer Zeit schenkten. Schwer zu sagen, wer sich mehr über diese Streicheleinheit freute: Die Hunde oder wir?!

Auf schmalen und hübschen Pfaden ging es zur nächsten Bar, wo Hühner und zwei Katzen um die Tische streunerten.
Die Sonne gab auch inzwischen alle Mühe, ihr verspätetes Auftreten wieder gutzumachen uns brannte auf unsere Häupter.

Im Laufe des nächsten Teilabschnittes passierten wir eine Mauer, auf die jemand geschrieben hatte:

"STARTING in Sarria isn't the real thing"

Nun ist natürlich fraglich, ob der Autor selbst einmal in Sarria gestartet und somit in der Position ist, so eine Aussage zu treffen.
Ich bin ja nun ein waschechter In-Sarria-Starter und muss sagen: Bisher tut es weder weh noch vermisse ich etwas.
Natürlich fehlt uns der Teil davor, aber allen, die in St.Jean-Pied-de-Port starten fehlt eben der Teil davor. Und wenn die wüssten wie schön der Teil ist!
Ich denke, dass ein 120km-Camino besser ist als gar nicht erst loszulaufen und meiner Freundin gefällt es auch gut. Also war es die richtige Entscheidung und niemand sollte ob seines Startortes bewertet werden.
Man weiß ja auch nie, ob ein 100km-Pilger, den man gerade ein bisschen abwertend anschaut nicht im Jahr davor von zu Hause aus gelaufen ist ;)

Der Tag wurde richtig heiß und als wir an einem Wasserbecken mit herrlich kaltem Wasser vorbeikamen packte ich mein Buff aus, machte es pitschepatschenass, zog es mir über den Kopf und dachte an die heißen Tage in Frankreich zurück.
Erfrischend ist so ein nasses Kopftuch definitiv!

Am frühen Nachmittag erreichten wir Palas de Rei und kehrten im Ort in der alten öffentlichen Herberge ein.
Als wir geduscht waren aßen wir im gegenüberliegenden Restaurant leckere Spaghetti Carbonara.
Danach hatten wir große Pläne: Dies und das einkaufen, essen, genießen, Getränke kaufen... bis uns auffiel, dass Sonntag ist.
Großartig. Auf dem Camino sind Wochentage so irrelevant, dass wir das überhaupt nicht bedacht hatten.
Also müssen unsere spärlichen Vorräte bis morgen reichen, da haben die Läden wieder auf.
Im Ort werden wir allerdings nicht auf deren Öffnung warten, der früheste öffnet um 9.30 Uhr.

Wir kauften uns Chips und Cola und kehrten auf der Rathaustreppe ein, denn dort gab es Wifi und die anderen Pilger essen immer deutlich nach uns zu Abend.
Aber wir können und wollen nicht warten, bis die Südländer Hunger bekommen, unsere Mägen wollen um 18 Uhr gefüllt werden.

Jetzt liegen wir im Bett.
Es ist 22 Uhr und viel zu früh zum müde sein. Zeit genug zum bloggen.
Später wird ein Spanier sich mitten in den Raum stellen und inbrünstig spanische Sachen sagen.
Ich werde aus dem Halbschlaf schrecken, mich aufrichten um ihn vorwurfsvoll anzublicken uns merken, dass er unsere Steckdosenbelegung meint.
Ich werde ihm erklären, dass es ein 3er-Stecker ist und sein Sauerstoffgerät da mit ranpasst, aber er wird mich erst verstehen, wenn ich vom Bett klettere und es ihm zeige.
Freundlicherweise wird er ni aufhören auf spanisch auf mich einzureden, obwohl ich kein Wort verstehe. Aber wir werden uns mit einem Lächeln trennen.
... und sein Gerät uns lange wachhalten.

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