Dienstag, 3. September 2013

Sütel, vielleicht 21-25km?!

Die Nacht im Gemeindehaus war echt gemütlich, wir hatten es auf den Kissen sehr bequem. 
Wir machten uns um kurz vor Neun auf den Weg und gingen einkaufen. Mit frischen Brötchen und einem Franzbrötchen (wer das nicht kennt, hat was verpasst) konnte der Tag beginnen.
Wir liefen auf kleinen Wegen zum Burger Binnensee und an seinem Ufer entlang bis nach Wulfen. Der Tag begann etwas regnerisch, es hörte gegen Mittag aber auf und blieb trocken. Wir hatten eine wunderschöne Aussicht (wenn man die 3 Hochhäuser im Rücken ignoriert).
Der Wind ist heute bei Weitem nicht so stark wie gestern und es ließ sich gut aushalten. Zum Wandern eigentlich fast ideales Wetter, wenn es nicht so grau gewesen wäre.
Hinter Wulfen ging es fast 2,5 km am Stand entlang, einfach durch den Sand. Das war echt anstrengend und die Spaziergänger am Strand haben sich sicher gefragt, was mit mir nicht stimmt, immerhin lief ich mit fettem Rucksack und in Regenjacke da durch den Sand.
Teilweise war zwischen Gebüsch und Wasser nur ein Meter Platz und man musste die Wellen abpassen, um trockenen Fußes vorbeizukommen.
Kilometerweit durch den Sand...
Die Fehmarnsundbrücke hatten wir immer vor Augen und das überqueren eben dieser zog sich ins Endlose, weil man noch ewig über Land läuft und da ist die Aussicht nicht so schön wie über dem Wasser, man aber die ganze Zeit neben der viel befahrenen Straße läuft.
Den Pilgerführer werde ich wirklich nicht ins Herz schließen können, auch wenn ich dankbar bin, dass es Leute gibt, die sich die Arbeit gemacht und ihn geschrieben haben. Aber das Fehlen der Kilometerangaben nervt mich einfach, es war wirklich mühsam, den Tag zu planen. Wir wussten nur, wie weit es auf direktem Wege nach Grube war, aber hatten keine Ahnung, wie viele km das für uns bedeutete.

Wir haben deswegen aber ein GPS-Gerät mit und wenn wir herausfinden, wie man das Gerät richtig bedient, wissen wir auch, wie weit wir gelaufen sind und können den Autoren des Führers genaue Entfernungsangaben zukommen lassen. Aktuellen Schätzungen Zugfolge waren es etwa 21-25km (vermuten wir, kann auch völlig falsch sein. Mir kam es aber irgendwie länger vor. Eher wie 100km).
Die Wegbeschreibungen sind manchmal einfach umständlich formuliert, so dass man den Satz 2x lesen muss, um sich nicht zu verlaufen, denn die Beschilderung ist obendrein oft echt mies, bzw. nicht vorhanden. Das ist auch der Grund, warum wir den Führer brauchen und nicht ignorieren können. Ohne ihn kann man den Weg nicht gehen, ohne an jeder 2. Ecke raten zu müssen, wo es langgeht.
Wir haben auf dem Festland bisher nur kleine Ortschaften passiert, in dem größten der Dörfer (Großenbrode) konnten wir uns im Rathaus einen Stempel abholen und. Weiter ging es an der wenig befahrenen Straße durch sehr kleine Dörfer nach Lütjenbrode, wo ein Wegweiser ohne Pfeil suggerierte, dass wir hier geradeaus weiterlaufen müssen. Nach 800 Metern merkten wir, dass das falsch war und wir an der pfeillosen Muschel hätten links abbiegen müssen.
Uns beiden taten Füße und Beine weh und da es ohnehin ungewiss war, wie weit wir noch laufen mussten, hat uns so ein unnötiger Umweg gerade noch gefehlt.
Ein paar Kilometer später sahen wir, dass es schon 17 Uhr war und so wurde es langsam Zeit, sich um eine Unterkunft zu bemühen. In den kleinen Orten, die auf unserem Weg liegen, gibt es sicher nicht viele Möglichkeiten, kostenlos zu schlafen, wenn man sich nicht durch die Häuser klingelt (was wir nicht vorhatten). Wir versuchten, den Pfarrer einer Gemeinde zu erreichen, die nur 1 km vom Jakobsweg entfernt liegt, aber es ging niemand ans Telefon.
Wir liefen erst einmal weiter nach Sütel und kamen am "Haus Sütel" vorbei, in der "Zimmer mit Dusche und WC frei" stand.
Wir hofften, dass das Zimmer nicht zu teuer wäre und fragten nach. Vorher einigten wir uns darauf, dass wir nicht mehr als 30 Euro ausgeben wollten. Das Zimmer kostete 35 Euro... Nach kurzem Zögern sagten wir dann aber doch zu, denn wir hatten keinerlei Aussicht auf eine Unterkunft, waren erschöpft und wussten ja nicht, wie weit der Weg nach Neukirchen noch war.
Außerdem war die Aussicht auf eine Dusche sehr verlockend und die Sorge um die Nachtruhe waren wir los.
Uns wurde direkt Tee angeboten und Windbeutel gab es noch dazu. Wir plauderten mit der Besitzerin und ihrer Mutter und erfuhren, dass wir die ersten Pilger sind, die hier unterkommen. Dabei sieht man von der Terrasse aus sogar den Wegweiser. Dieser Pilgerweg scheint also echt nicht oft gelaufen zu werden. Im Gegensatz zum Mönchsweg, auf dem wir bis heute Nachmittag zeitgleich gelaufen sind, der ist den meisten Leuten ein Begriff (und der steht auch auf den Stempeln).
Das Zimmer hier ist sehr nett eingerichtet und das Bad ist riesig, alles wunderbar!
Wir ließen uns einen Stempel geben und als es dann ans Bezahlen ging, wurden uns spontan 5 Euro erlassen, Pilgerrabatt. Das freute uns natürlich und jetzt sind wir sogar bei den geplanten 30 Euro für die Nacht.
Wir fuhren mit den Fahrrädern des Hauses runter zum Strand und genossen das Meer und die Aussicht auf Fehmarn. Am Horizont entdeckten wir die vorhin erwähnten 3 Hochhäuser in der Nähe vom Burger Binnensee und die sahen wirklich winzig aus. So weit sind wir heute gelaufen? Verrückt!
Meine Aldiwanderschuhe sind zwar echt bequem und passen gut, aber im Laufe des Vormittags riss eine der unteren Schlaufen der Schnürsenkel. Ärgerlich, ich trage die Schuhe gerade mal den 4. Tag!
Wir wurden heute ein paar mal von Leuten angesprochen, die uns fragten, wohin wir laufen. Und hier grüßt auch noch jeder und das sogar mit einem "Moin", das freut das norddeutsche Herz!
Jetzt werden wir gleich Brötchen zu Abend essen und vermutlich übermorgen an den Wohnwagen kommen. Wir haben übrigens beide etwas Sonnenrand im Gesicht bekommen, dabei hat die Sonne eigentlich gar nicht so viel geschienen.
Qualle
Zum Abschluss eine Schmerzstatistik.
Birte: Drohende Blase am rechten Fußballen, wo die Schuhe noch feucht waren. Tape konnte es verhindern. Muskelschmerzen im linken Unterschenkel, Magnesium gekauft.
Außerdem eine drohende Sehnenscheidenentzündung durch die ungewohnte monotone Bewegung beim swypen auf dem Tablet. Hoffe, da passiert nichts, wäre irgendwie doof beim wandern das Handgelenk kaputtzumachen.
Johannes: Rücken- und Schulterschmerzen, kann man nichts machen, er sagt, der Rucksack sei richtig eingestellt.
Knie tut ein bisschen weh. Blase an einem Zeh, noch nicht aufgestochen.
P.S. Die vielen wie/wir und/uns- Fehler etc. kommen vom swypen, das hab ich noch nicht so drauf... ;)

Kaputter neuer Schuh

Am Horizont erkennt man 3 Hochhäuser. Dahinter sind wir heute gestartet.


Kommentare:

  1. Moin Birte,moin Johannes,

    ich lese mit :-) und mir gefällt deine erfrischende Art zu schreiben.

    Als ich letztens auf dem Camino war hatte ich auch ein Tablett mit. Hatte mir vorher ein App runtergeladen mit dem ich die Wegstrecke / Aktivität aufgezeichnet habe. GPS wird dein Tablett ja auch haben. Ist auf jedenfall Offline nutzbar und verbraucht auch kaum Accu.
    runtastic ist das ideale Tracking-Tool für Ihr Android-Handy/Tablett. Die App nimmt mittels GPS die zurückgelegte Strecke auf und gibt unter anderem die Geschwindigkeit, Durchschnittsgeschwindigkeit und verbrauchte Kalorien an.

    Zudem können Sie auch andere Sportarten wie Montain-Biking, Reiten, Fahrrad fahren oder Skilaufen auswählen. Nach dem absolvierten Training lädt die App Ihr Ergebnis auf Wunsch direkt auf Facebook oder Twitter hoch.
    Euch gutes Wetter, keine Blasen und son gedöns
    Buen Camino

    Kurt

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  2. Laaach! Du bist ja der Hammer! Sehnenscheidenentzündung vom Wutschen auf dem Tab! Das sollten wir unbedingt als Thread im Forum aufnehmen! Das schlägt sogar die Bettwanzen!

    Drückichdichganzfeste!
    Drache

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