Montag, 2. September 2013

Burg auf Fehmarn- ca. 15 Km

Wegweiser gefunden. Kann losgehen!
Unsere Reise begann um 10 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof, so wie für viele andere Menschen (und besonders Schulklassen) auch. Keine Ahnung, was die alle Montag vormittag in der Bahn wollen...
Fehmarn empfing uns mit denkbar schlechtem Wetter. Der Himmel war grau, es war windig (okay, das war abzusehen) und es regnete.
Wir standen noch in der Tür des Bahnhofes, da sahen wir schon den ersten Wegweiser. Das freute uns natürlich und motiviert liefen wir los.
Da wir nicht in den Ort liefen, sondern gleich zum Weg am Deich sollten, holten wir uns im Restaurant vor dem Bahnhof den ersten Stempel und mitfühlende Blicke ab. Kein Wetter für eine Wanderung...
Es ging eine Zeit lang am Wasser entlang- wie lang wissen wir leider nicht, da unser Pilgerführer unerklärlicherweise auf Kilometerangaben verzichtet. Das ist eine Sache, die mich wirklich enorm stört. Wir wissen nicht, wie weit wir heute insgesamt gelaufen sind, vermutlich waren es 15Km, aber was mich wirklich ärgert ist, dass man so seine Etappen nicht planen kann. Der Pilgerweg verläuft kreuz und quer über die Insel, da hilft also auch Google Maps nicht weiter.
Wir wollen am Mittwoch bis zum Wohnwagen nach Bliesdorf laufen, da wäre es gut zu wissen, wie viele Kilometer uns erwarten, damit wir Zeit und Kräfte einteilen können.
Schnell wurde uns überdeutlich klar, dass dies nicht der einzige Kritikpunkt am Führer ist, denn wir haben uns schon nach wenigen Km verlaufen. Wir bogen auf einen Feldweg ab, der auch hervorragend gekennzeichnet war und standen plötzlich vor einer Kuhweide. Der Pfeil auf dem Wegweiser zeigte nach links, aber da war kein Weg, sondern nur hohes Gras mit Disteln und Brennnesseln. Wir mussten mehrere hundert Meter zwischen der Weide und einem Bach laufen und hatten höchstens einen Meter Platz. Rechts war allerdings Stacheldrahtzaun und links sah man nicht richtig, wo der Bach begann, ab und zu sah man aber bedrohlich dicht schon das Wasser. Der Weg war so hoch bewachsen, dass mir das Gestrüpp bis zur Hüfte ging.
Am Ende standen wir vor dem Zaun und einem weiteren Gatter... und IN dem eingezäunten Bereich war der nächste Wegweiser!
Hätten wir also über die Weide laufen sollen?
Nein, der Pfeil zeigte vorher eindeutig nach links und ich gehe doch auch nicht einfach auf eine Weide! Aber der Weg ging über die Brücke auf der Weide und dazu mussten wir auf die andere Seite des Zauns, denn neben uns war ja der Bach,da konnten wir nicht rüber.
Johannes kletterte also über das Gatter. Ich machte einfach das Tor auf und ging durch.
Wir überquerten den Bach, vorbei an Kuhfladen und Abdrücken im Matsch. Wir liefen an den Kühen vorbei, die zufällig gerade in einiger Entfernung grasten und sich so nicht großartig stören ließen. Ich frage mich, was die Menschen machen, die Angst vor großen Tieren haben und dann unvorbereitet hier durchmüssen. Und wenn die Tiere genau da stehen, wo man langmuss.
Am Ende der Weide gab es keinen Weg, keinen Wegweiser und auch kein Gatter und wir waren echt genervt. Wir haben dann bei Google Maps gesehen, dass es an der Stelle, wo es für uns über/durch das Gatter ging noch woanders über den Graben ging. Warum klebt man die Muschel dann an den Pfosten an der Brücke (aaaargh!) ? Die Wegbeschreibung im Führer war irgendwie Quatsch und passte nicht zu dem, was wir vor uns hatten. Und von einer Weide stand da kein Wort.
Wir fanden schließlich doch den Ausweg und mussten uns ein ganzes Stück durch noch mehr Disteln und Brennnesseln schlagen als vorher. Wie gut, dass wir kurze Hosen trugen...

Der Pfeil zeigt nach links!


Sieht aus, als müsse  man hier rüber und nicht nach schräg rechts, oder?!

Wir trafen dann, nachdem der Weg weiterhin schlecht beschrieben war, auf den Ort, an dem früher mal eine Kapelle stand, in der die Pilger für die geglückte Überfahrt nach Fehmarn dankten.
Hier steht nichts sehenswertes mehr, sondern eine Hinweistafel und ein kleines Häuschen zum ausruhen. Ob das diesen beschwerlichen Umweg wert ist....?!

Das Wetter war nach wie vor echt mies, aber glücklicherweise froren wir nicht, nur der Wind blies uns des öfteren fast vom Weg und war schon etwas nervig. Als Johannes eine Sekunde lang nicht aufpasste und ihm 4 Flyer herunterfielen, trug der Wind sie so schnell fort, dass er dachte, es lohne sich nicht, hinterherzurennen. Aber er hat sie dann doch noch eingefangen können.
Der restliche Weg verlief relativ ereignislos und unspannend. Feldwege, Felder, Flachland- viel gab es nicht zu sehen. Dennoch war der Weg angenehm und hübsch, führte aber immer an den Ortschaften vorbei und nicht hindurch.

Mit der Ausschilderung haperte es stellenweise, da war es gut den Führer zu haben und in Burg hörte es dann plötzlich für einige Zeit ganz auf mit den Muscheln.
Wir hatten gehofft, in Strukkamp in einem Haus unterzukommen, in dem Studenten während ihrer Surfkurse wohnen. Leider ist das Haus gerade an eine Schulklasse vermietet.
Also versuchten wie es in der Jugendherberge. Ich weiß, dass manche Jugendherbergen Pilger dort aufnehmen, auch wenn sie keine Clubmitglieder sind. Wir wurden hier aber sofort abgewiesen.
Also machten wir und erst einmal auf die Jagd nach einem Stempel.
In der evangelischen Kirche wurden wir fündig und als wir nach einer günstigen Übernachtungsmöglichkeit fragten, bot die Pastorin uns an, im Gemeindehaus zu schlafen. Wir hatten gehofft, dass das geht und waren echt froh, dass wir uns kein teures Zimmer mieten mussten.
Es gibt hier sogar große Kissen, aus denen wir uns ein Lager gebaut haben- das wird eine gemütliche Nacht.
Wir liefen noch in die Fußgängerzone, um etwas zu essen und genossen leckere Hausmannskost und Bier.
Morgen soll es laut Pilgerführer bis nach Grube gehen- wenn wir wüssten, wie viele Jakobswegkilometer das sind, wüssten wir, ob das machbar ist, denn die heutige Etappe ging eigentlich bis zur Sundbrücke.
Wir werden sehen...

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