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Mittwoch, 9. Juli 2014

Tag 57: Pausentag in Le Puy en Velay

Heute haben wir richtig ausgeschlafen und sind mittags zum Decathlon gelaufen, da wir ein paar Kleinigkeiten brauchten.
Meine Badehose hat zwar deutlich langer gehalten als die Wanderhose, ist aber auch schon seit einiger Zeit kaputt.
Auf dem Weg zum Outdoorgeschäft liefen wir durch einen sehr hübschen Park, in dem es einige Tiergehege gibt.
Ich brauchte zwei neue Hosen und hatte Glück: Die Hose, die mir am Besten passte, war mit 7,95€ auch noch die günstigste. Ich kaufte sie gleich zweimal und ab heute wird jeder denen, ich wechsle meine Hose nicht. Allerdings wird ab heute auch niemand mehr bemerken, wenn es tatsächlich so ist.
Wir kauften außerdem leichte Plastiklöffel und Gabel, denn die Göffel (Löffel mit Gabelzacken vorn) taugen nicht viel, es bleibt immer noch ganz schön was in dem auszulöffelnden Gefäß übrig. Auch wenn wir jetzt 1-2 Gramm mehr tragen, das ist es wert.
Ich kaufte mir einen zweiten Buff, da es in letzter Zeit so kalt ist, dass ich etwas mehr um meinen Hals brauche. Mein kaputtes aufblasbares Kissen wurde durch ein neues ersetzt und Johannes gönnte sich auch eines. Und ich kaufte mir eine leichte Kappe, den meinetwegen kann der heute heiße Sommer langsam kommen (ich klage lieber über Hitze).
Für den Rückweg nach Le Puy gönnten wir uns den Bus, denn wir hätten eine Stunde gebraucht, wollten aber noch etwas von der Stadt sehen.
Nachdem wir unsere Einkäufe ins Zelt gebracht und ein paar Minuten entspannt hatten, machten wir uns auf den Weg, die Kirche auf dem Berg zu besteigen.
268 Stufen stiegen wir bei schlechtem Wetter herauf und waren oben ganz schön erstaunt, wie klein die Kirche war. Die sah wirklich winzig aus, dabei wirkt sie vom Tal aus gesehen so groß.
Wir hatten einen tollen Überblick über die Stadt, nur in der Ferne konnte man nicht viel erkennen. Wir sahen, dass da wohl einige Berge sind, aber leider war das Wetter zu schlecht.
Nachdem wir die 268 Stufen wieder heruntergestiegen waren, kauften wie ein paar Postkarten und gingen dann zum Pilgercafé. Gestern wurde uns in der Kirche erzählt, dass sich hier die Pilger treffen, um sich kennenzulernen und Fragen zu stellen.
Wir waren gespannt, wie viele kommen würden, denn wir hatten gestern und heute schon viele Pilger entdeckt.
Wir bekamen neue Pilgerausweise, allerdings die Französischen- die sehen anders aus und sind etwas größer als unsere bisherigen.
Wir trafen heute Abend Pilger aus Frankreich, Kanada, China, den USA, Deutschland und Belgien. Wir bekamen reichlich Infomaterial und die Helfer versuchten jede Frage zu beantworten. Es war ein schön gestalteter Abend- schön, dass es solche engagierten Leute gibt, die das hier jeden Abend machen.
Und wir trafen Jean-Pierre, unseren Pilgerfreund, der einen Tag nach uns aus Taizé weitergelaufen ist. Das war eine besonders schöne Überraschung und wie verbrachten den Rest des Abends damit, unsere Erlebnisse der letzten Zeit auszutauschen.
Später brachte er uns noch zum Campingplatz und lief dann zurück zu seiner Herberge an der Kirche.
Wir werden uns morgen früh in der Pilgermesse wiedersehen.

Dienstag, 8. Juli 2014

Tag 56: St.Paulien - Le Puy en Velay

Wir haben wirklich sehr wenig geschlafen und das Haus um kurz vor 8 Uhr verlassen. Das Wetter war gewohnt schlecht und wir waren etwas traurig, einen so wichtigen Ort auf der Strecke bei miesem Wetter zu erleben.
Der Weg verlief durch die Natur und wir genossen die Ruhe vor dem Pilgersturm. Denn es scheint ab Le Puy spürbar voller zu werden. Wir wanderten über Hügel und vor einem kleinen Ort bestellte ich eine Katze zum streicheln. In Ort entdeckte ich dann das bestellte Tier und die kleine war richtig verschmust. So mag ich das.
Wir wanderten zum Nachbarort und damit zum letzten Örtchen vor Le Puy. Schon von Weitem sahen wir die prächtige Burg auf der Spitze des Berges thronen. Das sah zwar ganz großartig aus, aber wir mussten da hochlaufen und das machte den Berg gleich ziemlich unattraktiv.
Der Aufstieg war anstrengend, aber dennoch erstaunlich kurz und zum Glück regnete es gerade nicht, so dass wir nicht unter dem Poncho den Berg besteigen mussten.
Die Aussicht vom Ort aus war toll, auch wenn der Himmel sehr bewölkt war. Die Burg selbst haben wir uns nicht angeschaut, weil der Eintritt uns zu teuer war, aber wir sind trotzdem bis nach oben gelaufen und haben gepicknickt. Es war sehr kalt und windig und wir machten uns bald an die letzten Kilometer.
Wir liefen herab ins Tal und auf der anderen Seite des Berges wieder herauf und plötzlich endete die Markierung. Wir wussten nicht, wo wir langgehen sollen  liefen vermutlich falsch, fanden aber den Weg irgendwann auf dem Berg wieder.
Wir liefen eine steile Straße herunter und hinter einer Kurve lag plötzlich Le Puy vor uns.
Na ja, plötzlich wäre es gewesen, wenn wir nicht im Buch gelesen hätten, dass man es gleich sehen wird.
Dennoch, wie blickten in das Tal und sahen zwei Felsen, auf dem eine Kirche und eine Marienstatue thronten. Es sah schon mächtig imposant aus, vor allem als wir tiefer waren und an den Felsen hochblicken konnten.
Wir liefen zur Kathedrale und gingen in den integrierten Pilgerempfangsbereich. Dieser entpuppte sich als großer Raum mit sehr vielen Andenken. Viele Figuren, Ketten, Armbänder, Karten und Bücher gab es hier zu kaufen. Wir nahmen uns den "Miam Miam Dodo", den neuen Führer und holten uns den Stempel ab.
Danach liefen wir ein bisschen durch die Stadt und beschossen, einen Pausentag einzulegen. Wir haben die Zeit und diese Stadt scheint es wert zu sein.
Wir checkten im Campingplatz ein, gingen einkaufen und guckten abends das WM-Spiel der Niederlande gegen Argentinien.
Dass es in die Verlängerung ging und dann noch zum Elfmeterschießen kam, war uns egal, weil wir morgen ausschlafen können.

Montag, 7. Juli 2014

Tag 55: St.Georges Lagricole - St.Paulien

Heute früh sind wir mit Gefrierbeuteln an den Füßen losgelaufen.  Wir kauften uns im Laden ein Frühstück und suchten den Weg zurück zum Jakobsweg. 
Weil wir in das Buch gucken wollten fiel Johannes schnell auf,  dass er es in der Herberge vergessen hatte und lief zurück.
Ich wartete auf einer nassen Mauer im Nieselregen und fand es wirklich kalt.
Man sah aber ein paar blaue Flecken am Himmel,  die hoffentlich besseres Wetter ankündigten.
Wir liefen über hübsche Wege durch Felder und Wald und setzten uns zum Frühstück auf einen Haufen gefällter Bäume. Wir schoben uns Zartbitterschokolade in das Baguette und freuten uns,  dass es gerade einmal nicht regnete. Außerdem liefen wir über Wege ohne hohes Gras, die uns die Schuhe am meisten nassmachen.
Auf den Wegen standen, wie schon in den letzten Tagen,  einige Bäche über ihren Ufern.  Normalerweise fließen sie als schmale Bäche über den Weg, so dass man mit einem Schritt darübersteigen kann. Durch den vielen Regen aber waren sie teilweise fast 2 Meter breit und es war nicht immer leicht, sie zu überqueren.
Mittags hörte es endlich auf zu regnen und die Sonne zeigte sich ab und zu. Irgendwann entdeckte ich erste helle Stellen an den Schuhen,  sie schienen endlich zu trocknen!
Als wir über den letzten Berg des Tages stiegen,  konnten wir St. Paulien schon von Weitem sehen.  Le Puy sieht man von hier aber wohl nicht,  auch wenn man bei besseren Wetter sicher eine prächtige Weitsicht hat. Es fing leider wieder an zu tröpfeln und wir konnten uns nur ungefähr vorstellen, wie viele Berge vor uns lagen.  Die Wolken verdeckten vieles leider. Wir entdeckten eine Burg am Horizont, aber ob wir da vorbeikommen oder nicht,  wissen wir noch nicht.
Als wir den Ort erreichten suchten wir nach Schildern, die uns zur Gite führen sollten, aber wir fanden keine.
Also liefen wir erst einmal runter in das kleine Zentrum und fragten in der Touristeninformation.  Wir wurden zu einer anderen Adresse geschickt,  als im Buch angegeben war und waren nicht sicher,  ob alles klappen würde. Und das tat es auch nicht.  Johannes hatte die Nummer, die wir anrufen sollten falsch notiert und musste noch einmal zurück und die richtige Nummer herausfinden. Die Frau schickte ihn nach einem Telefonat mit dem Herbergsleiter wieder zurück zum Haus, wo irgendwann eine Frau auftauchte und sagte, dass die Dame in der Touristeninformation wohl neu sei,  da sie alles falsch gesagt hätte.  Wir mussten ganz woanders hin, wurden aber mitgenommen und zum Haus der Frau gefahren. Neben ihrem Haus stand die Herberge,  die sehr neu aussah.  Es gibt nur 4 Betten und eine wunderbare Dusche. Man kann das Wasser von oben kommen lassen oder aus der Handbrause und als Luxusmöglichkeit noch aus 6 Massagedüsen an der Wand. Die Frau sagte uns,  dass wir hier allein bleiben würden,  aber ich bat sie, Paul kommen zu lassen,  falls er noch anrufen sollte.
Und das tat er- um 18.30 Uhr.  Der hat die Ruhe weg.
Die Frau fuhr uns runter in den Ort,  wo wir am Laden rausgelassen wurden um einzukaufen und Paul hinterher zur Herberge zu bringen. 
Wir trafen uns im Laden und kauften für eine ausgiebige Mahlzeit ein und die wurde unheimlich lecker.  Es gab einen Salat aus dem Garten der Herbergsleiter und Kartoffeln mit Butter und irgendeine spezielle Wurst aus der Fleischerei.  Dazu gab es noch Möhren und Zwiebeln in Butter gegart und Bier.
Das WM-Spiel Deutschland gegen Brasilien durften wir freundlicherweise nebenan bei den Herbergsleitern gucken.  Und wir waren froh,  dass wir das nicht verpasst haben.  7:1, wahnsinn!
Hinterher unterhielten wir uns noch eine Weile mit den Herbergsleitern und Paul (der heute Geburtstag hat.  Ich hab zufällig am richtigen Tag nach seinem Alter gefragt) und fielen um halb 2 müde ins Bett.  Mal sehen,  ob wir morgen so früh rauskommen wie wir wollen,  denn wir wollen uns le Puy angucken und dafür genug Zeit haben.  Vielleicht machen wir auch einen Pausentag,  dass wissen wir noch nicht.

Sonntag, 6. Juli 2014

Tag 54: La Chapelle en Lafay -St. Georges Lagricole

Als wir heute morgen aufstanden und aus dem Fenster schauten sahen wir,  dass es wieder (oder immer noch?) regnete.  Der Himmel sah unglaublich trist, grau und uneinladend aus. 
Wir suchten in unseren Rucksäcken nach Plastiktüten, die wir über die Füße ziehen konnten, damit diese einigermaßen trocken blieben. Ich hatte nur zwei Kekstüten, die im Endeffekt nach wenigen Kilometern kaputt waren.
Wir zogen unsere noch feuchten Klamotten an, denn die Heizung ging nicht richtig und machen uns auf den Weg in den Regen. Wir liefen über die Landstraße zurück zum Jakobsweg,  denn la Chapelle liegt etwas abseits davon.
Nach höchstens einer halben Stunde war ich wieder so nass an Beinen und Füßen,  dass ich gern hier schon irgendwo eingekehrt wäre. Aber da das Wetter in den nächsten Tagen nicht besser werden soll, hätte das keinen Zweck gehabt. 
Als wir wieder mal ein Minidorf durchquerten, tauchte ein Hund auf, der mich im Sicherheitsabstand verfolgte und umkreiste. Da ich nicht ganz sicher war, welche Absichten der Hund hatte,  ließ ich ihn nicht aus den Augen, ich wollte ihn nicht plötzlich im Bein haben.  Vermutlich jagten wir ihm mit unseren Ponchos etwas Angst ein, wir haben damit ja richtige Buckel und wir knistern beim bewegen.  
Der Hund lief mit uns mit und ließ sich nicht abschütteln, sah aber inzwischen neugierig und friedlich aus. Er kehrte auch nicht um,  als wir das letzte Haus hinter uns gelassen und den Wald betreten hatten. 
Er rannte immer ein paar Meter vorweg, schaute zurück, lief weiter und hatte offenbar große Freude an diesem Ausflug.
Irgendwann ließ er sich dann zum Glück aber anfassen,  denn ich hatte längst den Anhänger für Adressen am Halsband entdeckt und wollte den Besitzer informieren. 
Ich schraubte den Verschluss auf und hatte die Nummer. Dummerweise hatten wir aber keinen Empfang im Wald und es dauerte auch noch eine ganze Weile, bis wir das nächste Dörfchen erreichten.
Dort wollten wir jemanden bitten,  vom Festnetz aus die Besitzer des Hundes zu informieren.
Der Weg durch den Wald führte durch Schlamm und große Pfützen. Wir rutschten und schlitterten und platschten. Und natürlich waren die Füße längst wieder klatschnass. Die Natur hier war glaube ich ganz schön,  viel habe ich nicht mitbekommen,  ich musste ja immer auf den Boden achten um nicht auszurutschen oder in einer Pfütze zu versinken.
Wir erreichten das Dörfchen, aber nirgendwo war jemand zu Hause oder öffnete die Tür. Es regnete wieder und wir wollten den Hund endlich loswerden und nicht bis in den großen Ort mitnehmen.
Als wir zum letzten Haus gingen, das an der Landstraße lag, lief der Hund plötzlich auf die Straße und rannte vor die Autos. Wir mussten jedes Auto abbremsen und die Fahrer ärgerten sich vermutlich darüber,  dass wir unser Tier nicht im Griff oder wenigstens an der Leine hatten.
Zum Glück hörte der Hund recht gut, das hatten wir schon im Wald bemerkt,  als er einen Hasen jagte oder länger nicht zu sehen war. Da wir ihn bereits so lange an der Backe hatten wollten wir ihn jetzt nicht mehr verlieren,  nicht dass er den Weg nicht mehr findet.
Dennoch rannte der Hund bellend vor die Autos und ich musste mich einmal so vor den Hund stellen, dass er mit voller Geschwindigkeit gegen meine Beine prallte. Und natürlich an das kaputte Knie... Ich glaube der Hund wusste nicht,  dass die Autos stärker sind.
Ich nahm ihn an die (Wäsche)Leine, da wir ihn mit nach Usson en forez nehmen mussten. Wir liefen etwa 2km bis zum Ortseingang,  wo wir eine Autowerkstatt fanden.  Der junge Mann rief den den Besitzer des Hundes an, der wohl schon nach ihm suchte.  Kein Wunder,  inzwischen waren wir auch eine ganze Weile im Trio unterwegs.
Der Besitzer war ein freundlicher Mann mit Cowboyhut und es schien so, als hole er sein Tier nicht zum ersten Mal irgendwo ab.
Glücklich, den Hund  heil losgeworden zu sein, liefen wir zum Zentrum des Ortes.  Da wir kaum noch etwas zu essen hatten machten wir einen Abstecher zum Supermarkt,  der 5 Minuten vor unserer Ankunft in die Mittagspause ging. Also setzten wir uns in die Kirche und ich zog die tropfenden Schuhe und Socken aus. Ich konnte alles auswringen und meine Füße waren schrumpeliger als nach einem ganzen Tag im Schwimmbad.
Das Schlimmste war aber,  nach der Pause wieder in die kalten nassen Socken zu müssen.
Der weitere Weg verlief über die alte Römerstraße, die hier nicht wie anderswo geteert war, sondern als Gras- oder Feldweg durch die Natur führte.  Wir wurden so nass, dass es nicht mehr schön war.  Deswegen reservierten wir uns wieder zwei Betten in einer Herberge. Der Weg wäre bei gutem Wetter sicherlich sehr hübsch anzusehen und gut zu laufen sein, aber heute war er einfach nur schlammig und ätzend.
Als wir die Gite endlich erreichten, wurden wir freundlich empfangen und bekamen ein eigenes Zimmer zugewiesen.  Mit uns wohnen hier im Haus 4 portugiesische Arbeiter und Paul,  der aber erst später ankommen würde.  Er hatte noch einige Kilometer vor sich.
Direkt neben der Herberge gab es einen Dorfladen und wir wollten heute wieder kochen. 
Da die Preise teilweise aber unerhört hoch waren,  gab es ein Menü aus dem bezahlbaren Sortiment: Nudeln mit Fertigtomatensauce mit einem Päckchen Schmelzkäse, vielen Zwiebeln und Mozzarella.
Außerdem hackten wir Cashewkerne und streuten sie über unser Essen. Es war sehr lecker und vor Allem heiß.
Da der Laden schloss bevor Paul ankam und wir nicht wussten,  ob er etwas zu essen haben würde oder nicht,  stellten wir ihm einen Teller zurück und empfingen ihn damit. Er kam jedoch erst um kurz vor halb 9, weil er erst um 11 in la Chapelle losgelaufen war. Er hatte warten wollen,  dass der Regen aufhört und irgendwann aufgegeben.
Wir verbrachten den Abend zusammen und unterhielten uns. Leider hat Paul nur eine Woche Zeit und muss in Le Puy aufhören,  aber wir hoffen uns morgen noch einmal zu sehen.
Meine Füße waren auch einige Stunden nach der Ankunft noch schrumpelig. Aber wir haben heute im Laden große Gefrierbeutel gekauft,  die wir uns morgen an die Füße ziehen können. Ich hoffe,  damit laufen wir trockenen Fußes.  Dieses Wetter geht uns auf die Nerven!

Samstag, 5. Juli 2014

Tag 53: Montbrison - La chapelle en Lafay

Heute liefen wir wieder mal im Regen los. Es ging über einige Feldwege hinauf in den Ort St.Georges (de Dings), wo wir vor der leider verschlossenen Kirche Pause machten. Während wir unsere Füße lüfteten und uns entspannten kam der Hüter der Schlüssel und schloss uns die Kirche auf.
Im Laufe des Tages kamen wir an einem einzelnen kleinen Weinberg vorbei, bevor wir auf einen Berg stiegen,  den wir nur deshalb erklimmen sollten,  um an einer kleinen Kapelle vorbeizukommen, die dauerhaft geschlossen ist.
Es gibt ein Sichtfenster und einen Lichtschalter,  mit dem man die Freske in der Kirche beleuchten kann.  Nur war dieses Sichtfenster komplett zugeklebt und wir konnten nur einen kleinen Teil der Freske durch eine sehr dünne Lücke sehen.
Wir ärgerten uns darüber etwas ind fragten uns,  warum man das Fenster wohl verklebt hat und wo der Sinn sein soll.
10 Minuten später bekamen wir die Antwort,  als zwei Leute zur Kirche kamen,  die offenbar großen Hunger hatten: der Mann trug zwei Familienpizzakartons.
Sie setzten sich aber nicht an den Tisch mit Talblick, um die Pizzen zu essen,  sondern kamen zur Kirche und schlossen sie auf.
Wir erfuhren, dass in der Kirche heute eine Kunstausstellung beginnt und das Sichtfenster deshalb verklebt ist. Wir durften rein und Kirche und Ausstellung besichtigen und bekamen sogar kaltes Wasser.
Das war gut, denn es war gerade recht warm draußen.
Nachdem wir die Kirche also doch noch angucken konnten und viel mehr sahen als durch das Fenster möglich gewesen wäre, stiegen wir den Berg versöhnt wieder herab, um uns auf den Weg zum nächsten und großen Anstieg zu zu machen.
Der begann mit einer ordentlichen Steigung vor einem Ort,  den Johannes wenige Minuten vor mir beendete. Während ich auf dem Weg nach oben war, ließ er sich versehentlich von einem Franzosen einladen, zu ihm nach Hause zu fahren, wo er für uns kochen wollte.
Als wir im Auto saßen fiel mir nach wenigen Augenblicken die Alkoholfahne des Mannes auf- Johannes bemerkte nichts. 
Der Mann fuhr mit uns über das Land und irgendwie weiter weg als mir lieb war. Während der Fahrt redete der Mann schon etwas seltsam: man kann es schwer beschreiben, er war einfach ziemlich seltsam. 
Als wir sein Haus erreichten waren wir beide überrascht,  wie luxuriös es war.  Ein großes Grundstück mit Poolzimmer und teuer wirkender Einrichtung. Er goss uns (und leider auch sich) Rotwein ein und dann standen wir irgendwie etwas dumm herum,  während irgendein Essen auf dem Herd erhitzt wurde. 
Da wir nicht rauchen wollten, hörte der Herr glücklicherweise gleich wieder auf,  am Joint zu basteln und wir gingen auf die Terrasse, wo er uns viele Sachen erzählte über den Garten,  das Wasser und seinen Fischteich.
Bald setzten wir uns in die Küche an den Tisch und da setzte sich der Mann dauernd auf den falschen Platz.  Er hatte noch einen 15-jährigen Sohn im Haus,  dem ich ea nicht verüble, dass er das Mittagessen geschwänzt hat.  Es gab nämlich lauwarme ungesalzene Nudeln und ungewürzte Hühnchenschenkel. Das war (angesehen von Baguette) alles.  Keine Sauce oder so.
Der Mann redete von Spiritualität und davon,  dass wir so eine gute Reise hätten und er das auch mal machen will. Er meinte alles bestimmt ganz lieb,  aber er war einfach unheimlich seltsam!
Dann kamen noch zwei Freunde von dem Herrn und wir waren froh, als wir uns nach insgesamt einer knappen Stunde endlich loseisen konnten und zurück zur Kirche gefahren wurden. Denn die Freunde waren nicht viel weniger seltsam.  Der Gastgeber murmelte ihnen immer wieder irgendetwas hinter vorgehaltener Hand zu, aber ich verstand leider nur, dass er von uns Deutschen sprach, aber keine Inhalte.  Als wir dort ankamen, atmeten wir beide auf.  Allein schon aus dem Grunde, dass während der Fahrt alles gut ging.
Wir machten uns also nach Besichtigung der kleinen Kirche und der Krypta auf den Weg zum Gipfel.
Wir stiegen stetig bergauf und sahen hinter einer Bergwand schnell dunkle Wolken aufziehen. Es sah stark nach Regen aus und wir hofften, dass es vorbeiziehen würde.  Die Wolken dachten aber nicht daran,  sondern zogen genau in Richtung unserer Route und wir schafften es noch in den Ort Mansals, bevor der Regen richtig stark wurde. 
Wir erreichten einen überdachten Platz mit Picknicktisch für Pilger und dann begann ein starkes Gewitter. 
Über eine Stunde harrten wir frierend unter dem Dach aus, bevor wir beschlossen,  dass es nichts bringt und wir raus in den Regen müssen. 
Wir liefen los und waren bald durchnässt,  weil es stark regnete und Gewitter.  Außerdem waren die Waldwege bereits völlig nass und das Wasser lief uns in Bächen entgegen.
Der Weg war fürchterlich zu laufen und so entschieden wir in einem Monidorf oder Gehöft,  hier ein Dach zu suchen und hier zu bleiben.  Wir waren so nass, meine Füße platschten richtig in den Schuhen. Doch wir hatten Pech,  wir wurden zweimal abgewiesen und am dritten Haus fragte ich gar nicht erst,  weil der Mann im Windfang stand, den Regen beobachtete und mich nicht sehr einladend ansah. 
Frustriert mussten wir also weiter und entschieden,  auf die Landstraße auszuweichen,  um nicht auszurutschen und damit wir schneller ins hoffentlich trockene kamen.
Von der sicherlich hübschen Aussicht auf der Bergspitze haben wir bei dem Wetter leider gar nichts.  Die Landstraße verlief allerdings auch nicht viel tiefer, wir liefen endlos lange durch den Regen.
Als wir endlich (nach Ewigkeiten!) hoch nach Montarchet gelaufen waren,  wurden wir im Chambre d'Hotes abgewiesen.  Wir sollten nach la Chapelle laufen, da wäre etwas für Pilger, "gleich da unten".   Haha. Es ging etwa einen Kilometer (in weiterhin starkem Regen) bergab in den Ort,  den wir gleich ansteuerten, weil wir keine Lust darauf hatten, noch woanders weitergeschickt zu werden.  Die Füße schwammen und der Poncho hält auch nur das meiste,  aber nicht alles ab. Mein Pullover war schon lange nass und wir froren. 
Endlich in la Chapelle eingetroffen lief Johannes in die erstbeste Einrichtung, eine Auberge. Und wr wurden weggeschickt. Allerdings wohl nur aus dem Grunde, dass der Empfang für Pilger gegenüber war.
Wir liefen zum richtigen Haus und hofften,  dass wir ohne Anmeldung hier überhaupt jemanden antreffen würden. Endlich hatten wir Glück: Der Empfang ist an einem Privathaus und der Monsieur,  der die Tür öffnete,  empfing uns sehr freundlich.  Natürlich können wir in die Herberge und ein anderer Pilger sei auch da.
Wir gingen zur Kirche,  wo im alten Pfarrhaus die Herberge eingerichtet ist.  Der andere Pilger war gerade auswärts essen und so machten wir uns erst mal frisch, richteten uns ein und aßen. Und wir verteilten unsere nassen Sachen.
Der andere Pilger ist ein Franzose und heißt Paul.  Er läuft von Lyon nach Le Puy und hatte das Glück,  vor dem Gewitter hier angekommen zu sein. 
Wir unterhielten uns lange und als wir irgendwann alle im Bett lagen,  dachten wir,  dass wir ja ganz schön lange schlafen könnten. Aber wir redeten dann so lange,  dass es  schon nach halb 12 war,  als wir uns eine gute Nacht wünschten.

Freitag, 4. Juli 2014

Tag 52: Pommiers en Forez - Montbrison

Heute morgen war die Welt nicht viel trockener als gestern und die ersten Kilometer liefen wir auch wieder im Regen. 
Im ersten Ort fand ich einen kleinen Vogel,  der beim Flugversuch wohl gescheitert war und geplättet in einer Einfahrt lag.  Ein Anwohner sagte,  er solle dort einfach bleiben und ich hoffe,  dass ihn keine Katze entdeckt hat.  
Die Bäckerei des Ortes war nicht nur besonders hübsch, man konnte dem Bäcker auch auf die Finger gucken,  da der Ofen mitten im Laden stand.  Auf einem Tisch stand ein richtiges Brot.  Das schaute ich begeistert (das sieht man ja nur selten in Frankreich) und geschockt (es hatte einen Kilopreis von 6 €) an. Die Verkäuferin sah es und schnitt mir eine Scheibe als Geschenk ab. Die teilten und genossen Johannes und ich an einem Picknicktisch vor der Kirche und aßen feierlich unser letztes Stückchen Butter dazu. 
Wir liefen heute wieder ein paar kleine Abkürzungen über die Landstraße,  denn wir hatten in einer Pause entschieden,  heute quasi eine Doppeletappe zu laufen,  da wir gern beim Aldi einkaufen wollten (die haben da u.A. sehr gute Kekse und günstige Nüsse) und morgen Sonntag ist. Also haben wir uns den Weg herausgesucht und sind etwas anders gelaufen.
In Montverdun steht ein Kloster auf einem Berg, aber sonst haben wir nicht viel gesehen.  Der Jakobsweg hat uns durch unspektakuläre Straßen geführt und wir landeten bald wieder auf der Landstraße. 
Als wir endlich am Ortseingang von Montbrison ankamen, mussten wir noch fast 4 km bis zum Campingplatz laufen.  Wir machten eine Pause am Supermarkt und aßen Eis, bevor wir in die Altstadt hochstiegen.
Wir sahen von unten drei Kreuze auf dem Berg, aber wir kamen nicht daran vorbei, als wir uns oben umsahen. Wir besuchten die Kirche,  in der heute eine Hochzeit stattgefunden haben muss; es lagen überall Konfettiherzen herum.
Es fing gerade wieder an zu regnen,  als wir die Kirche verließen,  also hielten wir uns nicht länger auf und liefen in Richtung Aldi.
Als wir alles hatten, was wir brauchten, liefen wir zum Campingplatz, der weiter weg war als wir dachten (zumindest fühlte es sich so an). Als wir ankamen war das Wetter zum Glück wieder besser und wir konnten nach einer schnellen Dusche in das Schwimmbad springen.  Dieses hatten wir zum Glück bald für uns allein,  weil es bei diesem wechselhaften Wetter niemanden ernsthaft ins Wasser zog.
Wir hatten uns im Supermarkt Salate, Trockenobst und Nachtisch gekauft und aßen unser kleines Festmahl vor dem Zelt, bevor wir müde ins Bett fielen.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Tag 51: St.Jean-St.Mairice-sur-Loire - Pommiers en Forez

Heute morgen bin ich um halb 6 vom Gewitter geweckt worden. 
Die ersten Stunden des Tages mussten wir auch im Wechsel zwischen Regen und Regenpause laufen. 
Wir liefen herüber nach Saint- Maurice und staunten darüber, wie hübsch alles plötzlich war. Wir hatten bald eine prächtige Aussicht in das Tal der Loire und sahen schon von oben den Ort mit der alten Burg und historischen Häusern.  Ein bezauberndernes kleines Örtchen und hier würde ich auch ein Schloss bauen,  wenn ich Lust auf ein Loireschloss hätte.
Im der Kirche fanden wir auch die Jakobusfreske. Glücklicherweise war die Kirche schon so früh geöffnet.Wir kauften uns ein kleines Frühstück, trugen uns in das Gästebuch des Ladens ein und machten uns an den Abstieg zur Loire. 
Unten angekommen fing es wieder zu regnen an und wir liefen in der nächsten Stunde über mehr und steilere Berge als im Führer steht.  Ob es einen Grund gibt,  dass im diesem Buch viele Infos unterschlagen werden?
Vor dem Örtchen Bully stand ein Schild,  das anzeigte, dass es bis Santiago noch 1750 km wären. Genau das lasen wir schon vorgestern oder so, wir wissen also nicht genau, wie weit es wirklich noch ist. 
Der Berg hinter Bully wurde uns durch viele bunt bemalte Jakobsmuscheln versüßt, die an Bäumen und Pfählen hingen.  So machte es richtig Spaß,  hochzusteigen. Von der Höhe aus hatten wir dann noch trotz einiger Wolken einen schönen und weiten Blick in Tal.
Den Rest des Tages verbrachten wir dann auf Feldwegen und kleinen Straßen und wir liefen lange neben der Autobahn entlang, bis wir sie endlich unterqueren und hinter uns lassen konnten. 
In Pommiers regnete es mal wieder und so hielten wir uns nicht lange im Ort auf (es gab ohnehin nicht viel zu sehen) und liefen gleich zum Campingplatz durch.
Es gab leider weder dort noch in der benachbarten Snackbar einen Fernseher,  aber wir wollten das WM-Spiel Deutschland gegen Frankreich natürlich gern gucken, besonders weil wir ja gerade in Frankreich sind.
Also erfragten wir,  wo das möglich sei.
In diesem Ort gibt es nur leider nichts außer einem fernsehlosen Restaurant, aber angeblich sollte bei der Schule ein public viewing stattfinden.
Wir machten uns nach dem Duschen auf den Weg und kamen kurz vor Beginn des Spiels an. Es waren allerdings eine Handvoll Leute vor Orr und die schickten uns weg- das hier sei privat und wir sollten im 10km entfernten Ort gucken.  Als wir sagten,  dass wir zu Fuß sind, wurde uns ein anderer Ort genannt,  zu dem wir nur eine Stunde laufen würden. Guter Witz 3 Minuten vor Anpfiff. 
Wir liefen also wieder zurück in Richtung Campingplatz und überlegten,  ob wir irgendwo noch etwas finden könnten. Da hielt plötzlich ein Auto neben uns und die Frau am Steuer sagte uns, dass wir gern bei der Schule mitgucken könnten.  Wir sollten einsteigen und sie fuhr uns rüber. Sie war gerade angekommen als wir abgewiesen wurden, vermutlich gab es dann ein kurzes Gespräch und die Frau fuhr uns hinterher. Vielen Dank dafür!
Das Spiel lief zwar schon seit 15 Minuten,  aber die Technik noch nicht. Ein paar Männer versuchten eine Leinwand und einen Beamer aufzubauen und über das (offene) Schul-WLAN einen Stream zum laufen zu bekommen. 
Als das endlich klappte, war das Tor für Deutschland bereits gefallen. 
Die Veranstaltung war offenbar ein Schulfest und die Übertragung des Spiels wahrscheinlich das Lockmittel für die Väter,  die sonst zu Hause geblieben wären, um ihr Land verlieren zu sehen.
Während die Kinder Lieder, Tänze und kleine Sketche vortrugen, standen einige Männer vor der Leinwand und sahen sich das Spiel an (wenn das Bild mal nicht stockte).
Es hatten nicht alle mitbekommen,  dass wir Deutsche sind,  sonst hätten wir nach dem Spiel vielleicht kein Bier in die Hand gedrückt bekommen, als das Buffet eröffnet wurde. 
Wir bedankten uns noch einmal bei der Madame,  die uns eingesammelt hatte und liefen zurück zum Campingplatz,  bzw.  zur benachbarten Snackbar,  wo wir uns ezwas zu essen auf den Sieg (und unsere ziemlich leeren Mägen) gönnten. Danach gingen wir bald schlafen und hofften,  dass das Wetter besser würde. So viel Regen nervt,  da wünsche ich mir schon fast die üble Hitze zurück.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Tag 50: Noailly - St.Jean-St.Maurice-sur-Loire

Heute morgen standen wir etwas später auf als geplant. Betten genießen wir einfach,  denn wir wissen ja nie,  wann das nächste kommt. Eine Bettdecke hatte ich zudem wirklich schon lange nicht mehr und die Beinfreiheit haben mein Knie und ich sehr genossen.  
Das Wetter sah heute früh noch recht freundlich aus.  Wir kauften uns im Dorfladen ein Frühstück und verputzten es 2km weiter auf der Landstraße,  da einfach kein Platz zum hinsetzen kam. Aber das sitzen auf der Straße kennen wir ja und irgendwie hat das auch etwas.
Im Laufe des Vormittags kamen wir an einem Gehege mit Puten vorbei und es hilft ja nix, diese Tiere sind einfach hässlich. Das habe ich den ihnen auch gesagt und auf jedes "hässlich" haben sie mit Protestschreien reagiert. 
Kurz darauf erreichten wir einen Weg, der "chemin des pèlerins" heißt und hier haben wir in etwa die ersten 1000 km voll.
1000 km.
Das klingt ganz schön weit und inzwischen sieht man ja auch auf der Landkarte eine deutliche Entfernung zu Siegen. 
Wir sahen heute eine ganz frisch renovierte Kirche und inzwischen sind wirklich viele Kirchen geöffnet und in deutlich besserem Zustand als in der Lorraine.
Wir legten vor der Tür eine Pause ein und liefen dann weiter zum  Supermarkt des nächsten Ortes. Dort kauften wir uns eine Packung Snickerseis und Johannes legte noch eine Packung Marseis nach (3 Eis waren ihm nicht genug). Es ist echt unfair,  dass er dabei noch fast untergewichtig ist. 
Die letzten Kilometer bis zum angepeilten Etappenziel zogen sich wieder einmal in die Länge. Aber irgendwann sahen wir das Ortsschild und liefen auf die Kirche zu. In unserem Buch steht, dass es hier eine alte Freske geben soll, die Jakobus zeigt.
Die haben wir eine ganze Weile gesucht (weil wir auch nicht ganz sicher waren,  das richtige zu suchen), bis ein Mann hereinkam und uns verriet,  dass wir in der falschen Kirche waren. Saint-Jean-Saint-Maurice-sur-Loire ist ein Doppelort und hat dementsprechend auch zwei Kirchen.
Da wir vorher gesehen hatten, dass um die Kirche herum eine schöne Rasenfläche war, fragten wir den Herrn bei der Gelegenheit,  wer uns wohl erlauben könnte, hinter der Kirche zu zelten. Er tat es direkt und gab uns gleich noch seine Telefonnummer und schloss zusätzlich einen Abstellraum auf, der eine Tür zur Wiese heraus hatte. Hier konnten wir unsere Sachen lagern und im Falle eines Gewitters (es war mal wieder eines angekündigt) Unterschlupf finden.
Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten, kam die Frau des Mannes mit ihrem Enkel und lud uns ein, bei ihnen zu duschen.  Sie ist selbst Pilgerin und weiß,  wie gut das nach einem Wandertag tut. Hinterher saßen wir noch bei Getränken und Keksen im Garten und hätten wir unser Zelt nicht schon aufgebaut und uns eingerichtet,  hätten wir auch dort schlafen können. Aber wir freuten uns auch auf unser Zelt, es ist ja unser zu Hause. Und hinter einer Kirche zu zelten ist auch schön.

Dienstag, 1. Juli 2014

Tag 49: Charlieu - Noailly

Heute Vormittag war Markttag in Charlieu und hier trafen wir unsere Gastgeber von gestern am Gemüsestand wieder. Nach einer kurzen Unterhaltung kauften wir frisches Obst und Gemüse und nach einem Abstecher in den Supermarkt machten wir uns auf den Weg zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes.
Wir frühstückten an einer Abtei und lasen im Führer von einer besonders sehenswerten Abtei einige Kilometer weiter. Die wollten wir nachher gern anschauen.
Wir liefen eine sehr steile Straße hinauf und bald war die Stadt verschwunden.  Wir fühlten uns,  als wären wir im Hinterland schlechthin, dabei war die Stadt keine 2km weg.Wir pilgerten über hübsche Wege mit weiten Aussichten in den nächsten Ort und suchten besagte Abtei.
Dabei stellte sich heraus,  dass diese in Charlieu steht und wir während des Frühstücks eine halbe Stunde davorgesessen und geplant haben,  sie anzugucken. Den Standort der Abtei hat die Autorin des Buches nämlich völlig falsch eingetragen... Danke Ingrid.
Wir schauten uns stattdessen die örtliche Kirche an und spielten auf dem Spielplatz. Der weitere Weg führte uns über die Loire, die hier irgendwie gar nicht so hübsch aussieht wie man sie von Bildern kennt und auch nicht so hübsch, dass ich da ein Schloss hinstellen würde. 
Nach der Mittagspause kamen wir zu einem Hafen an einem Kanal, streichelten an einer Wiese eine Ziege und einen ziemlich frechen Esel und sahen kurz vor La Bénission-Dieu ein Schild,  das uns ankündigte, noch 1750km bis nach Santiago laufen zu müssen.
Im Ort gibt es eine alte Abtei, deren Kirche wir uns anschauten.
Wir liefen danach über Landstraßen, Feld- und Waldwege und über eine Furt, die weniger dramatisch war als das Buch ankündigte nach Noailly herein, das etwas abseits vom Jakobsweg liegt,  aber mit mehreren Infoschildern Pilger zu locken versucht. 
Im Ort erfuhren wir,  dass der Campingplatz noch gut 2km entfernt was.  Die wollten wir aber irgendwie nicht mehr laufen und versuchten es bei Gite d'Etape des Ortes. Wir klingelten (da es kein Schild gab) am falschen Haus,  aber die freundliche Bewohnerin rief den Vermieter an,  der ein paar Sekunden später mit dem Handy am Ohr in seinem Wagen um die Ecke fuhr.  Ausgerechnet heute war die Herberge aber ausgebucht und Anwohnerin und Vermieter überlegten, wo sie uns unterbringen könnten.
Wir hätten im Park zelten können,  aber eine Dusche wäre natürlich schön. Das Wetter war heute zwar wieder wechselhaft,  aber immer wieder warm genug zum schwitzen.
Der Vermieter erreichte die beiden Arbeiter, die im kleinen Teil der Gite wohnen und wir durften dort mit einquartiert werden. Wir schlafen heute also mal wieder in einem Haus. Da haben wir auch nichts gegen. Und das für 13 € pro Person.
Hier gibt es sogar eine Küche und wir Pechvögel kommen am einzigen Ruhetag des Dorfladens hierher.  Aber da wir ja eigentlich Glückskinder sind,  haben wir (nachdem beschlossen war, dass wir dennoch unser Gemüse vom Markt braten wollten)  bei der Nachbarin von vorhin um etwas Butter zum anbraten gebeten und eine Packung Eier zusätzlich geschenkt bekommen! So konnten wir doch noch ein kleines Festmahl feiern. 
Es ist das erste mal,  dass wir auf dieser Reise kochen konnten und es schmeckte herrlich.  
Einer der Arbeiter,  der inzwischen eingetroffen war, teilte seine Cola beim Essen mit uns und bot uns noch viele andere Sachen an.  Als der zweite Bewohner der Gite kam, unterhielten wir uns eine Weile und setzten uns später vor die Tür und lernten die Damenwandergruppe kennen, die in der großen Gite übernachtet. Ich hatte bald den Hund zu meinen Füßen liegen und streichelte ihn lange und ausgiebig. Irgendwann gingen wir dann rein und bald auch ins Bett, da wir morgen wieder zeitig aufbrechen wollen und unseren Schönheitsschlaf brauchen.

Montag, 30. Juni 2014

Tag 48: Le mont Pinay - Charlieu

Heute früh liefen wir quasi in den Sonnenaufgang,  da die Sonne diese Seite des Berges noch nicht erreicht hatte.
Die Baumkronen waren schon in goldene Farbe getaucht und noch war es sehr frisch,  da keine einzige Wolke am Himmel stand. 
Die 8 km nach le Cergne verliefen bergauf und bergab und wir betraten den Ort über eine lange Treppe, die bergab durch einen Park führte. Auch hier war die Kirche offen (das ist seit dem Burgund öfter so) und wir machten hier unsere erste Pause. Wir holten uns etwas zu essen beim Bäcker und ich streichelte eine Katze, die gegenüber auf der Fensterbank saß.
Das Wetter war bisher herrlich. Wir bekamen im Rathaus einen hübschen Stempel (für gestern,  da es im Wald ja keine Stempelstelle gibt), kauften uns noch eine kalte Cola und zogen mit vollen Wasserflaschen weiter. Es ging zunächst steil bergauf und bergab, immer im Wechsel. 
An einem Zaun hatten die Bewohner viele Jakobsmuscheln angebracht.
Wir erreichten eine kleine Waldkapelle,  die leider verschlossen war und danach ging es sehr steil bergab.  Johannes übernahm für dieses Stück noch mal meinen Rucksack und ich versuchte mit zwei Stöcken möglichst knieschonend den Berg herunterzukommen. Kurz vor dem nächsten Ort kamen wir an einem Grundstück vorbei,  auf dem zwei Alpacas, ein Hängebauchschwein, Schafe und ein Hund herumliefen. So etwas gefällt mir.
Wir stiegen in den Ort hinauf und hörten schon lange einen Pfau schreien. Irgendwann lief er uns über den Weg - er rannte einfach frei im Dorf herum und schrie herum. Pfaue sind in Frankreich wohl recht beliebt,  da wir schon ein paar mal welche gesehen haben.
Leider lief der Pfau gerade nach Hause und verschwand hinter dem Haus,  so dass wir ihn nur noch hören und nicht mehr sehen konnten. 
Ein paar Orte weiter kamen wir an einem Schrottplatz vorbei, auf dem wir einige Sackkarren, Schubkarren und co. sahen. Wir überlegen seit einiger Zeit,  ob wir die Rucksäcke ziehen sollen oder nicht (dem Knie zuliebe). Der Schrottplatz hat jedoch an einem Tag in der Woche geschlossen und das ist natürlich heute.
Also machten wir nur eine Pause vor der Tür und fragten uns, wer in dem dazugehörigen Laden wohl etwas kauft,  denn überall stand Zeug herum und es sah nicht besonders gepflegt aus.
Wir kürzten hier wieder ein Stückchen über die Landstraße ab und trafen nach einigen Kilometern auf einen Mann,  der an der Straße stand und arbeitete. Wir kamen ins Gespräch und als seine Frau dazukam erfuhren wir, dass hier ihr Gemüsegarten ist. 
Sie luden uns zu sich ein,  um etwas zu trinken und wir nahmen die Einladung gern an. Wir mussten dazu allerdings ein gutes Stück bergabgehen, aber der Mann sagte uns,  dass er uns zurückfahren würde.
Als wir auf der Terrasse saßen und ein kaltes Getränk in der Hand hielten, bot uns der Monsieur ein paar mal Augenzwinkernd an, uns zum Etappenziel zu fahren,  aber wir lehnten lachend ab. Solche Angebote sind lieb gemeint und manches mal auch sehr verlockend,  aber damit fangen wir erst gar nicht an. Später wurden wir von ihm aber an der Parallelstraße ausgesetzt,  weil diese ruhiger ist als die Landstraße.  Wir wanderten die letzten Kilometer nach Charlieu und bekamen unterwegs noch leckere Kirschen, die ein Mann gerade frisch geerntet hatte. Am Ortseingang bogen wir direkt ab, um zum Campingplatz zu kommen.
Nach einer Dusche und dem waschen und aufhängen der Wäsche liefen wir dann in die Ortsmitte. 
Der Himmel war etwas bewölkt, es sah aber nicht nach Regen aus, also trauten wir uns, Wäsche zu waschen und aufzuhängen.
Heute gönnten wir uns einen Pizza aus der Pizzeria, da wir keine Lust auf Fast Food (also Kebab) hatten und die Auswahl im Ort doch begrenzt war. Wir mussten  noch eine halbe Stunde warten, bis die Küche öffnete und vertrieben uns die Zeit im Internet.  Die Pizzen waren wirklich sehr gut, aber durch das Warten auf die Küchenöffnung und Johannes Kaffee hinterher hatte der Himmel genug Zeit, dunkle Wolken anzusammeln und abzuregnen. Irgendwann wurde der Regen so stark,  dass uns klar wurde,  dass unsere Wäsche auf der Leine wieder nass ist.  Wir eilten zurück und verteilten die Kleidungsstücke im Waschmaschinenraum des Campingplatzes. Dann ließen wir den Abend auf der überdachten Terrasse des Campingplatzes ausklingen und beobachteten Regen und Gewitter.

Sonntag, 29. Juni 2014

Tag 47: Col de Crie - Le Mont Pinay

Die Nacht war im Bezug auf das Knie etwas besser als ich dachte.  Die Pause in Taizé hat wohl doch ganz gut getan.  
Das Wetter sah heute früh viel freundlicher aus als gestern und das motivierte uns, denn wer will schon bei schlechtem Wetter über die Berge?!
Wir liefen lange und teilweise steil bergauf und konnten hübsche und weiter Aussichten genießen. 
Wir überquerten ein paar Bäche und stiegen immer höher.
Kurz vor der Spitze des Berges St. Rigaud befindet sich die Pilgerquelle, die vorwiegend Rheumaschmerzen lindern und Unfruchtbarkeit heilen soll.  Ich war etwas betrübt, dass sich eine Pilgerquelle nicht auf Pilgerleiden spezialisiert,  hielt aber dennoch mein Knie unter das laufende Wasser.  Ich trank auch etwas davon,  da ich nicht wusste,  auf welchem Wege die Heilung stattfinden sollte.
Danach bewiesen wir uns selbst,  wie hartgesotten wir sind und stiegen die letzten Meter zur Spitze des Berges empor.  Laut unserem Führer ist dieser Weg etwas für die hartgesottenen, in Wirklichkeit waren es nur 400 Meter und mäßig steil (und in Wirklichkeit trug Johannes vorsichtshalber meinen Rucksack für diese Meter). 
Oben gibt es einen Aussichtsturm, da Bäume die Sicht versperren, wenn man unten steht. Wir stiegen die Treppen hoch und konnten in alle Himmelsrichtungen in die Ferne blicken; Was für ein Glück,  dass der Himmel gerade nicht so bewölkt war.
Als wir wieder herabliefen, bastelte ich ein Kreuz aus zwei Stöckern und stellte es zu den zahlreichen Kreuzen,  die schon um die Quelle herum aufgebaut waren- Denn wer weiß,  vielleicht ist auch das Kreuz der Heilungsgarant bei so einer Quellenheilung...
Wir liefen den Berg wieder herunter und in den Ort Propières,  wo wir in einem Raum hinter der Kirche rasteten, weil es dort Steckdosen gab.
Wir wechselten hier wieder auf die Landstraße und liefen 2 km nach les Écharmeaux.  Auf dem Jakobsweg wären wir fast doppelt so weit und zudem hinab in ein Tal und wieder bergauf gegangen und das fanden wir recht überflüssig. 
Im Ort sollte es laut des neuen Führers, dessen Übersicht wir uns in Cluny abfotografiert hatten, einen Campingplatz geben. 
Da wollten wir hin,  auch wenn es heute dann eine sehr kurze Etappe wäre. Der Weg nach le Cergne ist,  da es ja über Berge geht, zu weit und gefährlich für mein Knie (da muss ich ja nichts riskieren, trotz Heilungsquelle).
Den Campingplatz im Ort gibt es leider nicht und es gab ihn auch nie. Je 2-3 km vor und hinter uns waren welche,  aber beide liegen auf Umwegen im Tal und darauf hatten wir keine Lust.
Also beschlossen wir  weiterzulaufen und zu gucken,  ob es Häuser auf der Strecke gibt oder nicht.  Im Führer steht etwas von einem Ort,  den wir aber bisher auf keiner Karte finden konnten.
Zur Not zelten wir im Wald, dachten wir uns,  denn wenn es nirgendwo Häuser gibt,  gibt es auch wenig Menschen zwischen 21 und 7 Uhr, die uns erwischen und verhaften können.
Wir liefen über Wanderwege und seit dem Col de crie ist jede Kreuzung voller Wegweiser.  Es führen etliche Wanderwege über diese hübschen Berge. Wir trafen hin und wieder sogar Wanderer.
Mein Knie schmerzte irgendwann wieder sehr und als wir endlich zwei Häuser erreichten, die wohl den Ort le mont Pinay darstellen,  war dort niemand anzutreffen.
Wir warteten etwas und überlegten uns,  was wir tun sollten.
Da sahen wir einen Mann auf ein parkendes Auto zugehen und sprachen ihn und die Fahrerin an.
Der Mann lud uns ein, nach le Cergne zu laufen,  da hätte er eine Hütte,  in der wir schlafen können (ob es privat wäre oder eine offizielle Übernachtungsgelegenheit gegen Bezahlung ist,  weiß ich nicht), aber ea waren noch mindestens 8 km bis dahin.
Es war schon relativ spät und meinem Knie wollte ich das nicht antun.
Ich habe Angst,  die ganze Reise zu riskieren,  wenn ich über meine Grenzen zu sehr überstrapaziere.Die Frau empfahl uns deswegen ein Haus in etwa 500m Entfernung.  Das sei ein Grundstück,   wo nur am Wochenende jemand sei und das wäre wohl auch erlaubt (weil es keinen Zaun gibt oder so).
Wir haben nicht alles genau verstanden, aber dass wir da hin können war das Wichtigste. Ich hoffe,  im Gefängnis glauben die uns, wenn wir von zwei Fremden erzählen, die uns das erlaubt haben.
Als wir das Grundstück erreichten sah man, dass hier wohl öfter Gruppen zusammenkommen. Es gab eine große Lagerfeuerstelle mit Bänken, eine kleine Hütte mit Bar, Holzterrasse und Tischen.  Wir setzten uns,  ruhten uns aus, fühlten uns etwas illegal und aßen zu Abend.
Dies bestand aus unseren kläglichen Resten,  da wir heute nur an geschlossene Läden geraten sind.
Wir hatten einen Rest Brot, ein Minipäckchen Lachsaufschnitt, ein klein wenig Käse, zwei Tütchen Ketchup und eine Hand voll Cashewkerne. Es war nicht viel,  aber es reichte, um nicht hungrig ins Bett zu müssen.
Allerdings war das Wasser knapp, weil wir es lange nicht auffüllen konnten.
Später stellten wir unsere unser Zelt  auf die Holzterrasse, da wir keine ebene Fläche auf der Wiese gefunden haben und es ganz gemütlich wirkte. Einige Sachen konnten wir dann in die Barhütte stellen,  um etwas mehr Platz im Zelt zu haben.
Und wir waren ganz froh,  dass es heute Abend trocken war.

Samstag, 28. Juni 2014

Tag 46: Sainte Cécile - Col de Crie

Eine Nacht in einem Bett- Das hatten wir seit Toul nicht mehr!
Richtig gemütlich war es und wir haben es sehr genossen. 
Draußen regnete es und wer nicht raus musste, blieb an diesem Sonntag sicher im Haus. Unsere Ponchos würden heute also wieder zum Einsatz kommen. 
Wir kauften etwas zu essen in der Boulangerie des Ortes und kletterten auf den ersten Berg des Tages.  Wir haben jetzt 2-3 Tage Gebirge vor uns und werden auch das erste mal über 1000 Meter kommen.Wir stiegen also bergauf, aber die schönen Aussichten wurden von den Wolken getrübt. 
Den ganzen Tag über hatten wir richtiges Aprilwetter. Erst regnete es und dann schien wieder die Sonne, danach sah es wieder nach Regen aus und kurz darauf denkt man schon über Sonnencreme nach. Im Endeffekt regnete es aber schon sehr viel.
Es ging viel bergauf und ab und zu kürzten wir den Weg ab, wenn es über die Landstraße deutlich weniger Kilometer waren als auf dem Jakobsweg.  So umgingen wir auch die ein oder andere (unnötige) Steigung.  Heute haben wir so gut 5 km eingespart.
Ich habe jetzt zum zweiten mal einen Insektenstich,  auf den ich allergisch reagiere. Das Gebiet um die Einstichstelle ist entzündet, heiß und nimmt fast meine ganze Handfläche ein. Ganz schön nervig,  da diese Stiche immer ein paar Tage halten. 
In einem kleinen Ort mit einem Laden machten wir unsere Mittagspause und zogen die Schuhe aus- auch jetzt haben wir beide keine Blasen, das Geheimnis scheint wirklich im Füße lüften und trocknen zu liegen. Wir kauften uns eine 6er-Packung Snickerseis und vedrückten sie (kann man ja schließlich nicht aufbewahren). Für mich war es mächtig viel,  Johannes hätte gern noch mehr gegessen.
Die heutige Etappe war wirklich hübsch und wir liefen viel über Hügel,  auf denen einzelne Höfe stehen.  An einem Hof mitten im nirgendwo gab es einen so lieben und verschmusten Hund, dass wir gleich ein paar Minuten stehen blieben und ihn streichelten. Als wir weiterliefen, folgte der Hund uns jedoch und für ein paar Meter war das auch süß.  Aber wir wurden den Hund einfach nicht mehr los. Was wir auch versuchten, der Kleine lief freudig neben uns her und dachte gar nicht daran, umzudrehen.
Es donnerte schon seit einer halben Stunde und wir hofften,  der Hund würde vor Ausbruch des Regens umdrehen,  aber er tat es nicht. 
Als es gerade anfing zu regnen, fanden wir eine offene Hütte (eher ein riesiges Carport) bei einem der Gehöfte und stellten uns unter. 
Wir wollten danach versuchen, einen Anwohner zu informieren und gerade in dem Moment fuhr ein Wagen vorbei.  Wir hielten ihn an, erzähltem dem Fahrer,  von welchem Hof der Hund kam und dass er uns verfolge. Der Mann wollte den Besitzern Bescheidgeben, pfiff und der Hund,  den er nicht einmal kannte,  sprang ohne zu zögern in sein Auto und legte sich wie selbstverständlich in den Fußraum des Wagens.  Verrücktes Tier!
Wir machten uns nach dem schlimmsten Regen auf den Endspurt und liefen bergauf zum Pass "Col de Crie". Dort hofften wir,  irgendwo unser Zelt aufbauen zu können und hatten Glück: Wir kamen 15 Minuten vor Ladenschluss des Cafés an und fragten die Dame an der Kasse, ob wir hinter dem Haus zelten könnten. Wir hatten dort bereits eine große Rasenfläche gesehen.  Wir bekamen sofort die Zusage und bekamen zu unserem Dankeseinkauf direkt noch ein Baguette geschenkt.  Die Dame ließ sogar eine der Toiletten extra für uns offen.  Wir haben mal wieder mehr bekommen,  als wir erhofft hatten!
Wir aßen an den Tischen der überdachten Terrasse und fanden ein Regal mit Büchern,  die man sich mitnehmen darf.  Es gab da auch ein Deutschlehrbuch aus den 60ern mit herrlich unsinnigen Dialogen. Was für ein Spaß,  das zu lesen!
Wir bauten unser Zelt auf der Terrasse auf und trugen es in einer Regenpause zum angegebenen Platz, wo wir etwas ungesehener schlafen können.  Wir fanden einen Baum,  unter dem uns auch der Regen nicht mehr viel ausmachen wird und gingen relativ früh ins Bett, denn hier im nirgendwo konnten wir eh nichts machen.  Hätte es nicht geregnet,  hätten wir aber natürlich auf dem Spielplatz gespielt. 

Freitag, 27. Juni 2014

Tag 45: Taizé - Sainte Cécile

Heute morgen war das Wetter zum weiterwandern denkbar schlecht: Es regnete und sah zudem ziemlich gewittrig aus.
Also machten wir uns nach dem Frühstück (und nachdem ich 40 Minuten auf Johannes gewartet hatte,  weil wir ja getrennt essen müssen) unter unseren Ponchos auf den Weg in den Regen. 
Zuerst liefen wir wieder auf dem Fahrradweg, der Voie verte und bogen irgendwann auf einen Wanderweg ab. Unter einer Eisenbahnbrücke fanden wir Schutz vor dem Regen und killten unsere kleinen Lunchpakete aus Taizé. Mittags erreichten wir Cluny und das dummerweise genau in der Mittagspause aller Geschäfte. Auch die Stände auf dem Marktplatz wurden gerade abgebaut. Auf dem Boden fand ich aber noch zwei kleine Paprika und eine Aprikose, die wohl heruntergefallen waren und die niemand aufheben wollte. 
Wir setzten uns vor die Touristeninformation, weil wir da auf jeden Fall reinmussten. Hier soll es ein gutes Heft  für Pilger geben mit Informationen zu Unterkünften und co.
Wir haben die 10 € dann aber nicht investiert,  sondern nur drei Seiten abfotografiert.  Eine Übersicht über Einkaufsmöglichkeiten und Campingplätze.
Die detaillierten Informationen brauchen wir nicht,  da wir bisher gut ausgekommen sind mit campen auf Campingplätzen und in Gärten/ Dörfern. 
Nachdem wir im Supermarkt unsere Vorräte aufgefüllt hatten,  liefen wir einen Berg herauf und sahen ein Gewitter anrücken.  Es war noch trocken,  aber Blitz und Donner folgten in kurzen Abständen,  es konnte also nicht mehr lang dauern, bis es losging. Wir bogen glücklicherweise nach links ab, wo der Himmel noch etwas freundlicher aussah und entkamen so dem Regen für kurze Zeit.
Es ging über Felder und Hügel und am Wald entlang. Irgendwann regnete es so stark,  dass wir uns in den Wald verzogen und warteten, dass der Regen nachließ.  Hier erwies sich der Poncho als viel praktischer als eine Regenjacke-Regenhosenkombi, weil ich mich komplett mit Rucksack daruntersetzen konnte und alles trocken blieb (an alle aus dem Pilgerforum: ich bin fast offiziell zum Poncho konvertiert).
Als das Wetter etwas freundlicher wurde,  zogen wir weiter und streichelten lange Zeit 4 Esel.
Im nächsten Örtchen angekommen sahen wir auf der gegenüberliegenden Hügelseite schon unser für heute angepeiltes Ziel Sainte Cécile und wir sahen auch viele dunkle Wolken, die nichts gutes verhießen.
Es dauerte eine Weile, bis wir im Ort angekommen waren und wollten uns gerade auf die Suche nach einer Möglichkeit unser Zelt aufzustellen machen, da begann es zu regnen und zu hageln- so stark, dass wir sogar unter dem Vordach der Kirche noch eine Menge Regen abbekamen. 
Wir warteten und froren und wurden in einer Regenpause von einer Frau angesprochen, die uns helfen wollte.  Sie führte uns zu einer neuen Pilgerherberge,  aber es war niemand zu Hause und reserviert hatten wir ja auch nicht.  Sie überlegte, wo wir unterkommen und wo sie uns ggf. hinfahren könnte. Wir wollten eigentlich nur unser Zelt irgendwo hinstellen und auch nicht mit dem Auto irgendwo hin und morgens von da aus weiterlaufen (in dem Falle hätte uns ein gutes Stück Weg gefehlt).
Als die Frau das verstanden hatte (es ist nicht immer leicht, sich auf französisch verständlich auszudrücken), wirkte sie etwas gekränkt,  weil wir uns nicht von ihr fahren lassen wollten und lief zurück zur Kirche. Es fing gerade wieder an zu regnen und vielleicht erweichte das ihr Herz,  denn sie drehte sich um und bot uns Ihren Garten an. Kurz darauf meinte sie,  dass wir auch im Haus schlafen könnten und sie brachte uns dahin. Das Haus wird gerade renoviert und wir haben es erst nach ein paar Minuten verstanden: Sie wohnt hier gar nicht und wir würden das Haus für uns allein haben!
Hier soll bald eine Ferienwohnung oder so entstehen und sie entschuldigte sich mehrfach,  dass es durch die Renovierungsarbeiten nicht ganz sauber war.
Dabei waren wir noch total platt,  denn wir hatten ein richtiges Bett,  eine Dusche,  Küche und so weiter. Wahnsinn!
Die Madame klärte mit der Nachbarin,  dass wir morgen den Schlüssel bei ihr abgeben können und fuhr weg, weil sie noch etwas vorhatte. Wir bezogen unser Haus und genossen unser Glück.  Draußen legte das Gewitter richtig los und der Regen klatschte mit aller Kraft an die Fenster.  Es ist zwar nicht schön, bei solch einem Wetter zu wandern, aber es öffnet einem vermutlich so manch eine Tür, die bei gutem Wetter verschlossen geblieben wäre. 

Donnerstag, 26. Juni 2014

Tag 42 - 44: Pause in Taizé

Eingecheckt haben wir in Taizé erst einmal bis Freitag, da wir bei unserer Ankunft direkt bezahlen mussten.  Der Teilnehmerbeitrag errechnet sich aus der Herkunft. Die deutschen zahlen also mehr als die Teilnehmer aus ärmeren Ländern.  Uns wurde für die Zeit von Dienstag Abend bis Freitag morgen ein Rahmen zwischen 56 und 75€ vorgegeben,  aus dem wir uns den für uns möglichen oft passenden Beitrag wählen konnten.
Am Mittwoch trennten Johannes und ich uns nach dem Morgengebet, da er ja bei den Erwachsenen essen und thematisch arbeiten sollte. Das Morgengebet fand vor dem Frühstück statt und verlief ähnlich wie gestern,  nur dass morgens zusätzlich Abendmahl gefeiert wird.
Das Frühstück bestand aus einem Brötchen, einem Päckchen Butter und zwei Stücken Schokolade, die man sich ins Brötchen schieben konnte (das machen wir auf der Reise auch manchmal). Dazu gab es wahlweise Tee oder Kakao. Besteck gab es keines und so biss ich eben vom Butterstück ab. Etwas gewöhnungsbedürftig,  aber es spart Abwasch. Leider produziert diese Methode aber auch sehr viel Müll.  Butter, Kekse und so weiter werden in kleinen Päckchen ausgegeben und bei der Menschenmenge hat man nachher sehr viele Tüten voll Müll. Butter vom Block ausgeben und Messer abwaschen wäre für die Umwelt die bessere Alternative.
Meine Einführung in das Tagesthema fand in einem Raum statt, in dem etwa 50-60 Teilnehmer in meinem Alter saßen. Hinterher wurde in Kleingruppen weitergearbeitet. Da gestern noch ein paar Neue angekommen waren, bildeten wir eine neue Kleingruppe. So saß ich mit jungen Menschen aus Schweden, den Niederlanden, China und Korea zusammen und es ist so gut, dass wir alle englisch sprechen. 
Während ich mit meiner Kleingruppe zusammensaß entdeckte ich Frank,  der über den Platz zur Kirche lief. Ich dachte, er sei schon viel weiter und war froh, ihn noch einmal zu sehen.  Später entdeckte ich auch die beiden deutschen Pilger, die sich in Taizé einen Stempel holten. Im Haus standen mehrere Menschen und ich war verwirrt, als mich eine Frau ansprach, ob ich Birte wäre. Es war Britta aus unserem Pilgerforum, mit der ich mich seit einiger Zeit über das Forum austausche, weil sie wenige Tage hinter uns lief.  Durch ihr flottes Tempo und unsere Nacht in Taizé hatte sie uns tatsächlich eingeholt und ich bin mit Johannes im richtigen Moment am Empfang vorbeigelaufen. Was für eine schöne Begegnung! Wir unterhielten uns und besuchten gemeinsam das Mittagsgebet. Hinterher hätten wir wohl noch Stunden weiterreden können,  aber ich musste zusehen, noch etwas vom Mittagessen abzubekommen und kam in letzter Minute an. 3 Minuten später wurde abgeräumt. 
Den Tag verbrachte ich damit, mich umzusehen, den Ort zu besuchen, eine Vogelmutter bei der Fütterung ihrer Jungen zu beobachten (und zu filmen), mich mit der Schwedin zu unterhalten, im Taizéladen zu stöbern, Postkarten und eine Kette zu kaufen und Leute aus aller Welt kennenzulernen. Unser Kleingruppentreffen am Nachmittag war richtig schön, wir unterhielten uns mehr über unsere Länder und Jobs als über das vorgegebene Thema, aber das war okay für uns alle und ist ja auch so spannend. 
Am Donnerstag stand ich bereits um 6.30 Uhr auf, weil mein Knie mich nicht mehr schlafen ließ. Ich nutzte die Gelegenheit,  eine freie Steckdose zu nutzen und etwas Tagebuch zu schreiben. Nach dem Morgengebet gab es das gleiche Frühstück wie gestern und ich beobachtete,  dass einige Jugendliche so klug waren, einen Schokoladenriegel zum verstreichen der Butter zu nutzen. Ich machte es mit dem Rest meiner angebissenen Butter ebenso und legte die Schokolade auf das Brötchen.
Da aus meiner Kleingruppe nur der Niederländer da war, suchten wir uns eine neue und sind jetzt zusammen mit zwei Deutschen, zwei Französinnen,  einem weiteren Niederländer und zwei Mädels aus den USA in einer Gruppe. Wir verabredeten uns für den Nachmittag und nutzten den Vormittag für uns. Ich legte mich auf die Wiese und entspannte.
Zum Mittagessen traf ich einen der Koreaner (dessen Namen ich mir nie werde merken können) aus meiner Kleingruppe und wir aßen zusammen ein etwas seltsames Couscousgericht mit Kichererbsen und allerhand Gemüse. Dazu gab es natürlich Baguette. Die Franzosen essen ja zu allem Baguette. Vermutlich gibt es hier im Land sogar zum Baguette noch Baguette.
Wir unterhielten uns über die WM, denn viele der deutschen Jugendlichen hatten sich dem bevorstehenden Spiel entsprechend gekleidet und geschminkt. 
Später verlängerten wir unseren Aufenthalt um einen weiteren Tag.  An sich würden wir morgen weiterlaufen (wollen), aber mit meinem Knie wird es nach zwei Pausentagen nicht besser sein. Drei werden es zwar sicher auch nicht viel besser machen, aber wir bleiben lieber hier als bald auf einem Campingplatz zu hängen, weil ich nicht weiterkomme. Wir sind kurz vor dem Zentralmassiv und jede Schonung tut dem Knie gut. Laut Schrittzähler laufe ich hier zwar auch 10 km pro Tag, aber ohne Gepäck und natürlich nicht am Stück.
Das WM-Spiel wurde leider nirgendwo übertragen und es lief auch über die Zeit des Abendessens. Aber man hörte hier und da immer wieder Zwischenstände und der Sieg für Deutschland blieb natürlich nicht ungefeiert.
Am Nachmittag lernten wir einen weiteren Pilger kennen, der in Niedersachsen gestartet ist und eher durch Zufall auf dem Jakobsweg gelandet und hängen geblieben ist. Wir unterhielten uns lange und tauschten unsere Erfahrungen mit den Menschen auf dem Weg aus.  Keiner von uns hat bisher irgendeine negative Erfahrung gemacht. Die Franzosen sind bisher durchweg freundlich, gastfreundlich und hilfsbereit.
Am Abend trafen wir uns noch einmal wieder und nachdem die Männer ins Bett gegangen sind,  habe ich von einer Gruppe Jugendlicher ein Gruppenklatschspiel gelernt. Einer der aktuellen Taizéklassiker. Egal wo man hinkommt,  irgendwo spielt eine Gruppe gerade ein Spiel.  
Den Jugendlichen zuzuhören,  wenn man im Zelt liegt oder sich in ihrer Nähe aufhält,  ist immer ein großer Spaß.  So viele Beziehungsdramen, Zickereien und wermachtwasmitwemundohnewen. Auf dem Weg zum Zelt kam ich noch mit einem Kölner ins Gespräch und so war ich dann doch viel später als geplant im Bett. 
Am Freitag haben wir verschlafen und wachten 5 Minuten vor Beginn des Morgengebets auf.  Ich nutzte die Zeit um zu duschen,  denn zu den Gebeten scheinen doch die meisten zu gehen.  Ich traf mich wieder mit meiner Kleingruppe, ging zum Chor, um Taizégesänge zu lernen und lernte hier und da Leute kennen.  Zum Mittagessen gab es heute einen mäßig leckeren Linseneintopf, von dem wieder sehr viel in den Müll wanderte.
Da gibt es extra Schilder,  dass kein Essen weggeworfen werden soll und dann servieren die einigen hundert Jugendlichen Speisen, von denen man wissen kann,  dass sie nicht gut ankommen. Na ja. Dazu gab es ein bisschen Käse (natürlich auch separat verpackt), Baguette und zwei verpackte Kekse zum Nachtisch. 
Abends bekam jeder einen Klecks Kartoffelbrei und ein Fischstäbchen. Dazu wieder Baguette und einen Keks.  
Das Abendgebet war heute Abend etwas anders als gewöhnlich,  aber sehr schön. Den eigentlichen Höhepunkt der Woche verpassen wir morgen. Da halten alle eine Kerze in der Hand. Auf einer Postkarte habe ich das schon gesehen und jetzt weiß ich auch, warum in den Liederbüchern dauernd Wachsflecken zu finden sind.
Nachmittags war ich unten an der Quelle St.Etienne, wo Stille herrschen soll und es einen See und viele Wiesen gibt. Ein sehr hübscher Park.
Wir haben natürlich noch viel mehr in Taizé erlebt und gemacht und auch der letzte Abend war schön. Wer hier vorbeikommt und etwas Zeit hat, der sollte hier einchecken. Ich finde es lohnt sich. Offiziell wird man wohl erst ab 3 Nächten aufgenommen, aber bei Pilgern sind sie glaube ich gnädiger. Morgrn geht es dann nach dem Frühstück weiter auf dem Jakobsweg, denn wir wollen ja auch irgendwann ankommen.

Dienstag, 24. Juni 2014

Tag 41: Moroges - Taizé

Der Wecker klingelte um 5.00 Uhr und den hörten nicht nur wir,  sondern auch die Wolken:  um 05.02 Uhr begann es zu regnen.
Ich dachte "[Schimpfwort] Himmel" und stellte den Wecker eine halbe Stunde weiter.  Im Regen wollte ich meine Sachen nicht packen,  wenn es sich vermeiden lässt.  Um kurz nach halb 6 hatte es dann auch tatsächlich aufgehört und wir konnten trockenen Hauptes unsere Habseligkeiten verstauen und aufbrechen.
Die Bäckerei im Ort hat gerade Umbaupause und so gab es kein Baguette für uns. Wir liefen los und trafen schon wieder einen Pilger.  Dieses mal einen französischen Opi in rot-lila Kleiderkombi.
Nachdem wir eine Straße querten, sollten wir laut Führer bald im nächsten Ort sein. "Bald". Geht es noch schwammiger, wenn man die genauen Entfernungen vorliegen hat?! Dieses "bald" war dann nach etwa 2 km. Unsere Wasserflaschen konnten wir zum Glück nach 5 km in einem kleinen Örtchen auffüllen,  denn gerade verließ ein Paar sein Haus (um halb 8 wollten wir noch nirgendwo klingeln). 
Nach einigen Kilometern bergauf kamen wir an eine große Wiese,  auf der eine große Marienstatue die Aussicht ins weite Tal genoss.  Zu ihren Füßen verputzten wir unsere Reste, die wir noch in den Rucksäcken fanden: etwas Baguette und Käse, Schokolade und Nüsse. Da wir in Taizé versorgt werden,  war es auch ganz gut, die Reste zu essen. Der Himmel klarte auf und die Sonne brach durch,  so dass wir auf der kommenden Strecke unter blauem Himmel wandern konnten. 
Wir folgten dem hübschen Höhenweg bis in den nächsten größeren Ort,  den wir pünktlich zur Mittagspause der Apotheke erreichten. Ich besorgte noch schnell ein paar Tabletten, danach zogen wir weiter zum Supermarkt,  der eine halbe Stunde länger geöffnet war.  Wir bekamen Baguette frisch aus dem Ofen und pausierten mit zwei Pilgern, die auf ihrem Weg von Rom nach Vezelay hier durchliefen. Ich fand noch offenes Wlan, um mich bei meinen Freunden in die Taizépause abzumelden und dann machten wir uns an die letzten 12 km. Ich bin schon sehr gespannt auf die Tage dort.
Wir verließen den offiziellen Jakobsweg, da Taizé knapp 4 km abseits liegt und folgten einem Fahrradweg, der uns nach 1,5 Stunden zu einem kleinen See brachte, an dem sich zahlreiche Frösche tummelten. Nach einer letzten Pause zum Füße lüften und Knie entlasten liefen wir zum kleinen Örtchen Taizé, in dem derzeit etwa 1200 Besucher leben.
Eine kleine Gruppe quasi, denn über Pfingsten waren hier über 4000 Jugendliche und Erwachsene (wer mit Taizé nicht anfangen kann, googlet bitte, man findet sehr viel).
In der Anmeldung gerieten wir an einen jungen Mann,  der offensichtlich neu in diesem Job war (alle Aufgaben werden von ehrenamtlichen Helfern übernommen) und der leicht überfordert war, da Johannes und ich einen Sonderfall darstellten: Er ist knapp über 30 und schläft somit eigentlich in einem anderen Bereich als die Jugend, zu der ich noch 2,5 Jahre gehöre.  Er darf mit im Jugendbereich zelten,  soll sich für die Themenzeiten aber zu den Alten begeben.  Informationen bekamen wir nur wenige (dafür und aber Tee und Kekse) und liefen danach etwas planlos zum Zeltplatz, um unser Lager aufzuschlagen und zu duschen. Vorher holten wir unsere Pilgerausweise aus der Poststation. Der Brief war inzwischen angekommen und wir tackerten den neuen Ausweis an den Alten. Wir haben noch  für einen Stempel Platz im Ausweis,  es war also eine Punktlandung. Nun können wir wieder beruhigt hinsehen,  wenn es irgendwo einen Stempel gibt,  der sich über zwei Felder erstreckt. 
Dass wir hier bei einer Massenveranstaltung gelandet sind,  an der hauptsächlich Jugendliche teilnehmen, merkte ich überdeutlich an den sanitären Anlagen. So viele verschmutzte und verstopfte Toiletten habe ich selten gesehen. Die Abflüsse der Duschen waren voller Haare und Kosmetikartikel und rochen erbärmlich. Der Boden war schlammig braun und ich war froh,  zur Sicherheit eine Creme gegen Fußpilz dabeizuhaben.
Als wir zum Abendessen gingen und nach fast 20 Minuten warten endlich dran waren, erfuhr Johannes, dass er mit seiner Essenskarte eigentlich in den Erwachsenenbereich müsste. Das wurde uns aber nicht gesagt und freundlicherweise durfte er heute Abend hier mitessen. Es gab einen Klecks Nudeln mit etwas Sauce daran, ein bisschen Baguette, Obst, Joghurt und zwei Kekse. Wir gingen in die Kirche zum Abendgebet und darauf hatte ich mich lange gefreut.  Das Singen der meditativen Gesänge mit über 1000 Leuten ist einfach etwas besonderes.
In der Kirche wird nicht nur Wert darauf gelegt, dass Stille herrscht,  sondern auch darauf,  dass die Besucher angemessen gekleidet sind.  Da die Outfits der Jugendlichen im  Sommer diesen Ansprüchen natürlich nicht gerecht werden  gibt es Tücher, um nackte Schultern und Beine zu bedecken. In der Kirche war eine besondere Atmosphäre.  Die Farben sind in dunklen Gelbtönen und braun gehalten und vorn brannten zahlreiche Kerzen in viereckigen Kästen, die nach hinten offen waren. Durch die Fenster drang das Licht durch bunte Scheiben. An den Seiten gibt es Bänke und Stufen,  in der Mitte sitzen die Menschen auf dem Fußboden oder auf Gebetsbänkchen. Die Brüder der Gemeinschaft kamen nach und nach dazu und haben ihren eigene Bereich in der Mitte,  abgegrenzt durch kleine Blumenkübel. Sie sind alle in weiße Gewänder gekleidet.
Das Abendgebet wurde mit einem Lied eröffnet, danach wurde ein kurzer Text aus der Bibel in verschiedenen Sprachen verlesen, zu dem sich die Hälfte der Menschen in Richtung des Mikrofones in der Saalmitte umdrehte. Auf ein paar Lieder in verschiedenen Sprachen folgte eine lange Zeit der Stille (10-15 Min). Die Fürbitten wurden von den Brüdern gesungen und  der Chor antwortete mit einem Kyrie Eleison- Choral. Einige Lieder wurden noch gesungen, immer über mehrere Minuten, wie es üblich ist.
Irgendwann erhoben sich einige Brüder mitten im Lied und verließen die Kirche. Zwei von ihnen trugen ein Kreuz in den Gang der Brüder,  die übrigen rückten nach vorn. Ein paar Besucher setzten sich vor das Kreuz.
Das Aufstehen der Brüder war offenbar das Signal für alle, dass man jetzt gehen darf. Überall erhoben sich Menschen und gingen, teilweise singend, Richtung Ausgang. Wir wussten nicht,  ob es noch weiteres Programm gab oder nicht,  das wurde uns vorhin leider nicht erklärt (dabei hatte ich extra gefragt). Viele aber blieben sitzen und als nach 5 oder 6 Liedern nichts Neues passierte,  stahlen auch wir uns davon und schauten uns unten im Bereich um, in dem man sich abends noch aufhalten und laut sein darf. 
Hier gibt es auch Getränke und Snacks zu kaufen.  Alkohol darf nur hier unten getrunken werden, geraucht wird dafür überall auf dem Gelände.  Untersagt ist es nur in den Zelten und Häusern.  Die Jugendlichen rauchen beim Essen und in der Warteschlange, vor dem Klo und auf das Alter der Raucher scheint auch niemand zu achten. Die Getränke und Knabbereien werden zum Einkaufspreis verkauft, so gibt es Eis für 20-25 Cent und Cola für 60 Cent bis 1 €.
Als wir irgendwann zu unserem Zelt gingen wunderten wir uns, dass vor den Waschhäusern jede Menge los war. Ein Blick aufs Detail machte klar, woran das lag:  Nicht die Nähe zum stillen Örtchen war so verlockend, sondern hier gab es Strom! Mit mehreren Steckdosenleisten bewaffnet rücken die Jugendlichen gruppenweise  hier an und laden ihre Smartphones auf.  Da es hier nur kostenpflichtiges Internet gibt, dürften die Akkus sogar einen Tag halten. Bald verzogen wir uns ins Zelt und versuchten zu schlafen.  Hier war ich dankbar, bereits zu Hause Ohrenstöpsel eingepackt zu haben, denn es war ganz schön laut.  Wir hatten unser Zelt nämlich nicht allzu weit von den sanitären Anlagen aufgestellt,  da wir noch nicht wussten,  dass das bis in die Nacht der "place to be" sein würde. 
Verschlafen kann ich auch nicht, da mich morgens mein kleiner Schrittzähler mit Vibration weckt. So habe ich auch eine Uhr,  denn mein Handy bleibt während der Zeit hier aus. Ich brauche es ja nicht.

Montag, 23. Juni 2014

Tag 40: Chagny - Moroges

Heute morgen liefen wir die ersten Meter mit unserem Pilgerzeltnachbarn Frank, aber bereits im Ort trennten sich unsere Wege,  da wir noch warten mussten, bis der Supermarkt öffnet, um unsere Vorräte aufzufüllen.
Als das erledigt war,  brachen wir auf, um Berge zu erklimmen,  die es laut Höhenprofil gar nicht gibt. Nun ja, unser Führer ist ja von 2009 und wer weiß,  wessen Glaube inzwischen Berge versetzt hat, so dass wir nun über welche laufen müssen.  Dem Buch vertrauen wir jedenfalls nicht mehr.
Der Himmel hielt sich schon den ganzen Morgen verdächtig bedeckt und es sah nach Regen aus. Laut Wetterbericht sollte es aber den ganzen Tag über bei 25 Grad trocken bleiben.  Das Wetter hielt sich jedoch nicht an die Prognose und als wir gerade den ersten Ort betraten fing es an zu tröpfeln. Wir kauften uns ein Baguette und setzten uns unter ein Dach,  um zu frühstücken. Die ausgestreckten Beine lagen gerade noch im Trockenen und ich beobachtete, dass sich die Wolken nicht entscheiden konnten,  ob sie ihre Tropfen für sich behalten oder den Weinbergen zur Verfügung stellen sollten.
Wir bekamen von einer Anwohnerin Kaffee angeboten- die Franzosen sind so freundlich!
Regen und Regenpausen lösten einander ab und da kein Ende abzusehen war,  mussten wir einsehen,  dass wir nicht ums Wandern im Regen herumkommen würden.  Also Poncho übergeworfen und auf ins schlechte Wetter. 
Es war vor allem deswegen bedauerlich,  dass es nach den Wochen der Trockenheit ausgerechnet jetzt regnen musste, weil wir heute viel über Höhenwege liefen und wunderschöne Aussichten verpassten, bzw. getrübt sahen.Mittags trafen wir Frank, der noch einmal umgedreht war, um die Kirche im Ort zu besichtigen. Es hatte glücklicherweise aufgehört zu regnen. Wir fanden die erste Dorfkirche in Frankreich, die einen Pilgerstempel bereithielt. Ein Gästebuch gab es auch,  in das wir uns eintrugen, damit Pilger hinter uns wissen, dass sie nicht allein sind. Mich heitert es immer auf,  wenn ich sehe,  dass wenige tage vor mir noch andere Pilger laufen.Gemeinsam  mit Frank liefen wir in den nächsten Ort, wo wir wieder eine offene Kirche fanden.  Die Kirchen im Burgund nicht so oft verschlossen und in der Regel auch gut in Schuss. Hier scheint es mehr Geld zu geben als in den Gegenden zuvor.  Frank verabschiedete sich bald und als ich kurz darauf in der Kirche eine Steckdosenleiste entdeckte, war schnell klar, dass wir ihn wohl nicht wiedersehen würden. Wir bleiben fast eine Stunde,  denn ich möchte ungern riskieren, dass meine Kamera unterwegs ausgeht. Frank hatte ein anderes Ziel als wir und einholen würden wir ihn nach unserer langen Siesta sicher nicht mehr.Auf diese Pause folgte ein langee Aufstieg.  Wir passierten ein altes Gemäuer und stiegen in ein großes Loch/ Fenster,  um ein Foto zu machen.  Lange und zeitweise steil ging es hinauf auf eine Höhe,  von der man eine tolle Aussicht haben sollte.  Als wir am Kreuz ankamen, wo die Aussicht prächtig sein sollte,  stellten wir enttäuscht fest,  dass wir nichts sehen konnten außer Bäumen.  Danke Frau Retterath!
Etwas enttäuscht,  nach diesem langen Aufstieg über Geröll und große Steine nicht mit einer Aussicht belohnt zu werden,  setzten wir uns und aßen viel Schokolade.
Als wir unseren Weg fortsetzten mussten wir uns innerlich bei der Autorin des Buches entschuldigen.  Johannes hatte undeutlich gelesen und im Text stand, dass hinter dem Kreuz die Aussicht kam und da wurden wir nicht enttäuscht. Wir hatten eine grandiose Sicht auf das weite Land,  auf Hügel und Berge.  Ich konnte mich nicht sattsehen und es wurde noch schöner,  nachdem wir über eine Kuhweide liefen. Die Tiere,  die in angemessenem Abstand grasten und es offensichtlich gewohnt sind,  dass Wanderer durch ihr Wohnzimmer laufen,  sind für ihren Ausblick echt zu beneiden.
Wir machten uns an einen langen Abstieg und wanderten durch malerische Örtchen.
Zum angepeilten Etappenziel ging es noch einmal äußerst steil bergauf und wir waren froh,  als wir den Wasserhahn auf dem Friedhof entdeckten. So konnten wir noch fix die Köpfe waschen, denn man weiß ja nie,  was kommt.
Die beiden Männer,  die wir vor ein paar Tagen getroffen hatten und heute auch ein paar mal sahen,  hatten gerade ein Plätzchen für ihr Zelt organisiert, wir wollten aber noch ein Stückchen weiter.  Morgen wollen wir nach Taizé und da es noch einige Kilometer sind, wollen wir heute möglichst noch etwas schaffen.  Es stellte sich heraus, dass die Karte im Führer etwas unklar war,  denn der Ort,  der laut Karte noch ein Stück weg war, gehörte zu Moroges. Da es schon nach 18.30 Uhr war und es wieder leicht tröpfelte, beschlossen wir uns einen Zeltplatz zu suchen.
Praktischerweise hatte das Rathaus gerade geöffnet und wir konnten an offizieller Stelle nachfragen.
Die Dame am Empfang überlegte kurz mit einem Kunden und sie empfohlen uns die Wiese am Waschhaus ein Stück die Straße herunter.  Einfach so,  ohne groß zu überlegen,  ohne "das kann ich nicht entscheiden", "da muss ich erst fragen", ohne alles.
Die Wiese lag am Ortsrand und es gab sogar einen Picknicktisch. Das Wasser im Waschhaus (ein großes Wasserbecken) war leider nicht sauber und das frisch einlaufende Wasser war durch ein Gitter verdeckt.
Waschen konnten wir uns also nicht. Aber da es wieder regnete,  stellten wir uns nach dem Essen und Zeltaufbau einfach in Unterwäsche in den Regen.
Es verhält sich allerdings so, dass wenn man in Kleidung nur schnell zum pinkeln will, der Körper sofort durchnässt ist und dieser, sobald man im Regen steht,  um nass zu werden, seltsam wasserabweisend wirkt.
Unsere Outdoordusche war jedenfalls nicht besonders erfolgreich, es reichte höchstens zum Schmutz verteilen.
Wir verzogen uns zügig ins Zelt,  nicht nur,  weil das Wetter ungemütlich war, sondern auch weil wir morgen um 5 Uhr aufstehen wollen,  um vor dem Abendessen in Taizé zu sein.

Sonntag, 22. Juni 2014

Tag 39: Beaune - Chagny

Als wir Beaune verließen, begegneten wir einer Frau, die am Flüsschen wohnt und ganz viel Baguette für die Enten verstreute, die ohne Scheu um ihre Füße herumliefen. Zwar freuen sich Enten über Brot, aber dass es schädlich für sie sein kann, weiß kaum jemand. Na ja, der Entenfrau bereitet es offensichtlich Freude, ihre Tierchen zu füttern.
Schon bald hatten wir die Stadt hinter uns gelassen und liefen wieder durch Weinberge. Den ganzen Tag, auf und ab. Einem Schild zufolge laufen wir gerade auf einer der schönsten Weinstraßen der Welt.
Der Weg verlief lange auf einem Fahrradweg Bd heute waren auch außergewöhnlich viele Radler unterwegs. Die nutzen wohl alle den sonnigen Sonntag.
Heute haben wir noch eine Pilgerin getroffen. Eine Französin, die den Weg ebenfalls in Etappen läuft und jedes Jahr eine Woche pilgern geht. Bis sie ankommt, dauert es noch einige Jahre, aber so ist es dennoch schöner als gar nicht erst zu laufen.
Das Wetter war wirklich schön, aber zum Mittag hin wurde der Himmel immer bedeckter und es sah verdächtig nach Regen aus. Bei einer Pause beschlossen wir, die heutige Etappe wieder zu verkürzen. Johannes hat heute nicht viel Lust zu laufen und wir wollten zu einem Campingplatz gehen. Da wir uns nicht unter Druck setzen wollen und werden ggf. eben erst Mittwoch vormittag in Taizé eintreffen, was auch kein Thema wäre.
Also machten wir uns auf den Weg und liefen durch die letzten Orte.
Kurz vor dem Campingplatz kamen wir an einem Freibad vorbei und ich sah, dass der Eintritt nur 2,60€ betrug. Da würden wir nachher noch hingehen.
Es tröpfelte etwas, aber richtig regnen trat es nicht. Warm war es zum Glück auch noch.
Nachdem wir unser Zelt neben einem Picknicktisch aufgestellt hatten, sammelten wir also unsere Sachen zusammen und gingen ins Schwimmbad. Wasser ist toll!
Ich genoss es, zu schwimmen, zu tauchen und im Wasser zu sein.
Das Wetter hielt sich und es klarte sogar noch auf.
Zurück auf dem Platz aßen wir unser Abendbrot und da stieß ein weiterer Pilger zu uns. Langsam wird es ja richtig voll!
Erst sehen wir wochenlang keine Pilgerseele und heute begegnen weit gleich vier Pilgern.
Wir unterhielten uns eine Weile und trafen uns abends zum Fußballgucken an der Campingplatzpizzeria wieder. Dort saßen auch die anderen beiden Pilger, die wir gestern schon kennengelernt hatten.
Eine Halbzeit und einen Eisbecher später machten wir uns dann auf ihn Richtung Zelt.

Samstag, 21. Juni 2014

Tag 38: Nuits-Saint-Georges - Beaune

Wir standen heute wieder relativ früh auf (für uns bedeutet das 6.30 Uhr), damit wir zeitig in Beaune ankommen würden und noch Zeit für eine Besichtigung hatten. Als wir mit dem Packen fast fertig waren, rührte sich im Häuschen noch niemand. Also schlichen wir uns nacheinander hinein, um auf die Toilette zu gehen und unsere Sachen herauszuholen.
Nach einem kurzen Stopp am WLAN-Punkt der Touriinfo und in der Bäckerei verließen wir den Ort und begaben uns wieder zwischen die Reben. Von Weindorf zu Weindorf ging es auch heute und soweit das Auge reicht ist alles grün.
Nach einer Frühstückspause in einem Park trafen wir dann endlich wirklich zwei Pilger! Zwei Männer aus Deutschland, die den Weg in Etappen gehen. Wie unterhielten uns etwas und dann liefen wir weiter, während die Männer noch versuchten wollten, einen Stempel zu bekommen.
Der Weg führte uns über leicht hügelige Wege von Örtchen zu Örtchen und irgendwann nach Beaune hinein.
Vor dem Ortsschild mussten wir erst einmal einen Kampf austragen, den irgendwann heute hatten wir gesagt "Wer zuerst in Beaune ist, hat verloren". Zwar war das nicht wirklich ernst gemeint, aber wir erinnerten uns beide daran und stoppten gleichzeitig wenige Meter vor dem Ortsschild und rangelten dann so lange, bis Johannes endlich hinter dem Schild stand und offiziell verloren hatte.
Wir liefen die letzten Kilometer bis zum Campingplatz und bekamen einen schönen Platz zugewiesen, den hohe Hecken und Außenmauern von den anderen Plätzen trennen. Nach dem ersten Internetcheck, einer Dusche und dem Wäschewaschen liefen wir in die Stadt.
Unterwegs kauften wir schon für den morgigen Sonntag ein und liefen dann zu den  Sehenswürdigkeiten.
Ich versuchte mich an die Orte in Beaune zu erinnern. Ich war hier vor 12 Jahren oder so beim Austausch gewesen, Verwandte meiner französischen Gastgeber aus Rouen besuchen. Aber irgendwie kam mir nichts mehr bekannt vor.
Wir trafen die drei Wanderinnen aus der Hütte wieder und erfuhren, dass im ganzen Land heute Abend Konzerte stattfinden. In Beaune hatten wir schon 7 oder 8 Plätze gefunden, an denen Musik aufgebaut wurde.
Nachdem wir alles gesehen hatten, was und wichtig erschien, holten wir uns etwas zu essen und gingen zurück zum Platz, um Fußball zu gucken. Heute Abend spielt Deutschland gegen Ghana und wir hoffen, dass auch einige deutsche Fans im Fernsehraum des Campingplatzes einfinden werden.

Freitag, 20. Juni 2014

Tag 37:Dijon - Nuits-Saint-Georges

Heute ging es in die Weinberge. Dijon verließen wir über große Straßen und durch einen Vorort, in dem wir unser Frühstück kauften und auf einem total vermüllten Spielplatz aßen. Nach einigen Kilometern und an einem Hund vorbei, der gar nicht genug gestreichelt werden konnte, bogen wir in eine kleine Straße ein und landeten am ersten Weinberg. Acht Arbeiter schufteten zeitgleich, richteten Reben auf und nahmen alles genau unter die Lupe.
Den ganzen Tag sahen wir solche Gruppen. Wein muss echt einen Haufen Arbeit machen. Wir beobachteten auch immer wieder, wie Männer auf speziellen Geräten zwischen den Reben entlangfuhren und Pestizide oder so versprühten. Bald schon sahen wir nur noch Wein, Wein und Wein. Und dazwischen lagen im Abstand von wenigen Kilometern kleine Dörfer. Die Menschen hier verzichten sogar auf Rasen. Wo sonst Gras oder Blumen wachsen, stehen hier im Burgund Weinpflanzen.
Wir passierten die ersten Weinlokale und stiegen dann hoch auf einen Berg. Als wir auf der Ebene weiterliefen, mussten wir uns entscheiden: Links führte der neu ausgeschilderte Jakobsweg entlang und geradeaus durch den Wald führte der im Buch von 2009 beschriebene Weg, der auch als Wanderweg markiert ist.
Die Beschreibung des Waldes im Buch klang so, als sei dies der zauberhafteste Wald, den die Autorin je durchschritten hat (der Weg schlängelt sich idyllisch über die Höhen, in den Blumenwiesen tummeln sich Schmetterlinge, üppige Waldlandschaft,...) und wir überlegten, was wir tun sollten.
Wir wussten nicht, wo der neue Jakobsweg entlangführt und wie weit die Strecke sein würde. Wir schauten um die Kurve des Weges und es sah so aus, als führe er über die Landstraßen in den nächsten Ort.
Wir entschieden uns für den Waldweg, denn der würde sicher schöner sein.
Was wir nicht wussten war, dass es richtig steil bergauf gehen sollte. Also wirklich steil. Über Geröll und Wurzeln. Johannes nahm meinen Rucksack vor die Brust, denn dieser (steile) Anstieg war nicht besonders gut für mein schmerzendes Knie. Auch ohne Rucksack wurde es mächtig schmerzhaft, aber nicht mal so anstrengend wie ich dachte. Na ja, ohne Rucksack ist das auch kein Wunder. Wir hofften, oben in 8 km Höhe mit einer prächtigen Aussicht belohnt zu werden, aber daraus wurde nichts. Wir sahen zwar viele schöne Bäume und Lichtungen, aber das Tal konnten wir nicht sehen. Der Weg verlief einige Zeit oben auf dem Berg, dann machten wir uns an den Abstieg. Der war zum Glück nicht so steil, für das Knie aber auch ziemlich anstrengend. Als wir endlich wieder unten angekommen waren und aus dem Wald traten, starrten wir einen Augenblick fassungslos nach links.
Diese Kirche hatten wir vor dem Aufstieg schon gesehen, aber da waren wir wenige hundert Meter dichter dran!
Wenige hundert Meter! Wir konnten den Weg sehen, den wir hätten nehmen können und hätten uns 2,5- 3km Bergklettern erspart!
Warum schreibt dir Autorin nicht, dass man auch einfach 400 Meter um den Wald herumgehen kann?!
Ähnlich "lustig" ging es mit dem Führer heute weiter: "Nach einer Weile gemütlichen Höhenspaziergangs" sollte man ins Tal gehen. Wie lange dauert denn so eine Weile? Wir befürchten, die Autorin unserer Führers hat hier jeden Wein probiert, an dem sie vorbeigepilgert ist.
Im Örtchen nach dem Wald (den wir schon vor über einer Stunde hätten erreichen können) erholten wir uns erst einmal von dieser unnötigen Tour. Wie vielen Pilgern mag es vor uns so gegangen sein? Sind wir mit diesem Bogen in guter Gesellschaft?
Wir setzten unseren Weg durch die Weinberge fort und egal, wohin man sah, es gab wirklich nur Wein. Und bunte Dächer. Einige Häuser haben diese bunten Dächer, für die das Burgund bekannt ist. In einem Dort setzten wir uns vor ein Café und warten, bis die Mittagspause herum war. Wir tranken eine kalte Cola und spielten mit dem Hund der Besitzerin.
Wir liefen die letzten Kilometer nach Nuits-Saint-Georges und machten einen Abstecher in den Supermarkt. Danach liefen wir auf der Suche nach einer Toilette in die Innenstadt und fanden glücklicherweise offenes WLAN an der Touristeninformation. Denn unterwegs hatten wir kleine Schilder für ein "Chalet du pèlerins" wahrgenommen, aber unser Buch wusste noch nichts davon. Wir fanden die Telefonnummer heraus und wagten einen Anruf. Da wir nicht reserviert hatten, wollten wir nur um einen Platz für das Zelt bitten. Pierre, der Besitzer, sagte uns sofort zu und hätte uns auch ins Haus gelassen, aber da solle schon ein Pilger sein.
Aha? Da bin ich ja mal gespannt! Endlich ein Pilger!
Wir liefen zu der angegeben Adresse und fanden das Gartentor verschlossen und die Fensterläden verriegelt. Hier war bestimmt noch niemand. Es sieht aus wie ein Schrebergarten, das Häuschen steht für sich neben Gemüsebeeten und ich vermutete, dass der Schlüssel hier irgendwo versteckt sein würde. Aber wir fanden ihn nicht und beschlossen, erst einmal zu essen, denn Pierre wollte noch vorbeikommen.
5 Minuten später kam er schon und zeigte uns das Schlüsselversteck. Und es war so simpel! Ich hatte Johannes noch gesagt, er solle da gucken, aber na ja. Pierre weiß ja nicht, dass wir Geocacher sind. Dann wäre es nämlich peinlich gewesen.
Er schloss uns die Hütte auf und fuhr dann los, die drei Pilger einsammeln, denn die hatten sich verlaufen. Drei Pilger? Es wurde immer spannender.
Als ich aus der Dusche kam, waren diese bereits eingetroffen und es stellte sich heraus, dass wir die drei jungen Frauen bereits kannten. Sie kamen heute Mittag kurz nach uns aus dem Wald und wir machten lustige Fotos an einer Figur im Örtchen. Die Französinnen waren aber gar keine Pilger, sondern wandern für 3 Tage auf einem Weinbergwanderweg. Offiziell dürften sie hier also gar nicht schlafen, weil die Hütte ausdrücklich nur für Pilger mit Pilgerausweis ist.
Aber na ja, da wir unser Zelt haben, ist das kein Problem. Ansonsten wäre es ärgerlich gewesen. Aber wir haben hier einen Platz, eine Dusche und eine Toilette und schlafen hier gegen Donativo. Einen eigenen Stempel gibt es hier übrigens auch.
Es gibt sogar eine Küche, aber das wussten wir ja vor dem Einkauf noch nicht.
Im Kühlschrank fanden wir jedoch Butter und das war ein kleines Fest!
Es ist zu warm zum Butterpilgern, die würde uns im Rucksack sofort schmelzen. Deswegen freuen wir uns immer sehr, wenn wir mal welche essen können. Mit Butter schmeckt das Baguette nämlich gleich viel besser.
Ich konnte mir aus der Hütte sogar eine Wolldecke nehmen und habe heute Nacht somit Beinfreiheit. Das ist für mein Knie wichtig, weil ich nachts viel wach liege und im engen Schlafsack keine gute Position finde.
Die Situation meiner Schuhsohlen bereitet mir zusätzliche Sorgen. 200€ haben die gekostet und keine 700 km gehalten. Noch kann ich darin laufen, aber die Sohle kann ich auch schon gut hochziehen und es klemmen dauernd Steine zwischen Schuh und Außenkante.
Bald werde ich mir etwas überlegen müssen, aber wegwerfen will ich die Schuhe nicht gleich (ich hab die doch noch nicht lange) und schon gar nicht noch einmal so viel Geld investieren. Ob die Kniesache durch die Sohlen nicht auch noch verschlechtert wird, frage ich mich schon ein paar Tage, aber in den Ersatzschuhen geht es derzeit auch nicht besser.
Wie auch immer, heute Abend saßen wir noch etwas beieinander, unterhielten uns und genossen die Kirschen, die Pierre uns noch gepflückt und zusammen mit Sirup und Saft vorbeigebracht hatte.
Wir liefen auch noch kurz ins beschauliche Zentrum, um zu gucken, wie die Franzosen Fußball schauen. Es war ein guter Abend dazu, denn als wir aufbrachen stand es 3:0 gegen Schweiz.
Aber in der Stadt war nichts los. Nur eine Bar übertrug das Spiel und es guckten nur etwa 8 Leute zu. Davon waren mindestens 2 keine Franzosen. Traurig. Hoffentlich haben wir morgen mehr Glück, wenn wir das Deutschlandspiel gucken wollen. 

Donnerstag, 19. Juni 2014

Tag 36: Messigny-et-Vantoux - Dijon

Heute morgen wurden wir mit Frühstück versorgt und danach an die Stelle gefahren, an der wir gestern eingesammelt wurden.
Wir liefen die 10 km nach Dijon, die in Wirklichkeit etwas mehr waren und kamen an einem Kirschbaum vorbei, der die schönsten und leckersten Früchte trug, die wir bisher hatten. Die Kirschen waren fast schwarz, aber leider kamen wir nur an wenige heran.
Die Strecke nach Dijon zog sich ins Unendliche und mein Knie tat heute wieder wirklich weh.
Als wir endlich am Campingplatz angekommen waren, setzten wir uns mit einer kalten Cola auf die Terrasse und loggten und ins Internet ein. Nachdem wir etwas entspannt hatten, gingen wir duschen und wuschen alle Wäsche, die wir im Rucksack hatten. Da es heute warm ist und wir früh gewaschen haben, wird heute Abend als trocken sein.
Später machten wir uns auf den Weg in die Stadt, um uns umzuschauen. Dijon ist hübsch und erwartungsgemäß fanden wie an jeder Ecke Senf.
In einem Laden probierten wir spannende Sorten wie Senf mit Kokosnuss und Senf mit Kirsche. und es gab noch unzählige weitere Sorten.
Wir klapperten die Sehenswürdigkeiten ab, aßen etwas und als wir uns im Dom unseren Stempel holten, lud uns der Angestellte in die (wirklich hübsche) Krypta ein. Zahlen mussten wir nichts, eben weil wie Pilger sind. Das ist glaube ich unsere erste Pilgerrabatterfahrung auf dieser Reise.
Den Abend verbrachten wir dann auf dem Platz auf der Terrasse und schauten uns das WM-Spiel an. Es tut gut, mal einen kurzen und entspannten Tag zu haben.